Aktionäre jubeln: Kurz als Passagier bei AUA-Deal

Kommentar

Die AUA ist lange vor der Krise gescheitert. Jetzt wird der Konzern mit Millionen vom Steuerzahler gefüttert, um Mitarbeiter „abzubauen“ und Aktionären die Gewinne zu sichern. Da war wohl jemand Passagier der Verhandlungsmaschine.

Wien, 09. Juni 2020 | Jetzt ist es fix: der deutsche Lufthansa-Konzern casht ab, Österreich zahlt und viele Mitarbeiter werden sich wohl bald einen neuen Job suchen müssen.

Eine Misserfolgsgeschichte

Vor knapp einem Jahrzehnt hatte Österreich genug von seinem einstigen Prestigekonzern: der Staat verkaufte die AUA-Anteile von knapp 42 Prozent zum Spottpreis, man wollte den Sanierungsfall endgültig loswerden.

Seitdem ist die Fluglinie nie richtig auf die Beine gekommen. Schon 2012 hieß es vonseiten der Lufthansa-Mutter, man werde die ständigen Verluste nicht länger hinnehmen. Dann gab es positive Zahlen, allerdings auf Kosten der Gehälter, der Arbeitsbedingungen, der Umwelt und natürlich alles im Namen der Effizienz. Jetzt, durch die Coronakrise, scheint der Weg frei für die lang ersehnten „Sparpläne“ von CEO Alexis Von Hoensbroech. Positive Zahlen gibt’s nur, wenn der Druck erhöht wird – auf die Mitarbeiter.

Der lange Weg der neoliberalen Kosteneffizienz wird jetzt im Angesicht dieser historischen Wirtschaftskrise belohnt. Wer geglaubt hat, dass sich die Fehler der Finanzkrise, als man die Banken rettete und die Menschen dafür zur Kasse bat, nicht wiederholen würde, wird jetzt eines Besseren belehrt.

„Rettungs“-Rhetorik blanker Hohn

Mit Sparen meinen AUA-Chef von Hoensbroech und Lufthansa-Boss Carsten Spohr nicht sich selbst, sondern ihre Belegschaft. Nur durch die „Zugeständnisse“ der Belegschaft könne man abheben, sonst drohe eine Insolvenz. Die AUA plante schon lange vor der Krise einen massiven Stellenabbau, der gerne mit „Sanierung“, „Sparplan“ oder sonstigen zynischen Formulierungen umschrieben wurde und wird.

Was ist das für eine Rettung, wenn mithilfe von hunderten Millionen an Steuergeldern Mitarbeiter gekündigt werden? Schauen wir uns mal an, wer wirklich gerettet wird: es sind, Trommelwirbel, die Aktionäre. Die müssen schließlich auch dem Rettungsplan zustimmen. Da wäre eine Staatsbeteiligung, und damit ein Mitspracherecht bei Belegschaft und Gewinnen, sicher nicht fördernd für eine überwältigende Zustimmung.

Eine Frage der Prioritäten

Ökonom Stephan Schulmeister bringt es auf den Punkt: bunte Klimazusagen oder der „Drehkreuz“-Traum vom blühenden Wiener Flughafen – inmitten der großen Unsicherheit der Flugbranche – sind im Zweifel nicht haltbar. Sicher ist nur der Gewinn für die Lufthansa-Aktionäre. Seit die „Rettung“ im Raum steht, hat die Aktie kräftig zugelegt.

Doch das Blatt „Der Aktionär“ warnt Neu-Einsteiger: die Unsicherheiten seien nach wie vor hoch, „DER AKTIONÄR rät daher von einem Einstieg auf der Long- oder der Short-Seite ab.“  Da muss wohl nochmal nachgebessert werden. Vielleicht hat der Staat ja nochmal etwas übrig. Beim Härtefallfonds, der mit 400 Millionen bereits ausgezahlten Euro um 200 Millionen dem AUA-Paket hinterherhinkt, ist sicher noch etwas abzugreifen. Denn der Bundeskanzler lässt recht herzlich ausrichten, dass die Leut‘ offensichtlich zu dumm sind, Formulare auszufüllen. Die AUA hingegen war klug und dreist genug, um die Regierung über den Tisch zu ziehen. Glückwunsch! Da war wohl jemand über die ganzen Verhandlungen hinweg nur Passagier – in der Holzklasse.

Benjamin Weiser

 

 

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Titelbild: APA Picturedesk

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