Der Kampf beginnt

Pflege- und Sozialberufe streiken

Es reicht! Der Kampf für die 35 Stunden Woche beginnt: Mehr als 300 Betriebe der Sozialwirtschaft schließen sich den Streikmaßnahmen an, die am Mittwoch beginnen und am Donnerstag ihren ersten Höhepunkt erreichen sollen.

Wien, 26. Februar 2020 / Die KV-Verhandlungen für die 125.000 Beschäftigten des privaten Gesundheits- und Pflegebereichs ziehen sich – die nächste und siebente Verhandlungsrunde soll am 2. März stattfinden. Inzwischen rüsten sich die Arbeitnehmer wie angekündigt für den Kampf um die 35 Stunden-Woche: über 300 Betriebe in ganz Österreich schließen sich den Streikmaßnahmen an, die am Mittwoch beginnen und am Donnerstag zu einem Höhepunkt unter anderem mit einer Streikdemo am Wiener Praterstern kommen werden. Die Arbeitnehmervertreter wollen ihre Forderung einer Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden durchsetzen – und vergessen dabei nicht auf ihre soziale Ader: Sie haben mit den Streikmaßnahmen bewusst bis nach dem Fasching gewartet, um weder Kindern noch Menschen in Pflegeheimen den Krapfen-Spaß zu verderben.

Arbeitnehmer fordern 35 Stunden-Woche

An der Streikdemo am Donnerstag nehmen laut Gewerkschaft knapp 20 Betriebe teil. Mehrere Standorte werden ihre Betriebsversammlungen dort abhalten und auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Die Kollektivvertragsverhandlungen waren zuletzt ergebnislos unterbrochen worden, weil weder Gewerkschaft noch Arbeitgebervertreter bereit waren, recht weit von ihrem jeweiligen Standpunkt abzuweichen. Die einzige Forderung der Gewerkschaft ist die Einführung einer 35-Stunden-Woche. Die Arbeitgeber sehen diese Maßnahme nicht als machbar an, sie sei zu teuer und würde den Pflegenotstand verschärfen.

Streik unter Wahrung von Gesundheit und Würde der Patienten

Bis dahin wollen die Gewerkschaften GPA-djp und vida mit weiteren Warnstreiks Druck machen. Gestreikt werde, wo es geht, hieß es – allerdings immer unter der Wahrung von Gesundheit und Würde der zu betreuenden Menschen. Ausflüge in Pflegeheimen werden aber ebenso ausfallen wie Nachmittagsbetreuung oder nicht akut notwendige Therapiesitzungen. Im Vergleich zu den vergangenen Streiks werden sich dieses Mal mehr Standorte und mehr Menschen für einen noch längeren Zeitraum beteiligen, kündigten die Arbeitnehmervertreter an.

Ein Standort „komplett zugesperrt“

Bei einem Standort der Lebenshilfe wird am Donnerstag “komplett zugesperrt”, teilte der Betriebsratsvorsitzende der Lebenshilfe Wien im Gespräch mit der APA mit. Die Einrichtung in der Rueppgasse werde komplett bestreikt, hieß es. Wegen der schleppenden Verhandlungen soll es am Donnerstag weder Musik- noch Bewegungstherapie geben, auch sonstige Aktivitäten wie etwa eine Zeitungsgruppe werden gestrichen.

Caritas unterstützt 35-Stunden-Woche

Die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche in der Sozialwirtschaft mit teils sehr belastenden Tätigkeiten und unregelmäßigen Arbeitszeiten wird auch von der Caritas unterstützt. Bei der kirchlichen Hilfsorganisation war bereits am Montag gestreikt worden – zum ersten Mal in den 18 Jahren des eigenen Caritas-Kollektivvertrags, der sich am Abschluss der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) orientiert. Am Ende müsse eine Lösung stehen, die einerseits die Mitarbeiter stärke und andererseits das Wohl der Klienten sicherstelle, hieß es.

Hilferuf an Politik

In einem scheinen sich alle Seiten – von Arbeitgebervertretern über Arbeitnehmervertreter, Gewerkschaften und Arbeiterkammer – einig: Die Politik ist hier gefordert. Ohne das Geld aus der öffentlichen Hand wird es nicht gehen, den erschwerten Arbeitsbedingungen vor allem im Bereich der Pflege sowie dem Fachkräftemangel entgegenzutreten. Mehr Geld muss her. Es brauche dringend Unterstützung von politischer Seite, so Walter Marschitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite der SWÖ.

(lb/apa)

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Titelbild: APA Picturedesk

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