DAÖ-Aschermittwoch

Eine Reportage

Das Aschermittwoch-Treffen der DAÖ. ZackZack war dort und hat sich das genauer angesehen.

Wien, 27. Februar 2020 / Es ist der 26. Februar und Aschermittwoch. Ein Tag, der rechte Herzen höher schlagen lässt. Deswegen verwundert es wenig, dass sich die DAÖ an diesem Tag trifft. Ort des Geschehens ist die Prateralm im zweiten Wiener Gemeindebezirk: Hier hielt die FPÖ nur einige Monate zuvor ihre Wahlparty ab.

Journalisten können das Gelände bereits vorher betreten. Bei der Übergabe der Presse-Zugangskarte werde ich nach dem Medium gefragt für das ich hier bin. „ZackZack“.

„Ihr seid’s ma unsympathisch. ZackZack taugt ma ned,“ erwidert ein großgewachsener Mann neben mir. Ob er Besucher ist, oder hier angestellt, weiß ich nicht.

Vor dem Eingang zur eigentlichen Veranstaltungshalle tummeln sich unzählige Menschen. Alle rauchen. Es riecht generell überall stark nach Zigarettenrauch. Alles wirkt sehr rustikal mit viel unbearbeitetem Holz. Man hat das Gefühl, nicht im Jahr 2020 zu sein, sondern eher in der guten alten Zeit, von der oft Menschen sprechen, die sich abgehängt fühlen. Überall sind rote und weiße Luftballons. Der rustikale Look und die vielen Menschen in Tracht vermitteln das Gefühl, dass man nicht in Wien, sondern viel eher irgendwo in den Bergen ist. Die Veranstaltungshalle ist schmal und eng – und es ist heiß.

Los geht’s

Spätestens, als die Blasmusik ohrenbetäubend laut zu spielen beginnt, erinnert mich die Veranstaltung sehr an ein Waldviertler Feuerwehrfest.

Man will offensichtlich bewusst volkstümlich und auch wohl auch eine Gegenveranstaltung zum Aschermittwoch-Treffen der FPÖ in Ried sein. Im Gegensatz zum Neujahrstreffen (zackzack.at berichtete von dort) sind dieses Mal weit aus mehr Frauen anwesend – Kunstpelz und Leopardenmuster scheinen der inoffizielle Dresscode zu sein.

Die Veranstaltungshalle ist bereits um 18 Uhr gut gefüllt und die Stimmung ist ausgelassen.

Im Vorbeigehen höre ich die Besucher nur über ein Thema reden: Wird Strache heute seine Kandidatur bekanntgeben oder nicht? Die Meinungen sind geteilt. ZackZack polraisiert hier. „Einen Giftpilz schluck ma ned,“ höre ich immer wieder. Später finden sich aber noch einige treue Leser.

Mastermind und Organisator Gernot Rumpold ist sichtlich gestresst. In Kärntner Heimattracht gewandet läuft er hektisch telefonierend herum, bis er plötzlich das Mikrofon in die Hand nimmt und im Dialekt einen Aufruf zur Suche nach einer verlorengegangenen Handtasche macht.

Gegenüber ZackZack zeigen sich sowohl Gernot Rumpold als auch der DAÖ-Abgeordnete Dietrich Kopps sehr erfreut über das rege Interesse von Medien und Besuchern und hoffen auf eine Ankündigung von Strache, antreten zu wollen. Anscheinend geht es ihnen nicht anders als allen anderen hier.

Die schüchternen Politiker

Plötzlich geht die Musik aus und unter dem Getuschel redet jemand aus dem Publikum in ein Mikrofon. Die Stimme ist leise und wirkt unsicher. Niemand hört ihr zu. Bei näherem Hinsehen merke ich, dass es Dietrich Kopps ist, der da spricht. Es soll wohl eine Rede sein. Mit Zettel steht er da und spricht über das Migratentenproblem an Wiener Schulen.

Die Rede erinnert mich an meine Schulzeit. An ein Referat des schüchternsten Kindes der Klasse, das vor kurzem erst mit dem Stottern aufgehört hat. Nach gefühlten drei Minuten ist die Rede vorbei und es ertönt deutscher Allerweltsschlager.

Dann spricht Klaus Handler, der Zweite im Bunde. Das Interesse ist ähnlich überschaubar wie bei seinem Vorredner. Er spricht davon, dass 80 Prozent der Gemeindewohnungen an Ausländer gingen. Jeder Satz beginnt mit „Wusstet ihr?“. Gefesselt ist niemand. Man merkt es am lauter werdenden Publikum und am leiser werdenden Handler. Nach kurzer Zeit ist auch diese Rede vorbei. “Hulapalu” von Andreas Gabalier plärrt aus den Lautsprechern.

Im gleichen Stil geht es weiter. Der offizielle Chef der DAÖ, Karl Baron, spricht ins Mikrofon. Wieder fängt jeder Satz mit „Wusstet ihr?“ an. Er spricht darüber, dass die Grünen in Wien die Hälfte der Autos verbieten wollten. Sich dafür interessieren oder es wirklich glauben tut niemand.

HC

Um sieben vor acht wird es allerdings schlagartig anders: HC Strache wird angekündigt und er beschreitet die Bühne. Plötzlich kommt Stimmung in die Halle. Laute HC-Rufe sind zu hören.

Er ist jugendlich gekleidet in heller Blue-Jeans. Die Leute lieben ihn sichtlich – und er genießt es. Während er spricht, ist es ruhig in der Halle: alle hängen ihm an den Lippen. Vom Inhalt her ist es die gleich Rede wie vor einem Monat am Neujahrstreffen, nur mit mehr Pointen. Und die kommen beim Publikum gut an. Lahme Enten wären die in der Löwelstraße bei der SPÖ. Man könnte sie sich liefern lassen, wäre nicht Fastenzeit. Häupl wäre ein Spritzer gewesen, dagegen sei Ludwig ein abgestandenes stilles Wasser. Mit den Grünen würde die Fastenzeit nicht 40 Tage dauern, sondern vier Jahre. Generell hat er “lieber ein Haus im Grünen als einen Grünen im Haus”. Bei der jetzigen FPÖ gibt es kein Mastermind. Da würde “der Master und auch das Mind” fehlen. Das Publikum lacht und applaudiert frenetisch. HC genießt es.

Strache als Verteidiger der Pressefreiheit

Strache spricht von zu vielen Regeln, von zu vielen Verboten. Er wirkt fast schon etwas neoliberal. Ich fühle mich an das BZÖ erinnert. Er sieht die Presse- und Meinungsfreiheit in Gefahr, aber die GIS gehöre auf alle Fälle abgeschafft.

Nach ungefähr einer halben Stunde ist die Luft draußen. Es kommen nur noch Stehsätze. Doch plötzlich macht Strache das, auf das alle hier gewartet haben: Er verkündet sein Antreten bei der Wien-Wahl und beschwört das Duell mit Ludwig. Leidenschaftlicher Jubel bricht aus. Die Besucher sind sichtlich erleichtert und froh – Strache auch.

Damit beginnt wohl der Wahlkampf.

(fr)

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Titelbild: APA Picturedesk

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