Lieblingsstück(e) Nr. 2

Alles, was man für die Einsamkeit braucht!

Sie fühlen sich einsam, depressiv und Ihnen fällt die Decke auf den Kopf? Keine Sorge, ZackZack hilft gerne – und lässt Sie mit diesen melancholischen Filmen in ein noch tieferes emotionales Loch fallen.

Wien, 25. März 2020 / Mit dem geballten Wissen eines Filmschülers über die Flora und Fauna der Filmwelt verköstige ich Sie heute mit meinen Lieblingsfilmen. Beginnen wir mit dem besten und einzigen Liebesfilm, der es wert ist, eine einzelne Träne über die Wange kullern zu lassen.

HER (2014)

In einer leicht futuristischen Version von Los Angeles, in der es scheinbar keine Probleme gibt, befindet sich der seit Kurzem geschiedene Theodor Twombly (Joaquin Phoenix). Er ist noch nicht über seine Gefühle hinweg, als ein neues Betriebssystem am Markt erscheint, das so intelligent wie ein Mensch ist – und verliebt sich in seine neue Begleiterin ‚Samantha‘ (Scarlett Johansson).

Was sich im ersten Moment absurd anhört, wurde liebevoll von Spike Jonze (Regie) umgesetzt. Es gibt keinen Moment, in dem man sich in diesem Film nicht berührt fühlt. Wenn dieser Film ein Traum wäre, würde ich ihn gerne träumen.
Der ständige Begleiter dieses Films ist die Einsamkeit, welche im Bild (Horte van Hoytema) und in der Musik (Arcade Fire) ständig wiedergegeben werden. Denn wie stellt man einen Dialog dar, wenn nur eine Person physisch präsent ist?
Sie werden die Antwort erahnen: gleich wie im Home-Office, wenn die Skype-Konferenz einfriert und man mit frustriertem Fluchen versucht, den PC neuzustarten.

The King’s Speech (2010)

Dieses Mal ein Film mit Bezug auf die Vergangenheit. Prinz Albert (Colin Firth), später König Georg der 6., stottert und demütigt sich in seiner öffentlichen Rolle als Repräsentant des königlichen Hauses. Vor lauter Nervosität bekommt er bei allen öffentlichen Ansprachen kein gerades Wort über die Lippen.
Seine Frau Elizabeth empfiehlt ihm einen Termin beim selbsternannten Sprachtherapeuten Lionel Logue.
Doch als sein Vater im Sterbebett liegt und sein Bruder nur kurzfristig die königlichen Geschäfte als Eduard der 7. übernimmt, muss Prinz Albert den Thron besteigen und zu allen Bürgern sprechen, denn der 2. Weltkrieg steht kurz bevor.

Der Film wurde 2011 mit vier Oscars ausgezeichnet und das zurecht. Um die Bedrückung der fehlenden Wortwahl zu verdeutlichen, wurden die Charaktere im Film sehr bewusst an den Rand des Bildes positioniert. In Kombination mit den hohen Räumen ergibt sich eine regelrechte Klaustrophobie für den Zuseher.
Falls Sie sich also zuhause noch nicht eingeengt genug fühlen, kann Ihnen dieser Film vielleicht helfen, sich noch unwohler zu fühlen.

Moon (2009)

Sam Bell (Sam Rockwell) befindet sich alleine auf einer Mondstation und wartet die Maschinen, welche Helium-3 auf der Rückseite des Mondes abbauen. Beistand bekommt er von der künstlichen Intelligenz GERTY, die ihm bei seinen täglichen Aufgaben unterstützt. Die lange Zeit abseits menschlichen Kontakts macht ihn zum psychologischen Wrack.
Kurz bevor sein 3-Jahres-Vertrag ausläuft, ist er in einen Arbeitsunfall verwickelt. Gerettet wird er ausgerechnet von jemanden, der ihm sehr ähnlich sieht.

Das Regiedebüt von Duncan Jones, dem Sohn von David Bowie, erinnert an die Sci-Fi-Filme der 70er und 80er. Viele der visuellen Effekte wurden mit Miniaturmodellen durchgeführt, CGI wurde nur spärlich eingesetzt. Hätte man die Mondlandung gefaked, würde man es wahrscheinlich so machen.
Die Thematik der Zukunft, mit der sich der Film befasst, ist eine andere, als wir uns oft vorstellen: auch wenn die Maschinerie automatisiert läuft, braucht es am Ende des Hebels einen Menschen, der alles überwacht. Aus Kostengründen wird nur ein Arbeiter hingeschickt. Einen ganzen Mond nur für sich alleine. Wenn Sie sich also in Ihrer Wohnung alleine fühlen, können Sie es vielleicht wertschätzen, wenn Sie hin und wieder Ihre Nachbar schreien hören.

Birdman (2014)

Der Schauspieler Riggen Thomson (Michael Keaton) wechselte an den Broadway, nachdem er lange Zeit der Star der Superheldenreihe „Birdman“ war. Dort möchte er das Stück „What We Talk About When We Talk About Love“ aufführen. Einerseits, um seiner Karriere Aufschwung zu verleihen und andererseits, damit er seinem Dasein Sinn verleihen kann.
Doch in der Produktion des Theaterstücks läuft einiges schief und nicht jede Position ist optimal besetzt: der Ersatz für die Nebenrolle ist ein brillanter Schauspieler, der aber nur seinen eigenen Regeln folgt. Die Produktionsassistentin ist dessen Tochter, die erst seit Kurzem aus der Entzugsklinik entlassen wurde. Die bekannteste Theaterkritikerin von New York sagt ihm unverblümt ins Gesicht, dass sein Stück ohnehin schlecht sein wird und Riggen Thomson selbst wird unter dem Druck der Arbeit immer stärker von der Stimme seiner alten Rolle, Birdman, verfolgt.

Die versteckten Schnitte und der flüssige Übergang von Handlung zu Handlung verleiht dem Film eine gewisse Magie. Während man sich als Zuseher in den vielen engen Gängen des Theaters auf visueller Ebene verirren kann, sind die verschachtelten Anspielungen ein Irrgarten auf geistiger Ebene. So spielte der Hauptdarsteller, Michael Keaton, einst selbst die Rolle des Batman. Die Filmfigur Riggen Thomson erlebt als Privatperson den Inhalt des Theaterstücks, das er gerade selbst produziert. Diese und viele kleine weitere Anspielungen machen den Film von Alejandro G. Iñárritu zum Meisterwerk, der die vier Oscars mehr als nur verdient hat.

Diese vier Filme sollten Sie erstmal für ein paar Stunden beschäftigen. Wenn Sie, ähnlich wie ich, ein Originalfanatiker sind, dann empfiehlt es sich die Filme in englischer Sprache anzuschauen.

(mp)

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Titelbild: APA Picturedesk

Martin Pichler

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