Foto-Inszenierung geht nach hinten los

Aschbacher gibt Baby Schuld

Einen peinlichen PR-Fauxpas lieferte am Wochenende ÖVP-Arbeitsministerin Christine Aschbacher. Als Samariterin wollte sie sich in der Kronen Zeitung inszenieren, sie erntete einen Shitstorm. Jetzt soll das Baby auf dem Foto schuld sein.

Wien, 02. Juni 2020 | Kein gutes Pfingstwochenende hatte die Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP). Neben über 500.000 Arbeitslosen und 1,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit, ging ein PR-Stunt der Arbeitsministerin in der Kronen Zeitung nach hinten los. Aschbacher, in der Coronakrise größtenteils auf Tauchstation, blamierte sich mit einer Fotoinszenierung, auf der sie einem Baby Geld in die Hand drückt. Auch ihre Verteidigung im Ö1-Morgenjournal sorgte für Kopfschütteln.

Aschbacher “ließ es sich nicht nehmen”

„Virus-Hilfsfonds: Geld für Familien”, “Ministerin startet mit der Auszahlung“ – so titelte das Boulevardblatt. Darüber ist ein Foto Aschbachers vor einer Familie mit zwei Kindern zu sehen. Aschbacher überreichte dabei einem Baby einen oder mehrere hundert Euro Scheine. Laut Artikel „ließ es Aschbacher sich nicht nehmen, einer betroffenen Familie mit zwei Kindern das Geld selbst zu übergeben.“

Wie Haider

Der Spott in den sozialen Netzwerken ließ nicht lange auf sich warten. Aufgrund Aschbachers mechanisch anmutenden Auftretens bei Pressekonferenzen wurden von Twitternutzern Vergleiche mit einem Bankomaten gezogen. Vergleiche mit dem ehemaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ/BZÖ) wurden ebenfalls gezogen. Dieser hatte Hunderter unter Kärntnern verteilt und sich als gönnerhafter Landeshauptmann inszeniert.

Der Hashtag #cashbacher trendete innerhalb weniger Stunden in der österreichischen Twitterlandschaft. Heftige Kritik an der Aschbacher-Inszenierung kam auch von den NEOS. Der Nationalratsabgeordnete Michael Bernhard etwa sagte über Twitter:

“Es ist unglaublich! Diese Bundesregierung hat wirklich keinen Genierer. Zuerst versenkt sie die wirtschaftlichen Perspektiven von hunderttausenden Familien in unserem Land und als ob das nicht reichen würde, missbraucht sie auch noch Kinder für Ihre gönnerhaften Fotokampagnen!!!”

Aschbacher sollte deswegen am Dienstag im Ö1-Morgenjournal Rede und Antwort stehen, wie es zu dem inszenierten Foto kommen konnte. Auf inhaltliche Fragen, wie etwa eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes, wollte sie keine Antwort geben. ÖVP und Grüne legen sich seit Wochen gegen eine Erhöhung auf 70 Prozent quer. Einen “Schuldigen” für den PR-Flopp fand die Arbeitsministerin hingegen sofort. Das Baby.

Aschbacher patzt Baby an

Bei der auf dem Foto abgebildeten Familie handelt es sich laut Aschbacher um tatsächliche Empfänger des Corona-Familien-Härtefallfonds. Aschbacher wollte den Eltern das Geld überreichen, jedoch “wollte das Baby zu dem Geld greifen”. Wieso man diesen Betrag der Familie in bar übergab, beziehungsweise genau das Foto auswählte, auf dem das Kleinkind nach dem Geld schnappte, ist nicht bekannt. Dass das Foto ein Fehler war, hat wohl mittlerweile auch die ÖVP eingesehen: das hat die Partei zwar nicht offen zugegeben, das Foto ist in der Mediathek des Bundeskanzleramtes allerdings nicht zu finden.

(bf)

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Titelbild: screenshot/twitter

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