China-Machtdemonstration bei WHO-Jahrestagung

Die Jahrestagung der WHO machte deutlich, wer die Weltgesundheitsorganisation anführt: Es ist Xi Jinping und sein China. Er eröffnete die Tagung, ignorierte Kritik und erhöhte die Gelder für die WHO.

Peking/Wien, 19. Mai 2020 | Es wird immer deutlicher: Der große politische Sieger der Corona-Krise ist China und dessen totalitärer Machthaber Xi Jinping. Er nützte den gestrigen Jahreskongress der WHO (Weltgesundheitsorganisation), um seinen Führungsanspruch in der WHO und global zu verdeutlichen.

Der stolze Xi

Die Konferenz, die aufgrund der aktuellen Krise per Videochat abgehalten wurde, machte es der Welt so deutlich wie noch nie: Obwohl mehrere Staatschefs anwesend waren, stahl Xi Jinping allen die Show. Eigentlich hätte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa noch zur Videokonferenz, u. a. mit Emmanuel Macron und Angela Merkel, zugeschaltet werden sollen. Weil aber die Verbindung hakte, ergriff Xi Jinping das Wort, eröffnete die Konferenz und zeigte allen, wer der Chef ist. Die Rede wurde auf den Straßen Chinas live übertragen.

Es begann mit Lob: Xi lobte sein Land und die WHO. Der versprach er 2 Milliarden Dollar jährlich mehr. Doch es gibt bekanntlich eine Vielzahl an Vorwürfen: China hätte den Ausbruch verschwiegen ist der gängigste Vorwurf. Trump geht noch einen Schritt weiter und geht von einem Virusstamm aus dem Labor aus. Zu all den Vorwürfen kam von Xi Jinping kein Wort.

Xi kann diese Vorwürfe ignorieren – das war die Kernbotschaft der Jahrestagung. Für China ist die Corona-Krise längst Instrument, um in der umkämpften Weltpolitik an die Spitze zu kommen. So wurde zuletzt bekannt, dass China Corona-Hilfsgüter nur an jene Länder verteilte, die offizielle Danksagungen an China richten würden.

Stolz präsentierte Xi Kennzahlen über den Einfluss Chinas in Afrika: “Während der vergangenen sieben Jahrzehnte”, so Xi, “haben über 200 Millionen Menschen in Afrika Behandlungen und Krankenpflege von medizinischen Teams aus China erhalten”.

2 Milliarden Dollar

Und dann noch die Finanzspritze: Während Donald Trump die USA am liebsten raus aus der WHO führen will und Gelder streicht, erhöht Xi die Gelder an die WHO. 2 Milliarden Dollar will Xi in den nächsten 2 Jahren an die WHO zahlen. Bisher waren es 50 Millionen Dollar, die USA zahlten 400 Millionen jährlich.

Die Reden der Achse Macron-Merkel, die am selben Tag einen Aufbaufonds für die EU versprochen hatten, verblassten nach dem Auftritt von Xi. Dass Taiwan nicht an der Tagung teilnahm, wurde nur noch von einer Handvoll Beobachtern kritisch aufgefasst.

Seit Jahren bittet Taiwan um die Aufnahme in die WHO. Da das Land für China aber nur eine „abtrünnige Provinz“ und damit für China faktisch ein Teil des Landes ist, bleibt die Mitgliedschaft verwehrt. Die WHO kann sich dem erdrückenden Einfluss Chinas kaum mehr verwehren.

(ot)

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Titelbild: APA Picturedesk

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