Affäre Kleinwalsertal

Kurz-Interventionsversuch bei “Kleiner Zeitung” fliegt auf

Die Affäre rund um den Kurz-Auftritt im Kleinwalsertal zieht weiter ihre Kreise. Der Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“ berichtet in seinem Newsletter von versuchten telefonischen Interventionen des Bundeskanzlers hinsichtlich Berichterstattung.

Wien, 19. Mai 2020 | Die ansonsten strikte Message Control bröckelte rund um die Affäre im Kleinwalsertal. Zur Erinnerung: Bei seinem ersten Besuch außerhalb Wiens seit Beginn der Coronakrise kam es zu massiven Missachtungen der Coronaverordnungen. Der Mindestabstand von einem Meter wurde vom Bundeskanzler ebenfalls nicht eingehalten. Der TV-Auftritt des Bundeskanzlers in der ZIB 2 konnte die entglittene Situation nicht zurechtrücken.

Chefredakteur der “Kleinen Zeitung” beklagt Interventionsversuche

Ein spannendes Detail veröffentlichte nun der Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“ Hubert Patterer in seinem Newsletter. Demnach habe der Bundeskanzler nur “mäßig Gefallen” an der Berichterstattung über den verunglückten Auftritt im Kleinwalsertal gefunden. Patterer schreibt in seinem Newsletter, dass

“Kurz sich mehrmals am Telefon gemeldet hat, um energisch darzulegen, wie er den entglittenen Besuch im Kleinwalsertal wahrnahm, und dass die kritische Kommentierung und mediale Darstellung Zerrbilder seien. Zur Untermauerung schickte Sebastian Kurz Fotos aus seinem Blickwinkel“.

Weiters kommentiert Patterer den verunglückten TV-Auftritt in der ZIB 2, in dem Kurz konsequent keine Fehler bei sich sah, jedoch Journalisten und die Kleinwalsertaler Bevölkerung in der Schuld sah. „Im Selbstentlastungs-Seminar bekommt man dafür vom PR-Coach üblicherweise eine römische Eins. Dazu gehört auch die penible Vermeidung des Wortes ‘Fehler’, schon gar nicht in direkter Nachbarschaft mit dem besitzanzeigenden Fürwort ‘mein’. Kurz sagt daher nur: ‘Natürlich haben wir daraus gelernt'”, schreibt Patterer in seinem Newsletter über das Interview mit Lou Lorenz-Dittlbacher.

Auch Brandstätter berichtet von Interventionsversuchen

Es ist nicht das erste Mal, dass die türkise Message Control bei ranghohen Journalisten versucht zu intervenieren. Ex-Kurier-Herausgeber und Chefredakteur, mittlerweile NEOS-Abgeordneter, kritisierte in seinem Buch „Kurz & Kickl – Ihr Spiel mit Macht und Angst“ ebenfalls Anrufe der türkisen Medienabteilung.

Ganz vorne standen der momentane Medienbeauftragte des Kanzlers Gerald Fleischmann und der Kanzler-Pressesprecher Johannes Frischmann, die „durch brutalen Druck und penetrante Interventionen, immer, wenn ihnen Geschichten nicht gefielen, und oft, wenn sie Unangenehmes ahnten oder auch nur Unkontrolliertes wahrnahmen“ versuchten, die türkise Message Control durchzubringen.

Schon während Kurz’ Amtszeit als Außenminister habe Brandstätter immer wieder Sätze aus seinem Umfeld gehört, wie „Jetzt muss der ,Kurier‘ auf Linie gebracht werden“.

(bf)

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Titelbild: APA Picturedesk

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