Wer ist Boris Johnson?

Mr. “Herdenimmunität”

Wien, 29. März 2020 /

– geboren 1964 in New York City

– ehemaliger Publizist und amtierender konservativer Premier des Vereinigten Königreichs

– schwenkte in der Corona-Krise von Laissez-faire auf Abschottung um

Profil

Boris Johnson ist am Ziel seiner Träume: Er ist Premierminister von Großbritannien und Nordirland. Johnson hatte aufgrund seiner Geburt in den USA bis 2016 neben der britischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er legte sie ab, denn „absolut frevelhafte Steuerpflichten in den USA“ zwingen ihn zu diesem Schritt. „Briten-Trumps“ Wurzeln reichen aber noch weiter. Sein Vater war konservativer EU-Abgeordneter, sein Großvater Präsident der Europäischen Kommission für Menschenrechte. Der Urgroßvater, Ali Kemal, war Innenminister des Osmanischen Reichs, dem Vorgängerreich der heutigen Türkei.

Durch die internationale Prägung seiner Familie besuchte Johnson die Europäische Schule in Brüssel. Wer die Figur Johnson verstehen will, muss sich vor allem bewusst sein, dass Internationalität im Hause Johnson immer eine elitäre Note hatte. Seine jüngere Schwester Rachel zitiert ihn aus dieser Zeit mit den Worten: Er werde „König der Welt“. Johnson, der klassische Altertumswissenschaften studierte, unterrichtete auch an einem Eliteinternat in Australien. Auch zum Königshaus hatte er schon früh beste Verbindungen: einer seiner besten Freunde war der 9. Earl Spencer, Bruder der verstorbenen Kronprinzessin Diana.

Der ehemalige Präsident des Elite-Debattierklubs „Oxford Union“ lernte schon früh das Handwerkszeug der Kommunikation. Das verhalf ihm zu einer journalistischen Karriere, die der politischen vorausging. So war er unter anderen Herausgeber des konservativen Intellektuellen-Blatts „The Spectator“. Mit einem umstrittenen Leitartikel löste er 2004 einen Skandal aus: rund um die Ermordung des Briten Kenneth Bigley durch irakische Terroristen wurde er vielfach kritisiert. Auch von Bigleys Bruder:

„Sie sind ein egozentrischer, aufgeblasener Idiot – verschwinden Sie aus der Öffentlichkeit!“

 Doch die „Bitte“ schien er zu ignorieren: 2008 trat er zur Wahl des Londoner Bürgermeisters für die konservativen Tories an – und gewann. Vier Jahre später wurde er im Amt bestätigt, ehe er die nächste Stufe nahm, nämlich das britische Unterhaus. In der Brexit-Debatte profilierte er sich schnell als Befürworter des Ausstiegs aus der EU und spaltete seine Partei – um selbst voranzukommen. Das gelang ihm auch: nach dem Abtritt von Theresa May als Premierministerin folgte er ihr nach. 2019 ließ er sich mit 43 Prozent zum Premier wählen.

Interessantes

In der Corona-Krise hat Johnson mittlerweile verschiedenste Phasen hinter sich. Nachdem er das Virus zunächst verharmloste, schlug er die umstrittene Strategie der „Herdenimmunität“ vor, für die er international Kritik erntete. Nun gibt er sich, wie gewohnt, als Hardliner.

„Es ist wichtig für mich, offen und ehrlich mit Ihnen zu reden – wir wissen, dass die Lage sich verschlechtert, bevor sie besser wird.“

Johnson steht unter Zugzwang. John Ashton, ein ehemaliger Regionaldirektor der Gesundheitsbehörde NHS, warf der Regierung Trägheit vor. „Briten-Trump“ hatte sich zuvor selbst mit dem Virus infiziert. Auch von John Ashton, einem ehemaligen NHS-Topbeamten hagelte es Kritik am anfänglichen Zögern der Johnson-Regierung. So sprach dieser von einem „bunten Durcheinander ohne jede Logik“. Doch das scheint dem bulligen Premier aktuell nicht zu schaden. In Umfragen legt er fast täglich zu. Der Amtsinhaber-Bonus scheint in der Krise auch im Königreich allgegenwärtig zu sein. Gute Zeiten für den „König der Welt“.

(wb)

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Titelbild: APA Picturedesk

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