COVID-Sterberate bei 0,4%

US-Gesundheitsbehörde

Die US-Gesundheitsbehörde CDC errechnete die Letalität von COVID-19: 0,4%! Weitere Szenarien variieren zwischen 0,2% und maximal 1%. Auch weitere bemerkenswerte Daten wurden publiziert, zum Beispiel die gering bezifferte Wahrscheinlichkeit, ein Spitalbett zu benötigen. COVID-19 ist damit vor allem eine Krise des Gesundheitssystems.

Wien, 08. Juni 2020 | Auf Basis der verfügbaren US-amerikanischen Daten vom 29. April errechnete die US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention, Red.) zentrale Kennzahlen der Krankheit. Die Letalität, also die Wahrscheinlichkeit, an einer COVID-19 Infektion zu sterben, schätzt die CDC aktuell auf 0,4 Prozent. Das ist deutlich niedriger als bislang weitgehend kolportiert!

Sterberate zwischen 0,2 bis 1 Prozent

Die CDC erarbeitet in ihrem Papier vom 25. Mai fünf Szenarien. Diese unterscheiden sich dabei in der angenommenen Schwere der COVID-19-Krankheit. Nimmt man die leichteste Intensität der Krankheit an, errechnet die CDC eine Letalität von 0,2 Prozent. Dabei hätten Patienten über 65 Jahren eine Sterblichkeitsrate von 0,6 Prozent, bei Patienten unter 49 Jahren wird sie lediglich auf 0,02 Prozent geschätzt.

Jene Szenarien, die von der heftigsten Intensität der Krankheit ausgehen, errechnen eine Letalität von 1 Prozent. Hier würden 0,1 Prozent der Infizierten unter 49 Jahren an COVID-19 sterben, für Patienten über 65 Jahren nimmt man eine Sterblichkeitsrate von 3,2 Prozent an. Auch das ist viel niedriger als bislang weithin angenommen.

Am spannendsten ist aber Szenario Nummer 5: Dies ist die genaueste Schätzung anhand der aktuellen Daten und dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand. Die Letalität von COVID-19 ist demnach höchstwahrscheinlich 0,4 Prozent. Für Menschen unter 49 Jahren errechnet man eine Sterblichkeit von 0,05 Prozent, bei Patienten über 65 Jahren liegt sie in diesem Szenario bei 1,3 Prozent.

Die  Letalität (hier als “Fallsterblichkeit” mit case fatality ratio bezeichnet) von Covid-19. Spalte 1 und 2 bilden die optimistischen Szenarien ab, Spalte 3 und 4 die pessimistischen, Spalte 5 das genaueste und aktuell wahrscheinlichste Szenario.

Selbst wenn die – höchst unwahrscheinlichen – schlimmsten Szenarien Nummer drei oder vier eintreten, wird die Letalität weit geringer sein, als sie im März und auch im April von vielen Stellen angenommen wurde. So rechnete die chinesische Gesundheitsbehörde im März mit einer Letalität von 2,9 Prozent in der Wuhan-Region Hubei. Anfang März rechnete die italienische Zivilschutzbehörde sogar mit 4,2 Prozent. Diese Horrorszenarien haben sich jedoch nicht bestätigt.

Umstrittene Stanford-Studie bestätigt

Es gab auch Studien, die bereits vor zwei Monaten viel näher an der aktuell erwartbaren Sterblichkeitsrate lagen. Einer der führenden Epidemiologen weltweit, der Professor für Epidemiologie in Stanford John Ioannidis, errechnete in einer Studie vom 4. April eine Letalität von 0,2 Prozent. Damals bemerkte der Epidemiologe aber, dass die Datengrundlage noch sehr dünn sei. In diesem Zusammenhang sprach er von einem „Evidenz-Fiasko, wie es in einem Jahrhundert nur einmal vorkommt.“

Weder Ioannidis, noch die neuen Daten der CDC bezweifeln, dass COVID-19 ein Problem sei. Jedoch sieht Ioannids „nicht das apokalyptische Problem, mit dem die Wissenschaft zu Beginn gerechnet hat.“ Sollten sich die positiven Szenarien der CDC bewahrheiten und die Letalität bei 0,2 Prozent liegen, wäre COVID-19 in seiner Fatalität mit dem typischen Influenza-Virus (Grippe) vergleichbar. Die Letalität der Grippe variiert jährlich von 0,1 Prozent bis 0,2 Prozent, ist also zahlenmäßig vergleichbar. Corona-Grippe-Vergleiche bezeichnete Bundeskanzler Kurz, nachdem er es anfangs selbst getan hatte, als “dumm”.

Was weder Ioannidis, noch der neue Plan der CDC tut: Entwarnung für das Gesundheitssystem geben. COVID-19-Patienten brauchen im Verhältnis zur Grippe häufiger ein Intensivbett sowie eine künstliche Beatmung. In der Studie von Ioannidis wurde diese Rate nicht behandelt, er beschränkte sich auf die Errechnung der Letalität.

Spitalsbesuch ziemlich unwahrscheinlich

Die CDC gibt dafür nun Monate nach Ausbruch der Pandemie bemerkenswerte Zahlen: Unter den hospitalisierten Corona-Patienten, müssen 21 Prozent der Patienten unter 49 Jahren, bis zu 29 Prozent bei 50 – 64 Jahre alten Patienten und 27 Prozent bei den Über-65-Jährigen auf die Intensivstation. Auf der Intensivstation wegen Corona gelandet, ergibt sich eine über 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, eine künstliche Beatmung zu benötigen – und zwar durchschnittlich 5,5 Tage lang.

Aber, dass eine COVID-19-Infektion im Spital endet, ist ziemlich unglücklich. Die genaueste Berechnung ergibt aktuelle eine Hospitalisierungsrate von 3,4 Prozent, dabei müssen 1,7 Prozent der Menschen unter 49 Jahren ins Spital, bei Kranken über 65 Jahren müssen 7,4 Prozent hospitalisiert werden. Hier sprechen wir aber nur von jenen Infizierten, die auch Symptome entwickeln. Bekanntlich soll die überwiegende Mehrheit von COVID-19-Infektionen symptomfrei verlaufen, sogar eine unerkannte Hintergrundimmunität steht mittlerweile im Raum.

 

Die Hospitalisierungsrate von Menschen mit symptomatischem Krankheitsverlauf. Spalte 1 und 2 bilden die optimistischen Szenarien ab, Spalte 3 und 4 die pessimistischen, Spalte 5 das genaueste und aktuell wahrscheinlichste Szenario.

Das beste Szenario: Unter jenen COVID-Infizierten, die Symptome entwickeln, müssen 2,8 Prozent ins Spital. Davon sind 1,3 Prozent der Personen unter 49 betroffen, 5,2 Prozent der Patienten sind über 65 Jahre. Damit ist klar, dass die Pandemie vor allem auch eine des Gesundheitssystems ist. Die fatalen Bilder zu Beginn der Krise, die Massengräber und Riesenlazarette zeigten, sind damit Ausweis des Kaputtsparens eines Systems an Privatisierungen und Sparpolitik, das mit COVID-19 erneut gescheitert ist.

(ot)

 

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Titelbild: APA Picturedesk

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