Kickl kommentiert

Der Corona-Hammer

Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht düstere (Wirtschafts-)Prognosen wegen Covid-19 lesen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung?

In der „Anleitung zum Unglücklichsein“ hat uns der Psychotherapeut und Philosoph Paul Watzlawick die nette Geschichte vom Hammer erzählt:

Ein Mann möchte ein Bild an der Wand mit einem Nagel befestigen, was ihm nicht möglich ist, denn der Hammer fehlt. Also überlegt er, ob er nicht vielleicht den Nachbarn um Selbigen bitten könnte. Doch der hatte ihn letztens nicht ordentlich gegrüßt! Und überhaupt ist das ein Ungustl, der ihm sicher den Hammer nicht borgen wird, wohingegen er  selbst stets freundlich und hilfsbereit ist. Typisch Schnösel, der Nachbar, der kann was erleben! Also stürmt er hinüber, klopft an und noch bevor der Nachbar auch nur „Grüß Gott“ hauchen kann, schreit der Hammerlose „Wissen Sie was! Behalten Sie sich Ihren Hammer!“

Das Pfandl und der Psychodienst

Ja, es ist alles schwer. Und ja, vieles läuft falsch. Man denke nur an die Groteske, dass zwar die Pfandleiher am Dienstag aufgesperrt und gleichzeitig eine Hotline für die psychologische Beratung eingerichtet wurden. Dies steht wohl leider tatsächlich in kausalem Zusammenhang, damit jene, die ihr letztes Hab und Gut zur Sicherung des Überlebens ins Pfandl bringen mussten, adäquat getröstet werden können.

Das Arbeitslosengeld hingegen wurde nicht erhöht. Die heißen 55 Prozent vom letzten Nettoeinkommen müssen reichen und falls nicht, hat das Pfandl geöffnet.

Es gibt auch Unternehmen, die zwar großzügig von einem der Notfalltöpfe naschen möchten, ihren Kunden aber für nicht erbrachte Leistungen dennoch keine Rückerstattung leisten wollen. Fluglinien etwa gehören dazu.

Andere durchaus (noch) liquide Unternehmen wiederum, deren Kerngeschäft vom Virus fort geschwemmt wurde, erstarren vor Schreck und schreien „Wissen Sie was! Behalten Sie sich Ihre Innovation!“

Diese Welt wird morgen nur so stark sein, wie wir sie heute machen.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede am Donnerstag sinngemäß gemeint „Diese Union wird morgen nur so stark sein, wie wir sie heute machen.“

Ja, es ist alles schwer. Und noch schwerer wird es, wenn wir uns einreden, dass der Nachbar seinen Hammer eh nicht verborgen will. Wenn wir uns von Arbeitslosenzahlen und düsteren Prognosen ins watzlawicksche Boxhorn jagen lassen wollen.

Das Gebot der Stunde können wir uns von Kaiser Franz Joseph I. abschauen, dessen Wappen mit „Viribus Unitis“ (mit vereinten Kräften) verziert war. Denn diese Welt wird morgen nur so stark sein, wie wir sie heute machen!

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

Mehr von der Autorin auf: https://danielakickl.com/

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Titelbild: APA Picturedesk

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