Warum neue Krankheiten so oft auf chinesischen Märkten entstehen

Nach dem Ausbruch des Coronavirus in China lokalisierten die Behörden schnell den Ort der Entstehung in einem Lebensmittelmarkt in der Millionenstadt Wuhan. Vor zwanzig Jahren brach der Virus SARS ebenfalls auf einem Food-Market in China aus. Doch wieso sind Lebensmittelmärkte so oft Ausbruchsort für gefährliche Erkrankungen?

Wien, 16. März 2020 / Von den ersten 41 Fällen des Coronavirus haben sich 27 auf demselben Food-Market in der Millionenmetropole Wuhan aufgehalten. Der Huanan Markt wurde schnellstmöglich geschlossen. Chinesische Behörden machten bereits im Jahr 2002 einen solcher Lebensmittelmärkte als Ausgangspunkt für die Viruserkrankung SARS verantwortlich. SARS verbreitete sich in 29 Länder und tötete 774 Menschen.

Viren von Tieren

Eine Menge der Viren, die uns ernsthaft gefährlich werden können, entstammen Tieren. Die normale Grippe stammt von Vögeln und Schweinen, HIV von Schimpansen, Ebola sehr wahrscheinlich von Fledermäusen. Auch das Coronavirus kommt sehr wahrscheinlich auch von einem Tier. Gesundheitsbehörden gehen derzeit davon aus, dass das Virus ebenfalls der Fledermaus entstammt, jedoch nicht direkt. Denn das Virus scheint laut aktuellen Studien den Umweg über ein Pangolin, ein Schuppentier, genommen zu haben und ist dann in den Menschen gelangt. Doch wie ist so etwas möglich?

Ein Pangolin, möglicher Überträger des Coronavirus

Bild: CC BY-SA 3.0

Wetmarkets als Ausbruchsort

Der Lebensmittelmarkt, der als Ausgangspunkt für Covid-19 zählt, ist ein sogenannter „Wetmarket“. Dort werden lebendige Tiere in Käfigen gehalten, geschlachtet und zum Verkauf angeboten. Das besondere an chinesischen Wetmarkets ist, dass dort auch seltenere Spezies von Tieren verarbeitet werden. Viren können aufgrund der eng gepferchten Haltung und der damit verbundenen Ausscheidung von Exkrementen – wie etwa Blut, Kot oder Urin – relativ einfach von einer Spezies auf die Nächste „springen“. Der Grund, dass seltene Spezies auf chinesischen Märkten gehandelt werden, hat mit einer Entscheidung Chinas in den 70er Jahren zu tun.

Der Huanan Markt in Wuhan

Screenshot: Google Maps

Öffnung der Landwirtschaft

Unter dem kommunistischen Regime starben in den 70er Jahren mehr als 30 Millionen Menschen an Hunger. Der Staat hatte die gesamte Essenproduktion unter seiner Kontrolle. Im Jahr 1978 veranlasste der Staat deswegen, die Öffnung für die private Landwirtschaft. Großindustrielle nahmen dabei schnell die begehrten Tiere wie Schwein, Huhn und Rind unter ihre Kontrolle. Der “kleinen” Bevölkerung blieb nichts anderes übrig, als auf seltenere Tiere (Wildlife) umzusteigen und selbst zu jagen – zum Beispiel Schildkröten und Schlangen. China unterstützte dies, denn so konnten kleine Bauern ihren Lebensunterhalt fixieren.

Fledermaus – Pangolin – Mensch

Eine Änderung des Gesetzes in den 90er Jahren, die den Fang dieser Tiere kommerzialisierte und Großbetriebe diese Tiere zu züchten begonnen, sollte jedoch zu einem großen Einschnitt für die arme Bevölkerung werden. Die ärmere Bevölkerung stieg um auf noch seltenere und geschützte Tiere, wie Tiger, Pangoline und eben auch Fledermäuse. Angeboten wurden diese stets auf den Wetmarkets in Chinas Großstädten. Durch die enge Haltung dürfte der Virus den Sprung von Fledermaus, auf Pangolin und schlussendlich den Menschen geschafft haben.

Der Wetmarket in Wuhan ist derzeit geschlossen, jedoch ist die Frage, wie lange. Bereits nach dem SARS-Ausbruch in den 2000er Jahren schloss China sämtliche Wetmarkets, öffnete sie jedoch später wieder.

(bf)

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Titelbild: APA Picturedesk

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