10.000 Deutsche steckten sich in Österreich an

Kurz: „Es begann in München“

10.000 Deutsche kamen mit Corona aus Österreich zurück, 90 % infizierten sich laut Robert-Koch-Institut in Tirol.  Sebastian Kurz spekulierte jedoch am Mittwoch im deutschen Fernsehen, München könnte der Augangspunkt der Epidemie gewesen sein.

Wien, 23. April 2020 | Fast 10.000 Deutsche steckten sich in Österreich mit dem Coronavirus an. Das bestätigte das deutsche Robert Koch Institut (RKI) auf ZackZack-Anfrage. Insgesamt waren es 9526 Deutsche, die aus Österreich mit COVID-19 zurückkamen.

90 % in Tirol infiziert

In 4147 Fällen ist auch das Bundesland bekannt, in dem sich unsere Nachbarn infizierten. So sind 90 % der Fälle auf ein Bundesland zurückzuführen: Tirol. Nur 428 Personen infizierten sich nachweislich außerhalb Tirols. Legt man diesen Prozentsatz auch bei der anderen Hälfte fest, dann haben sich von den 9500 Menschen, rund 8500 Menschen in Tirol infiziert.

Das ist heftig, vor allem wenn man ein bisschen zurückschaut. Denn das Robert Koch Institut sagt, es sei „davon auszugehen, dass nach der Grenzschließung nicht mehr viel dazugekommen ist.“

Kam ein Fünftel der deutschen Fälle aus Österreich?

Wie viele Fälle hatte Deutschland zum Zeitpunkt der Grenzschließung rund um den 16. März? Damals lag Deutschland bei 9300 Fällen. Bis zum 16. März war der Großteil der 10.000 Deutschen, die sich mehrheitlich in Tirol infiziert hatten, wieder heimgekehrt.

Das Paznauntal rund um Ischgl war am 13. März unter Quarantäne gestellt, die Urlauber heimgeschickt worden. 10 Tage nach der Grenzschließung stand Deutschland bei 50.000 Fällen, rund ein Fünftel davon wohl aus Österreich.

Am Mittwoch spekulierte Kurz im deutschen Fernsehen jedoch bei Sandra Maischberger darüber, dass München der Ausbruchsbruchsort gewesen sein könnte. Vom “Blame game”, also gegenseitigen Beschuldigungen halte er nichts, aber: Er habe gehört, dass sich das Virus von München aus ausgebreitet habe. “Ich weiß nicht, ob das stimmt,” fügte der Kanzler hinzu. Beim Thema Ischgl fiel dann das Fernsehbild aus.

Anstatt über Ischgl zu sprechen, redete der Kanzler lieber über München. Dann fiel auch noch das Fernsehbild aus.

Die Quelle für Sebastian Kurz’ Spekulation über München als Virenschleuder stammt, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Donnerstagsausgabe vermutet, wohl von Twitter. Ein Genetiker aus Seattle hatte Anfang März, als der Tiroler Skitourismus noch in voller Fahrt war, gemutmaßt, Patienten rund um den Autozulieferer Webasto (in dieser Firma waren im Februar die ersten bayrischen Fälle bekannt geworden) seien die Verbreiter des Virus. Erst knapp 2 Wochen später schloss der Tiroler Seilbahntourismus. Tirol war zu dieser Zeit von Island schon lange als Risikogebiet vermerkt.

Auf diese Twitter-Meldung bezog sich Kurz laut “SZ” wohl gestern bei “Maischberger”. Die Nachricht stammt vom 4. März. danach lief der Tiroler Seilbahntourismus noch fast 2 Wochen.

Dornauer vermutet neue Finte von ÖVP-Grün

In Tirol kämpft SPÖ-Chef Georg Dornauer währenddessen im Alleingang für politische Aufklärung. Nachdem alle anderen Fraktionen sich geschlossen gegen seinen Antrag auf Einseitzung einer unabhängigen Untersuchungskomission gestellt hatte, brachte nun die Restoppositon (FPÖ, Liste Fritz, NEOS) einen entsprechenden Antrag ein.

„Warum die restliche Opposition diesen Antrag mit der Begründung, Aufklärung wäre erst nach bewältigter Krise angebracht, am letzten Donnerstag noch unisono abgelehnt hat und fünf Tage später den Zeitpunkt zur Aufklärung gegeben sieht, erschließt sich mir nicht“,

sagt Dornauer und sieht die Unabhängigkeit der Aufklärung gefährdet,

„dass der nun von der Restopposition eingebrachte Vorschlag ausgerechnet dem Klubobmann der Volkspartei, Jakob Wolf, in die richtige Richtung geht, ist für mich an sich schon verdächtig. Dass der Grünen-Klubobmann Gebi Mair dem Vorschlag viel abgewinnen kann, macht ihn nicht unverdächtiger.“

Dornauer vermutet eine Finte von ÖVP und Grüne, um unabhängige Untersuchungen zu sabotieren.

(ot)

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Titelbild: APA Picturedesk

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