Kickl kommentiert

„Neger stinken ja gar nicht!“

 Vorab möchte ich mich entschuldigen, das N-Wort zu verwenden. Es ist ein Zitat aus einer Zeit, als die mit „Zehn kleinen Negerlein“ Aufgewachsenen keine ausschließlich negativen Assoziationen mit dem Wort hatten.

Wien, 29. Februar 2020 / Wie Sie sich, geschätzter Leser, vielleicht erinnern, hatte ich unlängst von einer Begebenheit aus den 1990ern erzählt. Damals ging es um fette Menschen und die Erkenntnis, dass von Leibesfülle nicht auf Faulheit oder Fleiß zu schließen ist.

Bitte verzeihen Sie mir, wenn ich ausschließlich „geschätzter Leser“ schreibe und auf jegliches Gendern verzichte. Ich mache das nämlich nicht mehr. Und zwar extra nicht! Extra deshalb, weil mir mittlerweile schon die Impfungen zu Berge stehen (also das G‘impfte aufgeht), wenn ich mit dem Getschendere in Berührung komme.

Nachdem ich vor einiger Zeit über die Gendersternchen an der Uni Wien gelesen hatte, die auch gesprochen werden sollen (indem man eine Pause einlegt), ist mir „Sehr geehrt* Liessmann“ unter die Augen gekommen.

„Es obliegt weiterhin jeder Person selbst, wie sie Sprache verwendet.“

Diese* Liessmann, seines Zeichens Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Universität Wien, erhielt jüngst von einer Kollegin ein Schreiben mit o.g. Anrede. Die Kollegin kennt ihn seit zwanzig (!) Jahren und weiß, dass es sich bei diese* Liessmann um einen Mann handelt. Macht nix. Hauptsache, sie hat die neuen Kommunikationsrichtlinien eingehalten. Bei der es sich übrigens, wie meine diesbezügliche Anfrage ergeben hat, lediglich um „ Empfehlungen und nicht um eine Vorschrift, Verordnung oder Zwangsvorgabe handelt. Es obliegt weiterhin jeder Person selbst, wie sie Sprache verwendet.“

Diese Woche habe ich in den sozialen Medien vom „ORF-Moderator nach ZIB20-Debüt auf Twitter rassistisch attackiert“ erfahren. Ein Twitterianer hatte „”… und warum brauchen wir jetzt einen Afro als Moderator? Damit wir uns langsam an die geplante Masseneinwanderung aus Afrika gewöhnen?“ geschrieben und entsprechende Reaktionen erhalten.

Erfahrung und Erkenntnis

Das erinnerte mich an eine Begebenheit mit einer Arbeitskollegin im Jahre 1989. Um mein Studium zu finanzieren, hatte ich an den Wochenenden in einem großen Supermarkt an der Kassa gearbeitet. Eine Kollegin hatte einer Runde während der Mittagspause ihre neue Erkenntnis eröffnet. Nämlich jene, dass „Neger ja gar nicht stinken“, was ihr dank der letzten Kundschaft zu Bewusstsein gekommen war.

Nein, wir sind ob des N-Wortes nicht über sie hergefallen! Auch wenn uns selbst die dem Vorfall zugrundeliegenden Gerüch(t)e zuvor weder zu Ohren noch zu Nasen gekommen waren. Ich kann mir gut vorstellen, dass besagter Twitterianer zur Erkenntnis „Neger moderieren ja gar nicht schlecht!“ kommen könnte.

Wahrscheinlich würde dieses neue Bewusstsein bei den politisch Korrekten auf mehr Unmut ob des N-Wortes, als auf Freude ob des Fortschritts stoßen. Andererseits haben wir alle durch Erfahrung gelernt, dass Blondinen nicht a priori strunzdeppert und Männerschnupfen nicht zwangsläufig eine Krankheit mit letalem Ausgang ist. Der in beiden Fällen latente Sexismus scheint nicht ganz so schlimm zu sein, als dass er die Sprachwächter auf den Plan ruft. Noch nicht …

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

Mehr von der Autorin auf: https://danielakickl.com

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Titelbild: APA Picturedesk

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