Arbeitslosen-anstieg: 85 Prozent sind Frauen

Ministerin Raab tourt lieber durch Favoriten

Während Frauenministerin Susanne Raab mit Innenminister Nehammer (beide ÖVP) durch Wien-Favoriten tourt, gibt es dramatische Nachrichten vom Arbeitsmarkt: Von den 65.000 neuen Arbeitslosen seit Februar sind 85 Prozent Frauen. SPÖ und NEOS werfen Raab Untätigkeit vor.

Wien, 17. Juli 2020 | Ende Februar 2020 waren in Österreich 399.359 Personen arbeitslos. Ende Juni waren es 463.505 Personen, die Arbeitslosigkeit ist also um 64.146 Personen höher, wie die “APA” berichtet. Von diesen – statistisch gesehen – “Corona-Arbeitslosen” sind 54.702 Frauen und 9.444 Männer, geht aus den Zahlen des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betrifft dieser Rechnung zufolge 85 Prozent Frauen.

Doch die Zahl der “Corona-Arbeitslosen” dürfte insgesamt viel höher liegen, da eigentlich bei der Berechnung das Vorjahresniveau als Basis dienen müsste, wie Oliver Picek vom “Momentum Institut” wissen lässt. So seien es ca. 117.000 “Corona-Arbeitslose” und nicht 64.146.

Grafik: APA.

Grafik: Momentum.

“Untätige” Raab

Dass die Coronakrise die Frauenarbeitslosigkeit besonders gesteigert hat, hat nun die Oppositionsparteien SPÖ und NEOS auf den Plan gerufen. SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek fordert ein Arbeitsmarktpaket und einen Krisengipfel mit Frauenorganisationen. Die NEOS wollen einen “feministischen Recovery-Plan”, der Frauen ins Zentrum der Überlegungen zur Krisenbewältigung stellt.

Die SPÖ-Frauenvorsitzende wirft ÖVP-Frauenministerin Susanne Raab Untätigkeit vor: “Frauenministerin Raab sieht tatenlos zu wie Frauen aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden”. Es brauche jetzt Beschäftigungsinitiativen, Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen, Initiativen in den Sozialstaat und den Klimaschutz und einen Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung.

Die ÖVP solle auch ihr kategorisches Nein zur Arbeitszeitverkürzung überdenken, fordert Heinisch-Hosek. Die Kluft in der Arbeitszeit zwischen Frauen und Männern – sowohl bei der bezahlten wie auch bei der unbezahlten – sei eine der Hauptursachen für die systematische Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. “Eine verkürzte Vollzeit ist ein wichtiger Motor für die Gleichstellung”, so die SPÖ-Frauenvorsitzende in einer Aussendung.

Als “trauriges Ergebnis einer konservativen Frauenpolitik” sieht NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter die Zahlen. “Ihrem konservativen, verstaubten Frauen– und Familienbild geschuldet, hat die Regierung während der Krise das Leben von Frauen ins Private verschoben – weg vom Job, hin zu Kindern und Haushalt”, sagt Brandstötter. Die Selbstbestimmung sei auf der Strecke geblieben. “Die zweite Welle heißt Arbeitslosigkeit – und die ist vor allem weiblich.”

Auch Grüne kritisieren

NEOS fordert einen “feministischen Recovery-Plan”, der Frauen ins Zentrum der Überlegungen stellt. “Krisenbewältigung darf nicht allein männlich sein”, so Brandstötter. Anstatt zum alten Normalzustand zurückzukehren, müsse man Strukturen aufbauen, die Geschlechtergerechtigkeit liefern können. Dazu gehören flexiblere Arbeitszeiten, mehr Väterbeteiligung durch individuelle Ansprüche auf Karenz- und Kinderbetreuungsgelder und ein automatisches Pensionssplitting.

Auch die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, meldet sich zu Wort. Frauenpolitische Versäumnisse der Vergangenheit legen in der Krise strukturelle Defizite offen, meint sie. Eine Neubewertung der Berufe mit hohem Frauenbeschäftigungsanteil sei Gebot der Stunde. Zudem brauche es Maßnahmen zur Förderung von Frauen in technischen Berufen, Maßnahmen zur beruflichen Umorientierung und Weiterqualifizierung von Frauen in Richtung Zukunftsbranchen – vor allem auch im Bereich der männerdominierten Green Jobs. Wesentlich sei auch die Umverteilung unbezahlter Arbeit im Privaten.

(apa/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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