Orbans geliebte Einwanderer

Warum Budapest der nächste Corona-Hotspot sein könnte

Offiziell hat Ungarn noch keinen Corona-Fall. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass in Budapest eine der größten chinesischen Community Mitteleuropas wohnt. In den letzten Jahren machte Orban für chinesische Migranten Ungarn attraktiv.

Budapest, 29. Februar 2020 / Orban zeigt sich Migrationsbewegungen bekanntlich sehr feindlich. Aber nicht, wenn es um China und die chinesische Community geht. Budapest hat seit 1990er eine große chinesische Einwanderungsgesellschaft, in den letzten Jahren verschränkten sich zusätzlich die Beziehungen zwischen China und Ungarn. Ungarn ist für Chinas Neue Seidenstraße ein strategischer Fixpunkt mitten in Europa. Orban hängt – wie so viele andere Staatschefs – am Rockzipfel Chinas. Und jetzt gefährdet er die Gesundheit der Bevölkerung.

Orbans Deal mit Xi

Der Reihe nach: Ab dem Massaker am Platz des himmlischen Friedens 1989 zog es Tausende Chinesen nach Ungarn. Es waren vor allem erfolgreiche Geschäftsleute, die aufgrund der Unsicherheit in China, ihr Heimatland verlassen wollten – Ungarn nahm sie auf, visumsfrei. Und ihre Waren fanden viele Abnehmer, denn nach dem Fall der Sowjetunion waren billige Waren heiß begehrt. So kamen immer mehr Chinesen nach Budapest und es entstand ein Chinatown in Budapest.

Heutzutage leben rund 50.000 Chinesen in Budapest, die genaue Zahl kennt wohl keiner. Denn Budapest hat die größte Gruppe an chinesischen Einwanderern in Mitteleuropa. Vor allem seit 2013 stieg die Zahl noch einmal deutlich an. Denn Orban machte einen Deal mit China. Seitdem kauften tausende chinesische Bürger ungarische Wohnsitzanleihen im Rahmen eines Einwanderungsprogramms. Das die Chinesen nicht unbedingt ur-christliche Verteidiger des europäischen Abendlandes sind, als was sich jedoch der ungarische Ministerpräsident gerne sieht, während er gegen Zuwanderer wettert, stört Orban dabei nicht.

Orban hat kurzfristig auch einiges davon: Peking kaufte insolvenzgefährdete Unternehmen auf und investierte in ungarische Infrastruktur. Und mit den Anleihen den sich chinesische Bürger kaufen können, kaufen sich wohlhabende chinesische Bürger eine Aufenthaltsgenehmigung im Schengen-Raum.

Zentraler Umschlagort

Das Budapester Chinatown ist der zentrale Umschlagsort für chinesische Waren, die in Europa verteilt werden. Zollbestimmungen können damit umgangen werden – Orban schaut nicht so genau hin. Nicht nur Wiener Mode-Boutiquen, oftmals auch „Made in Italy“, sondern auch Billigläden überall in Mitteleuropa werden von dort aus mit 1-Euro-Waren versorgt. Nähereien wie in Italien findet man zweifelsohne auch in Budapest. Sklavenähnliche Arbeitsbedingen bei 18-Stunden-Schichten, ohne Krankenversicherung im Land, der Behörde unbekannt – gewohnt wird auf engstem Raum, dort wo genäht wird. Und: Wenn einer hustet, husten alle.

Das Neujahrsfest sagte die Budapester Community selber ab. Ab 23. Jänner verhängte China Quarantäne-Maßnahmen in Hubei. Ab 2. Februar führte Ungarn bei Flügen aus China die symbolischen Fiebertests durch. Offiziell gibt es noch keinen Corona-Fall in Ungarn.  Wie man aber mittlerweile durch andere Fälle in Europa weiß, ist das einfach, solange nicht ausreichend getestet wird. Ob das fahrlässig ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

(ot)

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Titelbild: APA Picturedesk

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