Neue Recherchen zu KTM-Pierer:

Doch Millionen trotz Staatshilfe

Der Wirbel war groß, als zu Beginn der Corona-Krise ÖVP-Großspender und KTM-Chef Stefan Pierer verkündete, er würde sich selbst eine Dividende von vier Millionen ausschütten – trotz Kurzarbeit von 3.639 Mitarbeitern. Pierer nahm die Dividenden-Ankündigung nach heftiger Kritik zurück. Recherchen der Online-Plattform “kontrast.at” zeigen nun, dass seine Konzerngruppe dennoch Boni und Dividenden in Höhe von 27 Millionen Euro ausschüttete.

Wien, 06. Juni 2020 | Mitten in der Corona-Krise, am 31. März, verkündete Pierer Mobility, früher KTM Industries, dass die am 30. Jänner veröffentlichten Ergebniszahlen bestätigt worden seien und man für 2019 eine unveränderte Dividende von fast sieben Millionen an die Aktionäre auszahlen wolle. 62,6 Prozent der Aktien gehören dabei der Pierer Industries AG, de facto Stefan Pierer selbst. An die Pierer Industries AG wären somit vier Millionen Euro geflossen. Pierer Mobility meldete währenddessen für seine 3.639 Mitarbeiter Kurzarbeit an.

Dass Pierer staatliche Hilfe annahm, sich aber gleichzeitig Millionen-Dividenden auszahlen wollte, sorgte für heftige Kritik am ÖVP-Großspender. Pierer hatte im Wahlkampf 2017 mehr als 400.000 Euro an die Kurz-Partei gespendet.

Kritik zeigte Wirkung – vorerst

Nach der heftigen Kritik nahm Pierer am 2. Februar die Dividenden-Ausschüttung zurück. Gegenüber ZackZack hieß es damals:

„Der Vorstand der PIERER Mobility AG hat aus der Tatsache heraus, dass die Bundesregierung am Montag in der Pressekonferenz im Kampf gegen das Coronavirus schärfere Maßnahmen bekanntgegeben hat, eine neuerliche Bewertung der Situation und die wirtschaftlichen Konsequenzen auf den derzeit geschlossenen Fachhandel vorgenommen. Aus diesem Grund hat sich der Vorstand entschieden, keine Dividende für das Geschäftsjahr 2019 an die Aktionäre auszuschütten, um in diesen schwierigen Zeiten das Händlernetz bzw. den Zweiradfachhandel bestmöglich finanziell mit verschiedensten Maßnahmen unterstützen zu können.“

Ebenfalls verkündete die Regierung, dass die Auszahlung von Dividenden und Boni beschränkt werde, sollte das Unternehmen Staatshilfe in Anspruch nehmen.

Firmengeflecht macht’s möglich

Nun zeigen neueste Recherchen der Online-Plattform “kontrast.at” ein anderes Bild. Denn die Pierer Mobility AG ist nur ein Teil des komplizierten Firmengeflechts von Stefan Pierer. Aus 20 Firmen soll es insgesamt bestehen. Das ist insofern wichtig, da das Dividenden- und Boniverbot nur für Unternehmen gilt, die Hilfen aus dem Corona-Hilfsfonds (Cofag) beziehen, aber nicht die, die Kurzarbeit angemeldet haben.

Laut “kontrast.at” sollen so bei KTM Boni und Dividenden in Millionenhöhe ausbezahlt worden sein. So soll Pierer in der Pierer Mobility AG 1,2 Millionen laut Jahresabschluss erhalten haben, 400.000 aus fixen Bezügen, mehr als 800.000 Bonus. Der fünfköpfige Vorstand inklusive Chef Pierer hat demnach 2,9 Millionen Euro erhalten, der Großteil (1,8 Mio) aus Boni.

Auch 13 Millionen nach Indien

Bei der Tochterfirma der Holding Mobility AG, KTM AG, wurden ganze 2.600 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Dennoch hat die KTM AG ihren Aktionären die Dividende ausgeschüttet. 52 Prozent der KTM AG gehören dabei der KTM Mobility AG. Die restlichen 48 Prozent sind im Besitz des indischen Firma Bajaj Auto. Die KTM AG schüttete insgesamt 27,11 Millionen Euro Dividende aus, 14 Millionen an die österreichische Konzernmutter, 13 Millionen an den indischen Konzern. Wohlgemerkt: Alles, während KTM seine Mitarbeiter in Kurzarbeit hatte.

Auch hier dürften die KTM-Vorstände gut aussteigen. Neben den 1,9 Millionen fixen Bezügen kämen für 2020 noch 2,7 Millionen Boni für die Vorstände hinzu. Stefan Pierer ist Vorstandsvorsitzender und wird seinen Teil des Kuchens wohl erhalten.

Erst gestern wurden andere, brisante Informationen über Stefan Pierer und seine ÖVP-Connection bekannt. Damals stand im Raum, dass KTM-Pierer via Lichtenstein 20 Millionen Euro nach Österreich transferiert hatte, womöglich an der Finanz vorbei. Jan Krainer (SPÖ) bereitete damals eine parlamentarische Anfrage zu Pierer vor.

Im Oktober 2017 schrieb der damalige Kabinettschef im Justizministerium, Wolfgang Niedrist (jetzt Kabinettschef von Finanzminister Blümel, Red.), an den Kurz-Vertrauten und momentanen ÖBAG-Chef Thomas Schmid:

„Lieber Thomas. Wegen der „Pierer-Sache“ habe ich SC Pilnacek gesagt, er soll ein Auge drauf haben.“

(bf)

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Titelbild: APA Picturedesk

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