CDU-Merz positiv auf Corona getestet

Zuvor munter Wahlkampf

Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat sich mit Corona infiziert. Der 64-Jährige hatte erst vor wenigen Tagen seine Kampagnenleitung ernannt und letzte Woche eine große Wahlkampfveranstaltung abgehalten – inmitten der Corona-Pandemie.

Berlin, 17. März 2020 / Der deutsche Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Merz gilt als einer von drei aussichtsreichen Kandidaten für die Nachfolge der scheidenden CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer und damit auch als möglicher nächster Kanzlerkandidat der Unionsparteien.

Merz zuhause in Quarantäne

“Ein am Sonntag bei mir durchgeführter Corona-Test ist positiv. Ich werde bis Ende nächster Woche zuhause unter Quarantäne stehen”,

sagte Merz am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der 64-Jährige (damit gehört er wohl knapp zur Risikogruppe) ergänzte: “Zum Glück habe ich nur leichte bis mittlere Symptome. Alle Termine sind abgesagt. Ich folge strikt den Anweisungen des Gesundheitsamtes.”

Neben Merz kandidieren auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet und der Außenpolitiker Norbert Röttgen für die Merkel-Nachfolge. Ein ursprünglich für den 25. April geplanter Parteitag zur Wahl des neuen Vorsitzenden war von der CDU-Spitze wegen der Ausbreitung des Coronavirus verschoben worden.

Kritik an Merz‘ Uneinsichtigkeit

Unklar ist, wen Merz potenziell angesteckt haben könnte. Der Bewerber um den Parteivorsitz hatte erst vor wenigen Tagen seine Kampagnenleitung ernannt – inmitten der Corona-Pandemie. Bei der scheidenden CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer löste das Entsetzen aus:

“Die Kandidaten, die sich für den Parteivorsitz bewerben, werden auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, ob sie kanzlerfähig sind. Jeder muss selbst entscheiden, welchen Fragen er Priorität einräumt”,

sagte Kramp-Karrenbauer der Welt am Sonntag. Dann fügte sie hinzu:

“In einer Lage, in der das gesamte Land gezwungen ist, seine Schulen zu schließen, als allererstes daran zu denken, wie die Partei jetzt schnellstmöglich die Kandidatenfrage löst oder Kampagnen-Managerinnen vorzustellen, mag eine Priorität sein. Meine wäre es nicht.”

Wahlkampf-Veranstaltung mit 700 Gästen

In einem Interview betonte Merz zwar, er respektiere die Entscheidungen im Zuge der Corona-Bekämpfung und halte sie für richtig. Doch wie nah kam er in der Phase der Inkubation möglichen Amtsträgern der deutschen Bundesregierung? Sein Naheverhältnis zu Konkurrent und Gesundheitsminister Jens Spahn ist jedenfalls kein Geheimnis. Auch sein Wahlkampf-Stab besteht aus mehreren CDU-Mitarbeitern. Laut „Bild.de“ hatte Merz zudem noch letzte Woche eine Wahlkampf-Veranstaltung mit 700 Menschen abgehalten! In seinem hessischen Wahlkreis witzelte der Kandidat um den Parteivorsitz sogar noch frech:

„Wir teffen uns zu keinem ganz einfachen Zeitpunkt“, so Merz, der zu diesem Zeitpunkt noch bester Laune war. Der Saal der Veranstaltung war gut gefüllt, man begrüßte sich humorvoll mit den Ellbogen. Genutzt hat es jedenfalls für Merz nichts.

(apa/wb)

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Titelbild: APA Picturedesk

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