Coronakrise: Schlechtere Wettervorhersage

Die Nebeneffekte der Krise

Waren in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts die Wettervorhersagen, die über den Flimmerkasten ins Haus kamen, noch so etwas wie „Kartenglückspiele“, so sind wir gewohnt, dass Wetterberichte heute recht genau stimmen. Die Dreitagesvorschau ist kein Problem und sieben Tage Vorhersage mittlerweile der Standard. Doch das ändert sich gerade. Schuld daran ist das Coronavirus. Diesem Umstand versucht ZackZack auf den Grund zu gehen.

Wien, 05. April 2020 | Wettervorhersagen sind eine hochkomplexe Angelegenheit. Sie sind für viele Bereiche unserer modernen Gesellschaft – Flugverkehr, Bauwirtschaft, Tourismus, usw. essentiell. Wer die besten und auch meisten Daten hat, hat auch die beste Chance, das Wetter akkurat vorauszusagen. Heutzutage sind die Datenflut so groß und die Wettermodelle so komplex, dass für die Wettervorhersage Supercomputer verwendet werden müssen. Das Wetter ist an sich ein chaotisches System. Das heißt, kleinste Schwankungen können zu großen Effekten führen. Müssen sie aber nicht. Jeder kennt wohl die Erzählung von dem Schmetterling, der mit seinem Flügelschlag im Amazonasdelta einen heftigen Sturm über Europa auslöst.

Die Daten machen den Unterschied

Je mehr Daten nun zur Verfügung stehen desto eher lässt sich auf den Grundlagen der Physik und der Wahrscheinlichkeitsrechnung eine Wetterprognose erstellen. Waren im 2. Weltkrieg Viertageprognosen fast denkunmöglich, so ist heute diese Form Wochenprognose zum Standard geworden. Das könnte sich in den nächsten Wochen aber ändern. Viele Meteorologen gehen davon aus, dass aus der gängigen und recht verlässlichen Siebentageprognose wohl eine Sechs- oder im schlimmsten Fall eine Fünftageprognose werden wird.

Es fehlen die Flieger am Himmel

Schuld daran ist der derzeit deutlich eingeschränkte Flugverkehr. Zehntausende Flugzeuge haben täglich ihre Wetterdaten, die sie automatisiert bei ihren Flügen sammeln, an die Wetterdienste übertragen. So ist ein wunderbares 3-D Modell der Atmosphäre entstanden, das eine sehr gute Grundlage für die Wetterberechnung geliefert hat. Nun sind viele dieser Flugzeuge am Boden und liefern keine Daten mehr. Während das Netz am Boden weiterhin bestehen bleibt, fehlen die viele Wetterdaten der Flugzeuge, die sich zwischen Boden und 12.000 Meter Höhe bewegen. Das gute 3-D-Modell unserer Atmosphäre hat quasi viele Löcher bekommen. Satellitendaten können diese Lücke nicht füllen.

Wetterdaten fehlen

Das Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) hat in einer Mitteilung verlautbart, dass am 23. März 65% weniger Wettermeldungen von Flugzeugen eingegangen sind als im Vergleich zum 3. März. Da immer mehr Luftfahrgesellschaften mittlerweile ihre Flugzeugflotten am Boden lassen, stehen immer weniger Wetterdaten zur Verfügung.

Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Corona-Krise weiter entwickeln wird. Sollten die weltweiten Reisebeschränkungen einige Monate andauern, werden die Wettervorhersagen in den kommenden Monaten wohl deutlich unpräziser ausfallen. Ob du wie uns das in der Quarantäne wirklich essentiell betrifft, muss letztlich jeder für sich entscheiden.

(sm)

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Titelbild: APA Picturedesk

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