Dienstag, Februar 7, 2023
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Drosten: Virus könnte harmloser Schnupfen werden

In der vergangenen Saison sind deutlich weniger Menschen am Coronavirus gestorben, als an der Grippe – und das, obwohl die Zahl von Grippetoten in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Star-Virologe Drosten spricht in seinem Podcast sogar davon, dass SARS-CoV-2 zu einem harmlosen Schnupfen mutieren könnte.

Wien, 12. Juni 2020 | Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat ihre Schätzung zur vergangenen Influenza-Saison veröffentlicht. Es sind in der zu Ende gegangenen Influenzasaison deutlich mehr Menschen in Österreich an der „klassischen“ Grippe gestorben als am Coronavirus. Laut AGES-Berechnung kamen in der Saison 2019/2020 rund 834 Menschen ums Leben, gegenüber 673 an oder mit dem Coronavirus Verstorbenen.

Influenza-Tote stark rückläufig

Der Zeitraum der Grippesaison reicht jeweils von der Kalenderwoche 40 des Vorjahres bis zur Kalenderwoche 20 des aktuellen Jahres. Heuer wurde die klinische Sentinel-Surveillance zur Erhebung von virologischen Daten in der Kalenderwoche 13, also früher als üblich, beendet. Das kann laut AGES zu einer Unterschätzung der Influenza assoziierten Mortalität geführt haben. Zum Vergleich: In der Saison 2018/19 starben 1.373 Personen in Österreich an Grippe, in den beiden Saisons davor waren es 2.851 bzw. 4.436. Demnach gab es einen kontinuierlichen Rückgang.

Saison Kalenderwoche Anzahl geschätzte Todesfälle
2015/16 40-20 259
2016/17 40-20 4.436
2017/18 40-20 2.851
2018/19 40-20 1.373
2019/20 40-20 834

Diese Tabelle mit Zahlen der AGES zeigt, dass die Zahl an Influenza-Todesfällen von Saison zu Saison stark variiert und in den letzten Jahren in Österreich stark rückläufig war.

Mit heutigem Datum verzeichnet Österreich 675 offiziell gemeldete Covid-19 Todesfälle. Das sind weniger Todesfälle, als laut AGES-Schätzungen der Grippe zum Opfer gefallen sind. Der Vergleich hinkt allerdings, bedenkt man, dass mit Entdeckung des Coronavirus in Österreich relativ bald auch der Shutdown kam. Mit dem offiziell gemeldeten Aufkommen von Covid-19 in Österreich war die Grippewelle bereits vorüber. Wie die Covid-19 Todesfallzahlen aussehen würden, hätte es den Shutdown nicht gegeben, bleibt Schauplatz von Spekulationen.

Grippe-Vergleich

Schweden zählt mit rund 10,23 Millionen Einwohnern rund 1,3 Millionen mehr als Österreich. Schweden, das sich ohne rigide Lockdown-Maßnahmen durch die Covid-19-Pandemie mehr oder weniger manövrierte, verzeichnete bis zum heutigen Tag 4.854 offiziell gemeldete Covid-19 Todesfälle. Die härteste Influenza-Saison der letzten Jahre in Österreich verzeichnete 4.436 Todesopfer und damit fast so viele, wie das Coronavirus bisher offiziell in Schweden gefordert hat.

Drosten: Coronavirus vielleicht bald harmloser Schnupfen

Der renommierte deutsche Virologe Christian Drosten äußerte erst kürzlich die These, dass das Coronavirus zu einem „einfachen Schnupfen“ werden könne.

In der neuesten Folge des NDR-Podcasts „Coronavirus-Update“ spricht Drosten über die zunehmend wichtige Rolle der Nase für SARS-CoV-2. Darin erläutert er eine aktuelle Studie der Oxford-Universität, die zeigt, dass sich das Virus besonders gut in entnommenen Gewebeproben aus der Nase vermehrt: „Die Nase ist anscheinend ein sehr gutes Zielorgan für das SARS-2-Virus“, so Drosten.

Coronavirus wird „wohl in jedem Fall harmloser“

Diese Studie ließe weiter darauf schließen, dass das Virus in Zukunft mutieren könnte, um sich gerade in der Nase noch besser zu vervielfältigen und zu übertragen. „Dieses Anpassen kann dazu führen, dass es sich besser überträgt, aber in der Nase bleibt und zu einem einfachen Schnupfen wird“, so Drosten.

Die Alternative könnte allerdings auch so aussehen, dass das Coronavirus zu einem schweren Krankheitsverlauf mutiert. Für das Virus, das sich möglichst stark ausbreiten möchte, ist ein schwerer Krankheitsverlauf aber von Nachteil, weil sich Menschen bei heftigen Symptomen früher isolieren, und damit das Virus weniger gute Voraussetzungen für eine Ausbreitung bekommt. Für Drosten ist daher klar: „Das Virus wird wohl in jedem Fall harmloser werden.”

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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Skurril: Kanzler „beendet“ Corona - zackzack.at
13. 06. 2020 15:06

[…] Christian Drosten von der Berliner Charité stellt die Möglichkeit in den Raum, dass das Coronavirus sogar zu einem „harmlosen Schnupfen“ mutieren könnte. Gefährlich ist es für Risikogruppen aber nach wie vor. Und: Mutationen, die das Virus gar […]

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