Kurz’ Märchenstunde auf CNN

Kommentar

Am Sonntag gab Sebastian Kurz dem CNN ein Interview. Was er dort erzählte, ist zum Teil haarsträubend.

Wien, 20. April 2020 | Sebastian Kurz legte am Sonntag auf CNN einen erstaunlichen Auftritt hin. Der Kanzler war nervös, vielleicht verunsichert von seinen mäßigen Englischkenntnissen – wäre ja verständlich. Keine perfekt einstudierten Gesten, kein NLP; Kurz bei der Stundenwiederholung. Die Message-Control lief trotzdem wie geschmiert. Frage: „Haben Sie Skigebiete zu spät geschlossen?“ Antwort: „Wir waren eines der ersten Länder, die… blablabla.“

Die Amerikaner erfahren’s zuerst

Wirklich erstaunlich ist, dass Kurz die kommenden Maßnahmen für Österreich zuerst dem amerikanischen Publikum verraten hat. Wir werden ab Mai in Restaurants sitzen können, aber nur wenn wir dort Masken tragen. (Dass die Maskenpflicht nur für Restaurantmitarbeiter gelten soll, musste nachträglich klargestellt werden.) Sieh an! So schnell kann der ORF gar nicht schauen, wie er als Leitmedium kaltgestellt wird. Kurz ist die Bewunderung der amerikanischen Zuseher offenbar wichtiger als die Information seiner Landsleute.

Die erstaunliche Testverdoppelung

Nur durch das Heischen nach wohlwollender Aufmerksamkeit kann auch die kleine Übertreibung erklärt werden, die Kurz sich bezüglich Testungen leistete. „Wir haben rund 10.000 Test am Tag,“ erzählte der Kanzler stolz. Stimmt aber nicht. Seit 3. April hatten wir laut Zahlen des Gesundheitsministeriums nie auch nur annähernd so viele Tests an einem Tag. Im Schnitt machen wir 4912. Am Tag des Interviews waren es genau 3311.

Der Kanzler wird sich gedacht haben: Das bisserl Schummeln, das macht man so da drüben. Er war ja noch bescheiden. Donald Trump hätte die Zahl der Tests sicher verzehnfacht statt nur verdoppelt.

Thomas Walach

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Titelbild: APA Picturedesk

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