PCR-Tests wenig aussagekräftig

Ei negativ

Covid-19-positiv oder nicht? Die Trefferquote der sogenannten PCR-Tests bei einer vorliegenden Infektion hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere vom Infektionsstadium sowie von der Qualität der Durchführung des Rachenabstrichs. Mediziner sprechen vom „Suchen einer Kontaktlinse im Finstern“. ZackZack gibt einen Überblick und berichtet über einen selbst durchgeführten Test.

Wien, 31. Mai 2020 | Nicht jeder, der den Verdacht auf eine Infektion mit Covid-19 hat, bekommt von der Gesundheitshotline 1450 auch tatsächlich einen Test verordnet. Wer sich dennoch einem Test unterziehen möchte, kann dies auf eigene Rechnung in einem der zahlreichen Labors tun, die PCR-Testungen anbieten.

Egal, ob professionell oder im Selbstverfahren durchgeführt: Eine positive Infektion tatsächlich festzustellen, scheint schwieriger, als man denkt. Die Trefferquote im Falle einer tatsächlichen Infektion wird insbesondere von zwei Faktoren beeinflusst: Der Qualität des Abstrichs und dem Zeitpunkt der Infektion.

Test im Selbstverfahren: rund 120 Euro

Nur in wenigen Ordinationen kann eine fachmännisch durchgeführte Probennahme für eine SARS-CoV-2 PCR-Testung vorgenommen werden, da die geeigneten Räumlichkeiten nicht vorhanden sind. Daher bieten einige Labore diese Untersuchung mit einer Abstrichnahme oder Gurgeltechnik mittels Selbsttest an. Dieser kann zuhause vor dem Spiegel gemacht werden. Dabei sollte man mit dem beiliegenden Stäbchen bis hinter den Gaumen fahren, denn nur dort sind eventuelle Coronaviren mittels Abstrich feststellbar. Vom Labor abholen und dort wieder abgeben muss dieses Kit jedenfalls eine gesunde Person.

Zum Preis in Höhe von rund 120 Euro kann man das sogenannte Selbst-Test-Kit beantragen und vom Labor abholen.

ZackZack testet Ei

ZackZack versuchte durch Durchführung eines PCR-Tests an Infos und womöglich einen Beipackzettel ranzukommen. Getestet haben wir mittels Abstrich ein Eiklar – zu groß war die Neugierde, ob es sich beim Test womöglich um einen jener, die ein falsches positives Ergebnis feststellen würden, handelte.

Brisant: Das Ergebnis kam als „COVID-19-negativ“ ins Postfach.

Quarantäne mit “manipulierbarem” Selbsttest umgehbar

Der Test kann also nicht feststellen, ob hier tatsächlich ein Rachenabstrich genommen wurde oder nicht. Wer zum Beispiel aufgrund einer Einreise nach Österreich unter Quarantäne gestellt wurde, kann diese mittels Negativ-Testergebnis umgehen, indem er den Abstrich mit einer Probe seiner Wahl abgibt – und diese schlicht nicht seinem Rachen entnimmt. ZackZack hat bei einem Labor-Facharzt nachgefragt: dieser stellt die Aussagekraft der Tests in Frage, wenn die Qualität der Probenentnahme nicht den Anforderungen entspricht. Auf die einfache Umgehung der Abstrichnahme aus dem Rachen mittels Selbsttest angesprochen, antwortete der Mediziner:

„Da haben Sie Recht – aber an diesem Umstand ist auch etwas die öffentliche Hand schuld, da die Auflagen so waren, dass es Personen mit fraglicher Infektion verboten war, die Ordination zu betreten und falls dies doch der Fall war, wurde die Ordination beim Vorliegen eines positiven Ergebnisses gesperrt.“

Außerdem sei aufgrund der zu geringen Kapazitäten von Tests bei der Hotline 1450 Druck der Öffentlichkeit entstanden, diese Tests in Eigeninitiative durchführen zu können:

„Patienten mit Fieber und Husten wurden nicht in allen Fällen von 1450 getestet, da die Kapazitäten nicht ausreichten. In diesen Fällen war die Probenüberbringung durch eine zweite Person das Mittel der Wahl.“

Abstrich-Fehler: Trefferquote fraglich

Doch neben der Möglichkeit, die Tests absichtlich mit falschem Abstrich abzugeben, besteht auch die Möglichkeit, trotz vorhandener Infektion diese nicht mittels PCR-Test feststellen zu können. Das hinge mit dem Zeitpunkt der Infektion sowie mit der Durchführung der Abstriche zusammen: Die Test-Abstriche, die über die Hotline 1450 abgenommen wurden, wurden teils auch durch einfache Sanitäter, zum Beispiel des Roten Kreuzes durchgeführt, so der Labormediziner. Auch das hielte er für problematisch hinsichtlich Sicherstellung einer korrekten Durchführung der Abstriche. In der Regel würden Abstriche von Ärzten oder diplomiertem Krankenpflegepersonal genommen, die das nötige Know-How dazu hätten. Die in der akuten Zeit verständliche Notsituation habe die Trefferquote der Tests daher zusätzlich geschwächt.

Darüber hinaus seien die Coronaviren nur zu Beginn der Infektion im oberen Respirationstrakt (Nasen-Rachenraum) zu finden: Die Tests würden daher nur in der Anfangsphase der Infektion diese überhaupt feststellen können.

„Je länger die Infektion andauert, desto tiefer „wandern“ die Viren in den unteren Bereich (Lunge) ab und sind so nur mehr durch invasive Techniken zu gewinnen.“

„Wie das Suchen einer Kontaktlinse im Finsteren“

Der Lungenfacharzt Georg-Christian Funk geht im ORF-Beitrag „Bewusst gesund“ noch einen Schritt weiter: er vergleicht die Durchführung der Tests mit dem Suchen der herausgefallenen Kontaktlinse in einem finsteren Raum. Selbst, wenn man eine starke Taschenlampe dazu nutze – die Wahrscheinlichkeit, mittels der Abstriche gar nicht an die Viren zu gelangen und dadurch negative Ergebnisse trotz vorhandener Infektion zu erhalten, sei nicht zu unterschätzen. Die Verlässlichkeit des Testergebnisses hinge insbesondere vom angefertigten Abstrich ab:

„Eindeutige Testergebnisse sind schwieriger zu erhalten, als man denkt“,

bestätigt auch der Labormediziner. Zusammenfassend sei bei der Selbstabnahme „sicherlich die ‚Gurgeltechnik‘ zu favorisieren, immer vorausgesetzt, der Patient ist an einem ehrlichen Ergebnis interessiert“, die bessere Alternative sei aber ohnehin die Probenentnahme durch qualifiziertes Personal.

Gesundheitsministerium weiß Bescheid

Ob professionell oder nicht: um sie zu erwischen, müssen sich die vorhandenen Viren im Rachenraum befinden, wie beide Mediziner bestätigten. Die Aussagekraft eines negativen PCR-Test-Ergebnisses könnte dementsprechend gering sein. Das würde auch bedeuten, dass die Infektionszahlen, mit denen seit Aufkommen des Virus argumentiert wird, gelinde gesagt “für die Katz'” sind.

Auch im Gesundheitsministerium weiß man offenbar über die geringe Aussagekraft der Tests Bescheid. In den „Empfehlungen zur PCR-Testung auf Infektion mit SARS-Cov-2“ auf der Webseite des Gesundheitsministeriums ist zu lesen:

Will man vielleicht deshalb keine detaillierten Infos zu den Tests herausgeben? ZackZack versucht seit mehreren Wochen, an Infos über Tests von staatlicher Seite zu gelangen. Bisher wenig erfolgreich. Unsere Recherche über die Messfehler der PCR-Tests wird in einem Teil zwei weitergeführt, exklusiv auf ZackZack.

(lb)

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Titelbild: APA Picturedesk

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