Eurofighter: Geheime Tonbänder

Schmiergeld-Anschuldigungen gegen Polit-Promis

Eurofighter-Hersteller EADS gab vor einem US-amerikanischen Gericht zu, bis zu 55 Millionen Euro Schmiergeld an österreichische Politiker bezahlt zu haben – aber an wen? In geheimen Tonbandaufnahmen werden hochrangige Politiker beschuldigt. ZackZack hat die Bänder.

Wien, 15. Februar 2020 / Die Hauptdarsteller im Eurofighter-Krimi sind ein Nachrichtenhändler mit Mossad-Vergangenheit – Chaim S. -, und zwei Personen, die der FPÖ bzw. dem BZÖ nahestehen. Eine davon ist Erika Rumpold (mittlerweile Erika Daniel, Red.), damalige Ehefrau des Haider-Vertrauten Gernot Rumpold, die andere die ehemalige BZÖ- und Stronach-Abgeordnete Elisabeth Kaufmann-Bruckberger.

“They got it in cash”

Seit dem Kauf der Eurofighter reißen die Gerüchte nicht ab, dass Erika Rumpold mit ihrem damaligen Mann Gernot Rumpold über die Agentur “100% Communications” Schmiergeld verteilt haben soll. Allerdings verabsäumte die Staatsanwaltschaft, Kontoöffnungen bei den Rumpolds durchzuführen.

Der Inhalt der Tonbandaufnahmen könnte angesichts des Airbus-Geständnisses brisanter kaum sein. Bei einem Telefonat mit Nachrichtenhändler S. beschreibt Kaufmann-Bruckberger ein Treffen mit Erika Rumpold im Wiener Cafe Mozart. Bei dem Treffen sei es um den Eurofighter-Deal gegangen. Dabei soll Erika Rumpold unverblümt über Zahlungen an Spitzenpolitiker gesprochen haben. Jeder soll seinen “Teil” bekommen haben und das “direkt von ihr” (Erika Rumpold, Red.). Zwei Namen fallen ausdrücklich: Peter Sichrovsky und Boris Kandov. Sichrovsky war damals FPÖ-Generalsekretär.

Sie sollen “es” immer in “Cash” bekommen haben. Auf Nachfrage von S., ob sogar Minister Geld bekommen hätten, antwortet Kaufmann-Bruckerberger mit “Ja”. Ausdrücklich nennt Kaufmann-Bruckberger Finanz- und Verteidigungsminister (Karl-Heinz Grasser und Herbert Scheibner, Red.). Beide dementieren die Aussagen der Ex-BZÖ-Abgeordneten.

Gusenbauer, KHG und Häupl

Im zweiten Telefonat wird es noch konkreter: Chaim S. fragt, ob “die Bezahlung direkt von dem Unternehmen 100% Communications” ausging. Auch das bestätigt Kaufmann-Bruckberger. Nun fallen weitere Namen von Personen, die Geld bekommen haben sollen: Michael Häupl (ehem. Wiener Bürgermeister, Red.), Alfred Gusenbauer (ehem. Bundeskanzler, Red.) und nochmals Karl-Heinz Grasser. Wieder “alles in Cash.”

Die ehemaligen SPÖ-Politiker verwehren sich gegen die Anschuldigungen Kaufmann-Bruckbergers. Der Wiener Ex-Bürgermeister Michael Häupl sagt, es habe nie Kontakt zwischen ihm und Vertretern von EADS gegeben. Elisabeth Kaufmann-Bruckberger kenne er gar nicht, die Vorwürfe seien “völlig aus der Luft gegriffen”.

Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer vermutet ein politisches Manöver hinter den Anschuldigungen der früheren BZÖ-Abgeordneten: “Es scheint mir sehr durchsichtig zu sein, angesichts der sich verdichtenden Informationslage über den größten Korruptionsskandal der 2. Republik die SPÖ anzupatzen.” Die Verantwortung für den Skandal trage Schwarz-Blau. Auch Gusenbauer bestreitet, jemals irgendwelche Zuwendungen von EADS erhalten zu haben.

Rapid-Connection

Anders als bei Michael Häupl sind im Fall von Alfred Gusenbauer Treffen mit EADS-Mittelsmännern bekannt. Im Oktober 2006 hatte sich Gusenbauer mit EADS-Manager Johann Heitzmann getroffen. Heitzmann wurde im Jahr 2019 vom Amtsgericht München wegen schwerer Untreue im Zusammenhang mit Eurofighter-Kauf in Österreich rechtskräftig verurteilt. Das Nachrichtenmagazin “Profil” veröffentlichte 2017 ein E-Mail von EADS-Mann Wolfgang Aldag an Heitzmann. Darin wird der Rapid-Manager Werner Kuhn als Mittelsmann zum treuen Rapid-Vereinsmitglied Gusenbauer genannt:

“Meeting mit Hr. Kuhn: dieses Jahr kein Treffen mehr mit G notwendig, aber im Januar wird eines gewünscht (ich versuche, was um den 19.1./ 20.1 zu organisieren). Darabos ist als Minister vorgesehen – entweder Innen, Außen od. Verteidigung! Das Wirtschaftsmin. will SPÖ auch, Min. noch nicht definiert.“

Darabos wurde im Jänner 2007 Verteidigungsminister im Kabinett Gusenbauer und führte die Nachverhandlungen zum Eurofighter-Kaufvertrag. Rapid erhielt zwischen 2003 und 2007 über 4 Millionen Euro “nicht sichtbares Sponsoring” von EADS.

Die “Russen” Strache und Gudenus

Die Entstehung der dritten Aufnahme erinnert an einen Spionagekrimi: Kaufmann-Bruckberger traf sich mit Erika Rumpold im Cafe Mozart in der Wiener Innenstadt. Was Rumpold nicht wissen konnte: Kaufmann-Bruckberger war verkabelt. Auch die Aufnahmen dieses Treffens liegen ZackZack vor. Erika Rumpold ist bei dem Treffen in ausgelassener Stimmung. Freimütig erklärt sie, warum bei Schmiergeld nur Bares Wahres sei:

“Cash, das kannst nicht feststellen, das kannst nicht überweisen.” Hat er (Peter Sichrovsky, Red.) g’sagt: “Ja wie kann man da noch sicher sein, dass sie sich daran halten?” Dann hab ich gesagt: “das ist halt Vertrauen oder nicht Vetrauen.” Sagt er: “naja, vertrauen….”

Interessantes Detail: Schon 2006 dürften Verbindungen der beiden ehemaligen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus nach Russland in FPÖ- bzw. BZÖ-Kreisen bekannt gewesen sein: Daniel bezeichnet Strache und Gudenus beim mitgeschnittenen Gespräch wörtlich als “die Russen”.

Treffen durch Aufnahmen belegt

Im Eurofighter-Untersuchungsausschuss bestritt Daniel dann das Treffen mit Kaufmann-Bruckberger. Dem Abwehramt gelang es allerdings, die zuvor schwer hörbaren Tonaufnahmen so zu verbessern, dass die Stimmen nun gut verständlich sind. Kein Zweifel: Auf dem Band ist Daniel zu hören.

Aktuell war Erika Daniel nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Auch Elisabeth Kaufmann-Bruckberger wollte sich nicht zu ihren Vorwürfen äußern. Bis auf Johann Heitzmann gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

(fr/tw)

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Titelbild: APA Picturedesk/ZackZack-Grafik

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