Wir können uns die Oligarchen nicht mehr leisten

Kommentar

Die Menschheit hat viele Probleme. Aber ein akutes davon sind die neuen Oligarchen. Sie bauen gerade den Kapitalismus um, machen ihn digitaler und greifen auch noch ordentlich Steuergeld ab.

Wien, 08. Mai 2020 | Jeff Bezos ist jetzt Billionär. Von COVID-19 profitierte der Amazon-Chef so sehr, dass er vom Milliardär zum Billionär wurde. Bezos ist einer der neuen Oligarchen, gegen deren Macht dringend etwas unternommen werden muss.

Ein paar weitere Beispiele:

  1. Rene Benko, Österreichs Oligarch Numero Uno, baut gerade sein Imperium um und versucht dafür öffentliche Gelder zu kassieren.
  2. Johann Graf, Novomatic-Eigentümer, „verschenkte“ in den letzten Jahren mindestens 30 Millionen Euro an Geschäftsfreunde, auch an Personen, die in Ministerien tätig sind. Laut Eigenangaben völlig ohne Hintergedanken. Aktuell beantragt der Konzern Kurzarbeit.
  3. Die Westbahn, das private Zugunternehmen von Strabag-Eigentümer Hans Peter Haselsteiner, kassierte während der Krise 8 Millionen Euro Staatsgeld.

Aber die neue Oligarchie ist kein österreichisches Problem und auch kein rein europäisches oder amerikanisches, sondern ein globales:

  1. Adel und Königshäuser scheinen während Corona untergetaucht. Liegt das nur daran, dass High Society und „Seitenblicke“ abgesagt sind? Dabei wäre es jetzt genau richtig, ihren Besitz der Allgemeinheit zurückzugeben.
  2. Das gleiche gilt für die katholische Kirche, der größte Besitzer von Grund und Boden in Österreich. Zwar wird gebetet, aber wird auch überlegt, deren Besitz den Menschen zurückzugeben? Eher nicht.
  3. Mark Zuckerberg, Bill Gates, Sundar Pichai (Google-Chef) gehören ebenfalls zur neuen Oligarchie. Zwar hat ihr Vermögen während Corona gelitten, dennoch setzen die Tech-Konzerne gerade alles daran, unsere Welt noch digitaler und überwachter zu machen. Werden Konzerne wie Facebook, Google oder Microsoft nicht zerschlagen, wird die Welt im datengestützten Überwachungskapitalismus nach chinesischem Vorbild aufwachen.
  4. China darf ohnehin nicht vergessen werden. Die größten Gewinner während der Corona-Krise kommen aus China. So steigerte beispielsweise Eric Yuan Zheng sein Vermögen während Corona um 77 Prozent, auf 7 Milliarden. Er ist Eigentümer der Videoplattform „Zoom“.

Währenddessen….

All das geschieht, während die Gesundheitssysteme Europas, der USA und weltweit gezeigt haben, dass sie sehr schnell völlig kollabieren. Dass sie jahrzehntelang runtergespart wurden.

All das geschieht, während die Internationale Arbeitsorganisation ILO ankündigt, dass die Hälfte der Erwerbstätigen weltweit ihren Job verlieren werden.

All das geschieht, während Staaten Billigflugunternehmen, aber auch die Lufthansa retten, damit bald wieder fette Dividende ausgeschüttet werden kann. Währenddessen kann man noch immer um 40 Euro von Berlin nach Wien fliegen.

All das geschieht, während Millionen Künstler und Kulturschaffende am ganzen Planeten ihr Einkommen verloren haben.

All das geschieht, während die Bauern keinen anständigen Lohn für Erntehelfer zahlen können, weil Billa, Rewe oder Hofer nicht mehr zahlen wollen.

All das geschieht, während griechische Inseln völlig überfüllt mit unschuldigen Menschen sind, die vor Krieg und Armut geflohen sind.

All das geschieht, während die Rüstungskosten explodieren, Kriege blutiger und Supermächte dreister werden.

All das geschieht, während das reichste Prozent der Österreicher 41 Prozent des österreichischen Vermögens besitzt. Ähnlich auch die globale Situation: Das reichste Prozent besitzt rund 45 % des Weltvermögens.

Das muss sich ändern.

Thomas Oysmüller

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Titelbild: APA Picturedesk

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