Jetzt wollen auch Australien & USA China-App verbieten

Nach Indien

Für die populäre China-App TikTok wird es immer enger. Nachdem sie in Indien letzte Woche verboten wurde, preschen nun auch Australien und die USA vor: Beide Länder sollen aktuell ein Verbot prüfen. Im Fall der USA liegt es wohl nicht nur am Spionagevorwurf, sondern auch an den Anti-Trump-Kampagnen, die auf der Plattform den Wahlkampf des US-Präsidenten sabotieren.

Wien/Washington, 07. Juli 2020 | Die chinesische Jugend-App TikTok wird immer mehr zum weltpolitischen Spielball: Nachdem Indien als erstes Land weltweit die App verboten hat, gehen nun auch Australien und die USA gegen die Social-Media-Plattform vor.

Anti-Trump-Kampagnen auf TikTok

Im Trump-TV-Sender “Fox News” sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Montag:

“Wir nehmen das sehr ernst und schauen es uns auf jeden Fall an. Wir arbeiten schon lange an diesem Thema. So wie auch bei Huawei, wir halten das für eine Gefahr für die nationale Sicherheit Amerikas.“

Dass TikTok für Trump nun zum akuten Problem wird, liegt nicht nur am dringenden Spionageverdacht seitens Chinas. Denn auf TikTok vernetzen sich viele Nutzer, um Trumps Wahlkampagne zu boykottieren. So sorgten Millionen Fans des südkoreanischen „K-Pop“ für Aufsehen, als sie für ein halbleeres Stadion bei Trumps Wahlkampfauftakt in Tulsa verantwortlich waren.

Die Trump-Manager jubelten von „800.000 verkauften Tickets in wenigen Stunden“. Wie sich herausstellte, wurde der Großteil aber für TikTok-Teenager reserviert, die gar nicht hin wollten, weil sie Trump-Gegner sind. Nun läuft eine weitere Aktion der TikTok-Jugend: Aktuell legen die Fans mit koordinierten Aktionen den „Trumpstore“, einen Marktplatz für Trump-Fanartikel, lahm. Indem man tausendfach Artikel im Warenkorb „bunkerte“, waren sie für echte Trump-Fans nicht mehr verfügbar. Das Weiße Haus reagierte bereits: Jeder Kunde kann sich nur noch 9 Stück desselben Artikels in den Warenkorb legen.

Weil die TikTok-Jugend den “Trumpstore” sabotierte, können sich Trump-Fans nur noch 9 Kapperl auf einmal bestellen. Quelle: Screenshot trumpstore.com

Außerdem läuft eine Kampagne gegen Trump, bei der man Trumps Restaurants und Firmen mit miserablen Bewertungen auf Google bombardiert.

 

Ein “Ziel” ist das Trump Hotel in Las Vegas. Dort bewertete jemand vor zwei Tagen auf Google als “das beschissenste Hotel aller Zeiten.” Quelle: Screenshot Google/ Trump International Hotel Las Vegas

Ob die Anti-Trump-Kampagnen von TikTok „gepusht“ werden, kann aufgrund der Intransparenz der Algorithmen nicht gesagt werden. Unterdrückt werden sie aber offensichtlich nicht, sonst könnten sie nicht so eine Wirkung zeigen.

Wegen Spionageverdacht: Australien will Verbot

Weit schwerwiegender sind aber ohnehin die Spionagevorwürfe gegen die China-App. Sie veranlassen nun australische Politiker dazu, ein schnellstmögliches Verbot von TikTok zu fordern. Eine australische Zeitung zitierte einen hochrangigen Politiker anonym, laut dem aktuell ein Verbot vorbereitet werde. Daraufhin zeigte sich TikTok erbost. Der Chef von TikTok Australien, Lee Hunter, rückte sofort aus, um jegliche Spionage Vorwürfe abzuschmettern:

“TikTok gibt keine Informationen unserer australischen Nutzer an eine ausländische Regierung, einschließlich der chinesischen Regierung, weiter. TikTok würde dies auch nicht tun, wenn dies verlangt wird.”

Man sei kein Spionage-App, sondern würde in Wahrheit neue „Sicherheitsprogramme“ entwickeln. Brisant erscheint auch, dass TikTok in China selbst gar nicht verfügbar ist! Ein weiteres Indiz dafür, dass die App eher als Programm gedacht ist, um außerhalb Chinas Stimmung machen zu können und Daten abzugreifen.

Entfesselte Daten-Krake

Hinter den Spionagevorwürfen dürfte allerdings mehr stecken. Darauf macht ein populärer Account der Hacker-Aktivsten von “Anonymous” seit Wochen aufmerksam. “Anonymous” ruft alle Nutzer auf, TikTok so schnell wie möglich von ihrem Handy zu löschen. Tech-Wissenschaftler machten letzte Woche darauf aufmerksam, dass TikTok weit mehr Daten abgreift als ursprünglich bekannt – ZackZack berichtete.

 

So soll TikTok alle 30 Sekunden via GPS den Standort des Geräts erfragen, ebenso wie die Kontakte oder die installierten Apps am Gerät. „Sie wollen nicht, dass du weißt, wie viele Daten TikTok von dir sammelt“, ist der Schluss einer Analyse, die auf TikTok gepostet wurde und viel Aufmerksamkeit erhalten hatte. TikTok würde auch im Vergleich zu westlichen „Daten-Kraken“ wie Facebook viel mehr Daten abgreifen, ist seine abschließende Erkenntnis: „Es ist, als würde man ein Glas Wasser mit einem Ozean vergleichen.“

Auch ÖVP sagt was zur China-App

Indes hat sich auch die ÖVP erstmals zu TikTok geäußert. Allerdings nicht rund um den TikTok-Hype von “Sexsymbol Sebastian”, sondern aufgrund eines anderen Hypes. Weil eine neue “Challenge” dazu aufruft, Kühe zu erschrecken, sind die Bauern wütend. Für Köstinger ist das “absurd und vollkommen unverantwortlich.” TikTok kündigte nach breiter Kritik schon vor Köstinger an, die Challenge zu verbieten.

(ot)

 

Titelbild: APA Picturedesk

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