V-Day

Internationaler Aktionstag gegen Gewalt an Frauen

Zum achten Mal findet am Valentinstag der Internationale Aktionstag gegen Gewalt an Frauen statt. Unter dem Namen „One Billion Rising“ („Eine Milliarde erhebt sich“) versammeln sich weltweit Menschen, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Der Verein One Billion Rising Austria veranstaltet eine Aktion in Wien.

Wien, 14. Februar 2020 / Häusliche Gewalt ist ein hochaktuelles Problem. Seit Jahresbeginn gab es in Österreich bereits vier Frauenmorde. 2019 waren es insgesamt 33 Frauen, die getötet wurden. Die Zahl von Opfern häuslicher Gewalt steigt in den letzten Jahren. Jede fünfte Frau in Österreich ist von körperlicher Gewalt betroffen, jede dritte von sexueller Gewalt. Die eigenen vier Wände sind dabei der gefährlichste Ort: die meisten Frauenmorde passieren in Partnerschaften und Familien. Die weltweite Bewegung One Billion Rising setzt sich für ein Ende von Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein: Jährlich finden international Kundgebungen und Aktionen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen statt, immer am 14. Februar, dem Valentinstag.

Valentinstag: Ein gutes Geschäft

Der Valentinstag wird weltweit als Tag der Liebenden gefeiert. Davon profitiert vor allem die Wirtschaft: Laut Wirtschaftskammer Österreich werden anlässlich des Valentinstags insgesamt 170 Millionen Euro Umsatz gemacht. Liebende schenken einander bevorzugt Blumen oder Süßigkeiten. Der Valentinstag ist lange im Kommerz angelangt, erfreut sich aber auch jenseits des Konsums hoher Beliebtheit. Und Aufmerksamkeit.

210 Millionen Euro für „echten Gewaltschutz“ benötigt

Sophie Hansal, Koordinatorin der Allianz „Gewaltfrei leben“, fordert im Rahmen der Pressekonferenz zu „One Billion Rising“ am Mittwoch echten Gewaltschutz. Dafür seien 210 Millionen Euro notwendig. Jahrzehnte lang seien staatliche Gelder für Gewaltschutz und Prävention auf einem absoluten Minimum gehalten worden: 2017 betrug das Budget für Frauen und Gleichstellung lediglich 0,01 Prozent des Bundesbudgets. „Nicht einmal 2,30 Euro pro Jahr und Frau gibt der Staat für Gleichstellung und Gewaltschutz aus, und das, obwohl häusliche Gewalt in Österreich jährliche Folgekosten in der Höhe von 3,7 Milliarden Euro verursacht“, sagte Hansal.

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Ewa Dziedzic: „Wir wissen, dass noch immer viel zu wenig getan wird“

Die Aktion setzt sich für ein Ende der Gewalt an Frauen und Mädchen ein. In Österreich braucht es laut Organisatoren vor allem eines: Mehr Geld für Prävention und Opferschutz. Das Geld muss von der Politik kommen. Die Grüne Nationalratsabgeordnete Ewa Dziedzic ist seit Beginn an bei „One Billion Rising“ engagiert. Bei der Initiative gehe es darum, „sichtbar zu machen, dass die Situation von Frauen schlimmer wird“, so Dziedzic: „Wir wissen, dass noch immer viel zu wenig getan wird“. In der Pressekonferenz am Mittwoch brachte sie auch Maßnahmen der jetzigen Regierung zur Sprache: Das Budget für Gewaltschutz solle vervierfacht werden, die Gleichbehandlungsanwaltschaft soll mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen.

Wichtige Rolle der Medienberichterstattung

Lena Jäger, Sprecherin des Frauenvolksbegehrens, wies anlässlich von „One Billion Rising“ auf die Rolle der Medienberichterstattung über Gewalt gegen Frauen hin. Heutzutage würden Medien immer noch von „Eifersuchtsdramen“ oder der großen Liebe, die die getötete Frau für den Täter war, schreiben. Sie machte darauf aufmerksam: Es handle sich vielfach um Morde, nicht um Eifersuchtsdramen. Sprache sei ein wichtiges Instrument, gerade wenn es darum geht, Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen. Die Projektleiterin des Frauenvolksbegehrens forderte von der neuen Regierung die Verwirklichung „unserer Forderungen, die von einer halben Million Menschen in Österreich unterstützt wurden“. 482.000 Personen bzw. 7,6 Prozent der Stimmberechtigten hatten dieses 2018 unterstützt. „Wir fordern echten Schutz, echte Sicherheit und echte Selbstbestimmung“, sagte Jäger.

„One Billion Rising“ in Wien

Am heutigen Freitag findet One Billion Rising um 17 Uhr in Wien statt. Am Yppenplatz in Wien-Ottakring kommen Frauen und Männer zusammen, um zu tanzen und ein Zeichen zu setzen – unter dem Stern der Solidarität mit Frauen und Mädchen, mit von Gewalt Betroffenen. Aiko Kazuko Kurosaki, Obfrau von „One Billion Rising Austria“ sagt:

„Wir erklären uns auch solidarisch mit den Betroffenen der Klimakrise, den politischen Repressionen, Menschen auf der Flucht, der strukturellen Gewalt und den Betroffenen von Menschenhandel und Ausbeutung.“

V-Day: Vagina und Victory

ZackZack hat mit Aiko Kazuko Kurosaki gesprochen. Warum findet der internationale Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen eigentlich am Valentinstag statt? Eve Ensler, bekannt für ihr Buch „Die Vaginamonologe“, in dem sie von sexueller Gewalt betroffene Frauen zu Wort kommen lässt, hat 2012 einen globalen Aufruf zum V-Day gestartet. „V“ steht dabei für Victory und auch für Vagina. Die Wahl fiel dabei nicht zufällig auf den Valentinstag:

„Es gibt genug Frauen, die am Valentinstag vielleicht mal eine Blume bekommen, aber an allen anderen Tagen schlecht behandelt werden.“,

so Aiko Kazuko Kurosaki im Gespräch mit ZackZack.

Aiko Kazuko Kurosaki, geboren in Tokio/Japan, lebt und arbeitet in Wien als Tänzerin, Künstlerin und Choreographin. Sie hat den Verein gegründet und veranstaltet seit 2012 die jährliche Tanz-Aktion. Dabei ist ihr die Kooperation mit dem Verein „DanceAbility-Tanz für Menschen mit und ohne Behinderung“ besonders wichtig: Gewalt an Frauen mit Behinderung ist vierfach so hoch.

„Die Kooperation mit Danceability ist uns ein besonderes Anliegen, weil Gewalt an Frauen mit Behinderung vierfach so hoch ist.“

Weitere Infos auf der Webseite von One Billion Rising Austria: https://1billionrising.at/

 (lb)

Titelbild: Andrea Peller

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