Supermärkte statt Einzelhandel

Das Corona-Supergeschäft

Am Montag können wir wieder einkaufen: Spielzeug und Haarpflege, Druckerpatronen und Unterwäsche, Staubsauger und Kompressoren, Fußbälle und Fahrräder, Weingläser und Bügeleisen, Salatpflanzen und Balkonblumen. Aber Sportgeschäfte, Geschäfte für Bürobedarf und Kleidung, Fachgeschäfte für Haushalts- und Gartengeräte bleiben geschlossen.

Wien, 29. März 2020 | „Ich hab dringend einen Kompressor gebraucht. Ich kauf sowas immer im Fachgeschäft. Aber diesmal bin ich zum Hofer, sonst hätte ich keinen bekommen.“ Ein Wiener Biogärtner ärgert sich, dass jetzt die Großen das Corona-Geschäft machen – und die Kleinen geschlossen sind.

Corona ist in Österreich der große Umverteiler. Während die Regierungsmehrheit hunderttausende Kleinunternehmer zu Bittstellern, die sich bei der Wirtschaftskammer anstellen müssen, gemacht hat, schickt die Verteidigungsministerin ihre Soldaten, um gratis die Regale in den Supermärkten zu füllen. Und der Finanzminister sorgt dafür, dass „Corona-Prämien“ bei REWE, Spar, Lidl und Hofer steuerfrei ausbezahlt werden können.

Bildergalerie zum Durchklicken: In den Supermärkten stapeln sich Waren, die vom geschlossenen Einzelhandel nicht mehr verkauft werden dürfen. Bilder: ZackZack

Die verängstigten Kundinnen werden zu den Supermärkten umgeleitet. Im Lebensmittel-Einzelhandel stehen Fleischhauer und Gemüsehändler und warten vergeblich auf Kundschaft. Ihre Umsätze brechen ein. Gleichzeitig machen die Supermärkte das Supergeschäft.

Rainer Will ist Geschäftsführer des Handelsverbands Österreich und damit für die Koordination zwischen allen Supermarkt-Ketten zuständig. Im Ö3-Interview erklärt er: „Es werden über 4.000 Jobs im Lebensmittelhandel in Österreich besetzt. Wir suchen in allen Bereichen. Sowohl in der Betreuung der Geschäftsfläche als auch im Logistikbereich – aber auch im Management.“

 Laut Will sind die neuen Supermarkt-Jobs „nachhaltig“. Die Großen rechnen offensichtlich damit, dass die Corona-Krise noch Monate anhält – und Corona so den Markt dauerhaft verändert.

 FPÖ-Nationalbanker Robert Holzmann hat als erster das große Aufräumen gefordert: „Jede Wirtschaftskrise ist auch eine Reinigung… Man muss aber sicherstellen, dass nur die überlebensfähigen Firmen überleben, die anderen, die auch ohne Krise aus dem Markt ausgeschieden wären, sollen nicht überleben.“

(pp)

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Titelbild: ZackZack

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