Arbeitslose aufgepasst:

Regierung macht Euch jetzt zu Ernthelfern

Die Grenzen sind zu, über 14.000 landwirtschaftliche Hilfskräfte fehlen jetzt Österreich. Das bringt die Lebensmittelversorgung in Gefahr. Die Regierung sucht jetzt Erntehelfer. Unter den typischen ausbeuterischen Bedingungen: Bis zu 60 Stunden Arbeit pro Woche für 1.500 Euro brutto im Monat.

Wien, 27. März 2020 / Plötzlich sind sie weg, “die Ausländer”. Aber der Spargel, die Erdbeeren, der Frühling kommen und die Felder wollen abgeerntet werden. Nur fehlen jetzt die Menschen aus dem Ausland, die unter katastrophalen Bedingungen für ein paar Euro die Stunde, wohnend in Notlagern, die Felder abernten.

Bis zu 5.000 Arbeitskräfte werden gesucht, so viele Menschen arbeiteten bisher unter prekären Zuständen auf den österreichischen Feldern. Jetzt müssen Einheimische einspringen. Im Fleischsektor fehlen laut Ministerin Köstinger gar 9.000 Menschen aus Nachbarländern.

Selbständige müssen zwischen Erntehelfer und Härtefonds entscheiden

Die Wirtschafskammer und die Landwirtschaftskammer suchen jetzt in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschafts- und dem Arbeitsministerium nach Erntehelfern. Über 160.000 neue Arbeitslose innerhalb von zwei Wochen zählen zur Zielgruppe, aber auch kleine Selbständige, die sich mit den 1.000 Euro aus dem Mahrer-Härtefonds de Wirtschaftskammer kaum die Miete leisten können.

Aber auch als Selbständige, denen gerade die Einkünfte weggebrochen sind, können sich als Erntehelfer melden. Doch man muss sich entscheiden: Entweder Erntehelfer oder Härtefonds – denn Zuverdienste über der Geringfügigkeitsgrenze sind nicht erlaubt, wenn man den Härtefonds beansprucht.

Zielgruppe Gärtner

Pikant: Auch Gärtner werden explizit gesucht. Das hat eine gewisse Brisanz, denn Gärtnereien sind von Corona-Schließungen betroffen. Da aber die Lebensmittelketten Hofer, REWE, Spar ebenfalls Nutzpflanzen und Samen im Sortiment haben – und nun eine Art Monopol auf dem Verkauf in Österreich besitzen – ist der Umsatz von kleinen Gärtnereien in dieser Gartensaison wohl unwiederbringlich vernichtet.

Gearbeitet werden darf maximal 12 Stunden am Tag, 60 Stunden pro Woche dürfen nicht überschritten werden. Als Entlohnung gibt es 1.500 Euro brutto im Monat. Harald Mahrer, Chef der Wirtschaftskammer und Präsident der Nationalbank, sozusagen der Herr über Österreichs Volkswirtschaft, sieht darin einen Teil vom „Team Österreich“, die Initiative Erntehelfer

„zeigt wie Betriebe und Arbeitnehmer gemeinsam diese herausfordernde Situation bewältigen können.“

Er bedankt sich bei der Regierung für die Initiative. Josef Moosbrugger, ÖVP-Landwirtschafskammer-Boss, bläst in ein ähnliches Horn:

„Mit vereinten Kräften werden wir es schaffen, unsere Lebensmittelversorgung sicherzustellen!“

Moosbrugger verlangt zumindest steuerfreie Prämien für Erntehelfer. Das liege aber an den Supermärkten, und wieviel sie den Bauern zahlen werden, sagte er der Bauernzeitung. Die 1.500 Euro Brutto-Lohn zum Netto-Lohn zu machen, fordern allerdings weder Moosbrugger, noch Mahrer, noch Köstinger.

(ot)

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Titelbild: APA Picturedesk

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