Lassen Sie Ihren Worten Taten folgen!

Gewerkschaften, Arbeiter- und Ärztekammer zu Anschober

Mehr Geld, mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und eine Aus- und Weiterbildungsoffensive: am Mittwoch übergab die „Offensive Gesundheit“ Minister Anschober sechs Forderungen. Der sichert Gespräche zu. In den nächsten 10 Jahren brauche die Branche 70.000 neue Arbeitskräfte.

Wien, 02. Juli 2020 | Spätestens mit der Corona-Krise entstand öffentliches Bewusstsein dafür, wie wichtig Menschen in sogenannten systemrelevanten Gesundheits- und Krankenpflegeberufen sind. Angehörige dieser Berufe fordern bereits seit Jahren eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, darunter auch die Bezahlung. Umso enttäuschter waren viele von ihnen, als in den SWÖ-Kollektivvertragsverhandlungen die einzige von Arbeitnehmerseite gestellte Forderung nach einer 35-Stunden-Woche nicht durchgesetzt wurde. Zu einer „Einigung“ kamen die Verhandlungspartner ausgerechnet mitten in der Corona-Krise, während den Bediensteten täglich applaudiert wurde.

Auch der vielfach in Aussicht gestellte Corona-Tausender bleibt bisher ein leeres Versprechen: Während sich die Regierung für Unternehmen und Landwirtschaft ins Zeug legt, schauen insbesondere die Gesundheits- und Krankenpflegeberufe, die in der Krise besonders gefordert waren, durch die Finger.

Sechs-Punkte-Forderungsprogramm

Der Kampf geht für die beklatschten Heldinnen des Alltags daher weiter – mit Unterstützung der drei großen Körperschaften Arbeiterkammer, den Gewerkschaften und der Ärztekammer. Mittels der in einem Zusammenschluss gebildeten „Offensive Gesundheit“ wurde unter dem Motto Mehr von uns, besser für alle“ ein Forderungsprogramm erstellt. Dieses soll das Gesundheits- und Pflegesystem auch in Zukunft sicherstellen. Denn, so die Offensive:

“Auch wenn das Klatschen längst verstummt ist, muss der Zuspruch und die Unterstützung der Bevölkerung zu einer spürbaren und dauerhaften Verbesserung der Rahmen- und Arbeitsbedingungen führen.”

Die Punkte in aller Kürze: Mehr Personal – Mehr Geld – Weiterentwicklung – Mehr Ressourcen – Ausbildungsplätze – Bessere Arbeitsbedingungen.

Dreh- und Angelpunkt: Personal

Der Gesundheits- und Krankenpflege-Bereich braucht dringend mehr Personal. Die Forderung der Offensive Gesundheit ist daher nicht neu: Arbeitsplätze müssen attraktiver werden, genauso wie Ausbildungsplätze. Außerdem wird eine einheitliche, transparente und insbesondere qualitative Personalberechnungsmethode gefordert.

„Es ist unverständlich, dass in Krankenhäusern zwar die Anzahl der Toiletten genau normiert ist, es aber gleichzeitig keine Vorgaben gibt, wie viel und welches Personal vor Ort sein muss“,

bringt es Gerald Mjka, Vorsitzender des Fachbereichs Gesundheit in der Gewerkschaft vida, auf den Punkt. Die Rechnung ist einfach: Je attraktiver der Job, desto leichter ist es, Personal dafür zu finden. Dazu gehört neben angemessener Bezahlung auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer Österreich, hebt diese Forderung hervor:

„Man muss Beruf und Familie vereinbaren können. Das geht nur mit neuen Arbeitszeitmodellen und ausreichend Personal.“

„Lassen Sie Ihren Worten Taten folgen!“

Diese Forderungen wurden am Mittwoch dem Gesundheitsminister Rudolf Anschober persönlich übergeben. In einem Video, das vor dem Ministerium auf eine Leinwand projiziert wurde, fordert eine Krankenpflegerin vom Minister: „Lassen Sie Ihren Worten Taten folgen!“ – Rudolf Anschober sicherte Gespräche noch im Sommer zu:

„Seit der Coronakrise spätestens wissen wir, welche Bedeutung ein starkes Gesundheitswesen hat. Ich bin glücklich darüber, dass es diese Allianz gibt – wir werden gemeinsam schauen, dass wir die Änderungen und Absicherungen schaffen, die es jetzt braucht.“

Silvia Rosoli, Pflege-Expertin der Arbeiterkammer, hebt den Aspekt der Ausbildungen hervor. Es bräuchte kostenfreie Lehrgänge, Schulen und Studien. Der Lebensbedarf während der Ausbildungsdauer müsse gedeckt werden, denn die zukünftige Personalisierheit im Gesundheitswesen sowie im Pflegesystem könne nur mittels attraktiver Ausbildungen und guter Arbeitsbedingungen gewährleistet werden.

Um das jetzige Gesundheits- und Pflegesystem vor einem zukünftigen Kollaps zu bewahren, halten die Vertreter der Initiative politische Entscheidungen für entscheidend. Oder, wie eine Krankenpflegerin in dem Video an Gesundheitsminister Anschober appelliert:

„Es ist Zeit, zu handeln. Einigen Sie sich mit Finanzminister Gernot Blümel und den Bundesländern. Denn wir brauchen endlich mehr finanzielle Mittel für Gesundheit und Pflege.“

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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