Strabag: 11.000 gehen in Kurzarbeit

Am Mittwoch hatte die Strabag, Österreichs größter Baukonzern, die Stillegung von etwa 1.000 Baustellen verkündet. Der Baustopp ist eine Folge der Coronavirus-Krise. Rund 11.000 Mitarbeiter wurden – wie das Unternehmen mitteilte – “höchst vorsorglich” zur Kündigung angemeldet. Doch nach einem Verhandlungsmarathon mit Gewerkschaft und Betriebsrat kommt nun alles anders. Die Verhandler sind zuversichtlich, dass alle Jobs gerettet werden können.

Wien, 20. März 2020 / Es ist ein Riesenerfolg für Gewerkschaft und Betriebsrat und eine große Erleichterung für 11.000 Menschen. Nach einem zweitägigen Verhandlungsmarathon zeigten sich die Verhandler am Freitag gegenüber ZackZack zuversichtlich, dass die Strabag ihre Mitarbeiter nun in Kurzarbeit schicken könnte, anstatt sie zu kündigen. Genau so kommt es nun auch. Die Regierung hatte in den vergangenen Tagen intensiv für ein neues Kurzarbeitsmodell geworben. Dadurch sollte eine bereits rollende Kündigungswelle aufgehalten werden. Allein in der ersten Wochenhälfte war die Zahl der Arbeitslosen dennoch um 74.000 gestiegen. “Ohne die neue Regelung zur Kurzarbeit wären wir chancenlos gewesen”, sagte Omar Al-Rawi, Landtagsabgeordneter der SPÖ Wien und Strabag-Betriebsratsvorsitzender.

Wichtiges Signal

Zunächst hatte die Strabag das Kurzarbeitsmodell offenbar als ungenügend betrachtet. Das “Kurzarbeitsprogramm war insofern für uns nicht umsetzbar, da im Unterschied zur aktuell angebotenen Lösung trotz Baueinstellung – also 0 % Arbeit – dennoch etwa 40 % der Kosten angefallen wären.”, erklärte eine Konzernsprecherin gegenüber Zackzack. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es jedoch, man wolle die Unternehmensleitung unbedingt noch überzeugen. Die Strabag habe sich gesprächsbereit gezeigt, wollte unterschiedliche Beispielrechnungen von Gewerkschaft und Betriebsrat prüfen. Am Donnerstag erklärte die Strabag, sie hoffe, dass sämtliche zur Kündigung angemeldeten Mitarbeiter stattdessen in Kurzarbeit geschickt werden könnten.

Erste positive Signale gab es bereits Donnerstag Nachmittag. Betriebsratsvorsitzender Omar Al-Rawi sagte, die Konzernleitung habe sich “ehrlich bemüht” gezeigt, die Arbeitsplätze der Strabag-Mitarbeiter zu retten. Al-Rawi betonte das “sehr gute Verhältnis” zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat. Zwar sei man von den Kündigungen überrascht worden, der Konzern habe aber alle rechtlichen Vorschriften eingehalten.

Vorstand am Zug

Nun entschied der Strabag-Vorstand. Eine offizielle Einigung wurde am Freitag verkündet. Kurzarbeit im größten Baukonzern Österreichs hat wohl auch Vorbildwirkung. Für Barbara Teiber, Vorsitzende der GPA-djp, die gemeinsam mit der Gewerkschaft Bau-Holz und dem Betriebsrat mit der Unternehmensführung verhandelte, ist Kurzarbeit in der Strabag ein wichtiges Signal an andere Unternehmen. “Wir brauchen positive Beispiele, damit das Modell angenommen wird”, sagte Teiber.

Die Entscheidung des Strabag-Vorstands hilft das auch der Regierung. Ihr Kurzarbeitsmodell hat damit den ersten echten Stresstest überstanden.

(tw)

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Titelbild: APA Picturedesk

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