Wirecard-Braun im Kurz-Strategieteam?

Kanzleramt widerspricht Mei-Pochtler

Der österreichische Tech-Oligarch Markus Braun ist schon wieder frei. Trotz milliardenschweren Betrugsverdachts durfte er sich um 5 Millionen Euro Kaution freikaufen. Indes versucht Kanzler Sebastian Kurz sich zu distanzieren – und widerspricht der Leiterin seines Strategieteams Antonella Mei-Pochtler.

Wien, 24. Juni 2020 | 1,9 Milliarden Euro dürfte Wirecard in seiner Bilanz angegeben haben – die es gar nicht gibt. Das berichteten zunächst mehrere deutsche Medien, ZackZack zeigte Verbindungen zur ÖVP und Kurz auf. Dann ging es Schlag auf Schlag: Der Austro-Oligarch Braun, nun Ex-CEO von Wirecard, stellte sich den Ermittlern. Gegen fünf Millionen Euro Kaution ist er gestern wieder freigekommen.

Kanzleramt flüchtet vor Braun

Gegen Braun wird aufgrund von Bilanzfälschung und Marktmanipulation ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Er muss sich zwar wöchentlich bei der Polizei melden, doch eine Untersuchungshaft braucht es offenbar nicht – trotz des fehlenden Betrages von 2 Milliarden Euro! Im Raum steht einer der größten Bilanz-Betrugsskandale in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Es ist der große Fall eines österreichischen Tech-Milliardärs.

Das Kanzleramt rudert indes von Braun davon und versucht sich schnellstmöglich zu distanzieren. Gegenüber der APA bezog das Kanzleramt gestern Stellung: „Seit es die neue Regierung gibt, ist Herr Braun nicht mehr im Thinktank eingebunden.“ Man habe seit der Angelobung von Türkis-Grün keinen Kontakt mehr mit Braun gehabt.

Raiffeisen kann sich nicht distanzieren

Damit widerspricht man der Schattenkanzlerin Antonella Mei-Pochtler diametral: Sie gab Ende Jänner, als das Kurz-Strategieteam „Think Austria“ wiedereröffnet war, an, dass Markus Braun, aufgrund seines „fundierten Blicks in die Zukunft“ erneut Teil des Strategieteams sein werde. 2018 sagte Kanzler Kurz, dass er sich regelmäßig mit Braun zum Austausch treffe und dessen Input „vor allem bei Innovation und Digitalisierung“ schätze.

Indes kündigte Jörg Leichtfried (SPÖ) eine parlamentarische Anfrage zum Verhältnis von Kurz und Braun an:

„Kurz und seine Spender haben Aufklärungsbedarf. Was hat Braun qualifiziert, in Kurz’ Think-Tank zu sitzen?“

Das Kanzleramt bereitet möglicherweise jetzt den Rückzug vor. Mit Braun will man offenbar nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Während der Kanzler sich noch distanzieren kann, kann die ÖVP-Hausbank „Raiffeisen“ das wohl nicht. Denn Wirecard hat 60 Millionen Euro Verbindlichkeiten gegenüber der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, 45 Millionen schuldet man der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und 70 Millionen Euro der Raiffeisen International.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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