Moskauer Fenstersturz

Kritische Ärzte fallen reihenweise aus Krankenhausfenstern

Viele Fragezeichen stehen in Russland über dem Tod zweier Ärzte, die aus den Fenstern ihrer Krankenhäuser stürzten. Ein weiterer Arzt überlebte einen Fenstersturz schwer verletzt. Alle drei hatten sich kritisch über die Arbeitsbedingungen von Krankenschwestern und Ärzten in der Corona-Pandemie geäußert.

Wien, 05. Mai 2020 | Drei russische Ärzte stürzten in den letzten 14 Tagen aus den Fenstern ihrer Krankenhäuser. Alle drei hatten sich kritisch über die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern geäußert. Alexander Shulepov postete am 22. April ein Video in die sozialen Medien, in dem er sich darüber beklagt, dass er trotz positiven Corona-Tests weiterhin arbeiten müsse. Noch am selben Tag wurde Shulepov hospitalisiert. 10 Tage später stürzte Shulepov unter mysteriösen Umständen aus dem zweiten Stock des Krankenhauses.

Sturz für Kollegen unerklärbar

Er überlebte, jedoch schwer verletzt: Schädelbruch. Der Arzt befindet sich in kritischem Zustand. Für Shulepovs Kollegen Alexander Kosyakin, der gemeinsam mit ihm das Video aufnahm, sind die Umstände des Fenstersturzes mysteriös. Gegenüber dem amerikanischen TV-Sender CNN meinte Kosyakin, dass Shulepov sich auf dem Weg der Besserung befand als er ihn das letzte Mal gesehen habe (30. April). Nur kurz darauf stürzte Shulepov aus dem Fenster. Für Kosyakin ist das nicht erklärbar.

Sturz aus Fenster während Meetings

Bereits zuvor kritisierten zwei Ärzte die mangelnde Schutzausrüstung für Mitarbeiter des Gesundheitssystems. Jelena Nepomnjaschtschaja, Chefärztin eines Kriegsveteranen-Krankenhauses in Sibirien, beschwerte sich über die Zustände beim regionalen Gesundheitsminister. Am 1. Mai stürzte Sie aus dem Fenster des fünften Stocks ihres Büros – während eines Meetings mit Verantwortlichen der regionalen Gesundheitspolitik. Sie verbachte zuvor eine Woche auf der Intensivstation, wie die Lokale TV Station TVK berichtete.

“Ein Unfall”

Am 24. April stürzte Natalya Lebedev, die Leiterin eines Ambulanzzentrums in Swjosdny bei Moskau – der Ort an dem russische Kosmonauten ausgebildet werden – aus dem Fenster ihres Krankenhauses. Laut Erklärung des Moskauer Krankenhauses starb sie „an den Folgen eines Unfalles“. Ihre Vorgesetzten sollen sie beschuldigt haben, mehrere ihrer Kollegen mit dem Coronavirus infiziert zu haben. In der Aussendung ihres Krankenhaus heißt es weiter: “Sie war ein wahrer Profi und rettete hunderte Menschenleben.” Die Polizei hat die Berichte rund um den Tod von Lebedev nicht bestätigt.

Für Russland wird die Coronakrise immer mehr zum Problem. Insbesondere der hohe Anteil an Infektionen des medizinischen Personals lastet schwer auf dem Gesundheitssystem. Immer wieder kursieren Bilder von überfüllten Krankenhausräumen mit Covid-Erkrankten durch die sozialen Medien.

(bf)

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Titelbild: APA Picturedesk

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