America First

Trump verwirrt mit Kampf um deutschen Impfstoff

Eine deutsche Firma unter Beteiligung der Bundesregierung ist offenbar auf einem guten Weg zu einem Corona-Impfstoff. US-Präsident Trump wollte sich die Rechte exklusiv für die USA erkaufen. Stattdessen erntet er Empörung und diplomatische Verstimmung.

Wien, 16. März 2020 / Die Welt wartet auf einen Impfstoff gegen das pandemische Corona-Virus. Experten zufolge dauert dies wohl noch mehrere Monate. Die deutsche Firma CureVac, an der auch der deutsche Staat mit einem Forschungsinstitut beteiligt ist, hat nun offenbar große Fortschritte in der Entwicklung eines Impfstoffes gemacht. Gegen Juni bzw. Juli könnte man einen fertigen Impfstoff haben.

Trump will Impfstoff nur für USA

Bei der derzeitigen pandemischen Ausbreitung des Virus ist ein Impfstoff in globalem Interesse. Doch US-Präsident Trump bleibt offenbar auch in Krisenzeiten stur bei seiner Doktrin „America First“. Der zuhause unter Druck stehende Republikaner, der die Ausbreitung des Virus zunächst unterschätzt hatte, will sich nun die Rechte für den Impfstoff exklusiv sichern. Dazu soll die US-Regierung der Tübinger Firma einen hohen Betrag geboten haben, um in den USA weiterzuforschen und den Impfstoff exklusiv an die USA zu verkaufen. Das berichten internationale Medien übereinstimmend.

US-Regierung beschwichtigt, CureVac sagt ab

Unterdessen beschwichtigt ein Sprecher der Trump-Regierung. Dieser sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass man mit mehreren Instituten in Kontakt stehe und selbstverständlich ein etwaiger Impfstoff mit anderen Ländern geteilt werden würde. CureVac will ohnehin nicht, dass einzelne Länder über den Impfstoff verfügen sollen. Die dievini Hopp BioTech Holding, Hauptinvestor von CureVac, hat bereits eine Erklärung abgegeben. Einen exklusiven Vertrag werde es nicht geben:

 “Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten”,

so Christof Hettich, einer der Geschäftsführer.

Deutsche Politik empört über Trump

Die Reaktionen auf Trumps Einzelgang waren in Deutschland entsprechend negativ. Von FDP-Chef Christian Lindner bis hin zu Außenminister Heiko Maas (SPD) äußerten deutsche Spitzenpolitiker Unverständnis. Maas betonte: “Deutsche Forscher sind führend an der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen beteiligt, in weltweiten Kooperationen (…) “Wir können nicht zulassen, dass sich andere ihre Forschungsergebnisse exklusiv aneignen wollen”, so der Außenminister. Dies werde im Kreis der G7-Staaten zu bereden sein.

“Dieses Virus werden wir nur gemeinsam besiegen, nicht gegeneinander”.

Auch CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier äußerte sich unmissverständlich. Er sei froh, dass CureVac für die US-Avancen “nicht zur Verfügung steht. Das ist eine großartige Entscheidung und eine großartige Position.” Es sei eine

“gute Nachricht, dass die Unternehmensleitung Klartext gesprochen hat”. Deutschland stehe “nicht zum Verkauf”.

Der Minister verwies zudem auf das Außenwirtschaftsrecht, das für etwaige Übernahmeangebote von Drittstaaten Mechanismen habe, wonach „nationale oder europäische Sicherheitsinteressen“ im Zweifel schlagend werden können.

(wb/apa)

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Titelbild: APA Picturedesk

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