Bundesgärten:

ÖVP gegen Wien

Die Schließung bzw. Nicht-Öffnung der Bundesgärten sorgt in Wien für Wirbel. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und die ÖVP stellen sich dabei offen gegen alle anderen Parteien. Es riecht nach Wahlkampf trotz Corona.

Wien, 01. April 2020 / ÖVP-Innenminister Karl Nehammer betonte zwar bei der Verkündung der Ausgangsbeschränkungen, dass Parks geöffnet bleiben sollen. Die sieben Bundesgärten Österreichs mussten jedoch schließen. Wien ist davon am stärksten betroffen. Mit Augarten, Belvederegarten, Burggarten, Volksgarten und dem Schlosspark Schönbrunn verlieren die Wiener durch die Schließung der Bundesregierung große und wichtige Erholungsorte. Das Gedränge auf weniger Flächen, wie etwa dem Auer-Welsbach-Park im 15. Bezirk oder der Praterallee, wurde dadurch erhöht. Seit Tagen appellieren sämtlich Rathausparteien, allen voran die SPÖ mit Stadtrat Hacker und Bürgermeister Michael Ludwig, die Gärten wieder zu öffnen. Beide sind der Meinung, dass Grünflächen im dicht gedrängten Stadtraum anders zu bewerten sind, als auf dem Land, denn “auch auf das psychische Wohlbefinden unserer Stadtbewohnerinnen muss geachtet werden”.

Die fünf gesperrten Bundesgärten Wiens.

Grafik ZackZack.

Wiener mit nur 38 Quadratmeter Wohnfläche

Laut dem Statistik Journal 2015 leben 12,5 Prozent der Wiener Bevölkerung auf einer Fläche kleiner als 45 Quadratmeter. Die durchschnittliche Wohnungsfläche in Wien beträgt zudem pro Einwohner gerade einmal 38 Quadratmeter. Statistik Austria belegt zudem, dass 50 Prozent der Wiener keinen Zugang zu einem Balkon oder Garten in ihrer Wohnung haben. Das ist mehr als 20 Prozent weniger als der österreichische Durchschnitt.

Die Wiener Neos schlagen ebenfalls in dieselbe Kerbe wie die Wiener SPÖ: “Die Parks sollten geöffnet sein, natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Regeln eingehalten werden”.

Köstinger gegen Wien

Das Argument der ÖVP-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, dass die Bundesgärten weiterhin geschlossen bleiben, ist, dass “die Gefahr auch draußen lauere” und “Sicherheitsabstände nicht eingehalten wurden”. Laut Polizei Wien hat sich die Bevölkerung am vergangenen Wochenende allerdings schon an die Maßnahmen, wie etwa Mindestabstand oder Kontaktverbot mit haushaltsfremden Personen, gehalten. Wieso das Verbot nur für die Bundesgärten und nicht für normale Parkanlagen in Wien gelte, verstehen viele Wiener nicht. Auch deswegen startete die Bevölkerung bereits eine Petition für eine Öffnung der Bundesgrünflächen auf der Plattform change.org. Fast 3.000 Menschen unterzeichneten die Forderung bis jetzt.

Vize-Bürgermeisterin Hebein wandte sich an Köstinger: bislang erfolglos.

Die Wiener Grünen mit Vizebürgermeisterin Birgit Hebein forderten ebenfalls, die Gärten zu öffnen. Hebein wandte sich in einem Telefonat an Köstinger. Köstinger habe sich laut Hebein zwar über den Kontakt mit der Stadtregierung gefreut. Die Entscheidung der Landwirtschaftsministerin fiel trotzdem gegen die Mehrheit der Wiener Entscheidungsträger aus. Die Bundesgärten bleiben weiter geschlossen.

(bf)

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Titelbild: APA Picturedesk

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