Kickl kommentiert

Sparefroh und Stehkalender

Bevor Geiz geil wurde, war es der Sparefroh, der Kinder-, aber auch Erwachsenenherzen höher schlagen ließ.

Wien, 15. Februar 2020 / Der gemeine Sparer hat es heutzutage nicht leicht. Zinsen gibt‘s aktuell so gut wie keine und manch Bankinstitut will Sparbücher erst gar nicht mehr anbieten. Da ist es nur recht und billig, wenn der Sparefroh 2.0 am Horizont auftaucht, der dem treuen Fan des Weltspartags zwar keinen Stehkalender, aber zumindest das gute Gefühl des Mit-Sparens andrehen kann.

Ein legendärer Spar-Andrehversuch war 1994 von der damaligen EU-Staatssekretärin Brigitte Ederer unternommen worden. Der als „Ederer-Tausender“ in die Geschichte eingegangene Tausender (Schilling wohlgemerkt) sollte den skeptischen Österreicher den anvisierten Beitritt zur EU versüßen. Was auch geklappt hat. Also der Beitritt, nicht unbedingt der Tausender.

Sparefroh 2.0

Der neue Sparefroh erzählt ebenso gerne G‘schichterln, wie einst das Original.

„Sparen im System“

ist sein liebster Slogan, der erneut die Herzen höher schlagen lässt. Mit „Sparen“ lässt sich alles gut verkaufen, vor allem Umbauten durchs Hintertürl. Die ÖGK-„Patientenmilliarde“ ersetzt den Stehkalender, die Dienstgebervertreter viele der Arbeitnehmervertreter.

Dass die versprochene Milliarde nicht für die Patienten, sondern schon mal zu einem Drittel für anstehende Umbau-Kosten verpulvert wird, mag nicht nur dem gemeinen Sparer auf den Magen schlagen. Sollte die Behandlung der resultierenden Geschwüre aus Spargründen nicht mehr leistbar sein, bleibt immer noch die private Versicherung. Und wenn dann die jeweilige Assekuranz am Weltgesundheitstag auch noch einen Stehkalender verschenkt, tut das dem Herzen des gemeinen wie geneppten Sparers wohl.

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

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