Kinder Bremsklötze für Virusausbreitung

Neue Corona-Studie

Kinder könnten nicht Treiber der Corona-Pandemie sein, sondern sogar Bremsklötze. Das zeigt eine neue Studie aus Deutschland. Demnach hat sich das Coronavirus unter Schülern und Lehrern in Sachsen kaum verbreitet.

Wien, 13. Juli 2020 | „Drosten bleibt dabei: Kinder so ansteckend wie Erwachsene“, titelte der „Kurier“ Anfang Juni. Auf Basis der Einschätzung des deutschen Star-Virologen wurden auch hierzulande Maßnahmensetzungen wie Schul- und Kindergartenschließungen diskutiert bzw. umgesetzt. Zu einem ganz anderen Ergebnis kommen nun Mediziner des deutschen Universitätsklinikums Dresden.

Antikörper bei zwölf von über 2.000 Getesteten

In einer Studie untersuchten die Mediziner mehr als 1.500 Schüler zwischen 14 und 18 Jahren sowie rund 500 Lehrer aus insgesamt 13 Schulen auf Infektionen mit Sars-CoV-2. Dabei wurde auf Antikörper gegen den Erreger getestet.

Nur zwölf der über 2.000 Getesteten wiesen Antikörper und damit einen Hinweis auf eine abgeklungene Infektion mit dem Coronavirus auf. Reinhard Berner, Studienleiter und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Dresden, präsentierte die Ergebnisse in einer Pressekonferenz am Montag.

Kinder bei Virus „eher Bremsklötze“

Tests hätten inzwischen auch gezeigt, dass Antikörper gegen das neue Coronavirus oft rasch nach der durchgemachten Infektion wieder aus dem Blut verschwinden. Dennoch stünde für ihn nach dieser Untersuchung fest, dass „die Ausbreitung des Virus an Schulen nicht explosionsartig erfolgt.“

Eine Studie mehr, die zeigt, „dass Kinder wahrscheinlich anders als bei der Influenza nicht die Treiber der Infektion sind, sondern eher Bremsklötze“, so Berner bei seiner Pressekonferenz. Einer weitgehenden und anhaltenden Öffnung von Schulen steht demnach nichts mehr im Wege.

Mit dabei bei der Pressekonferenz war auch Alexander Dalpke, Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Dresden. Er unterstreicht das Studienergebnis:

„Es gibt jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass es sich bei den Schulen um besondere Hotspots handelt.“

0,6 Prozent der Schüler infiziert

„Das lag noch unter dem, was wir erwartet hatten“, sagte Berner zu dem Ergebnis: Obwohl die Jugendlichen in Sachsen bereits ab Mitte Mai wieder in der Schule waren und 80 Prozent von ihnen angaben, sich auch außerhalb von Schule und Familie mit Freunden zu treffen, haben sich nur etwa 0,6 Prozent der getesteten Schüler infiziert.

Dies erstaunte die Mediziner umso mehr, als sie gezielt an Schulen testeten, wo ihnen Corona-Fälle bekannt waren.

Geringe Immunität

Dass nur bei so wenigen Testpersonen tatsächlich Antikörper festgestellt werden konnten, bedeutet gleichzeitig, dass die Immunität der sächsischen Bevölkerung kaum höher ist als noch im März, wo die Pandemie ihren offiziellen Beginn nahm.

Darüber hinaus sei auch die Dunkelziffer in der untersuchten Region sehr niedrig, denn von den zwölf positiv auf Antikörper getesteten haben fünf von ihrer Infektion gewusst. Sieben hatten diese nicht bemerkt, so Berner.

Auch in Familien kaum Ansteckungen

Die Infektion, so die Studienautoren, dürfte durch die Jugendlichen kaum in ihre Familien weitergetragen worden sein. Umgekehrt soll sich von 20 Familien mit Corona-Fällen nur ein Schüler bei seinen Angehörigen infiziert haben.

Berner habe allerdings immer noch „großen Respekt vor diesem Virus“, aber die Studie würde zeigen, dass sich Coronaviren weder in Haushalten mit Kindern noch in Schulen und Kindergärten enorm weiterverbreiten. Er halte die in Deutschland getroffenen Maßnahmen für richtig, aber genauso richtig sei es, Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen unter bestimmten Voraussetzungen wieder zu öffnen.

Normalbetrieb an Sachsens Schulen angekündigt

Man könnte meinen, ein derartiges Vorgehen sei der Standard: Sachsen hatte als erstes Bundesland Deutschlands seine Schulen ab Mitte Mai wieder geöffnet. Die Schulstudie diente als Begleitung dieses Schritts, um Informationen für weitere Entscheidungen zu sammeln. Die Ergebnisse zeigen nun, dass eine weitere Öffnung möglich und zu verantworten sei, sagte der sächsische Kultusminister Christian Piwarz von der CDU, der ebenso an der Pressekonferenz teilnahm.

Er kündigte den Übergang zum Normalbetrieb an Sachsens Schulen ab Herbst an.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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