Die Maske, bitte!

Kommentar von Peter Pilz

Eine ZackZack-Redakteurin hat gestern Argumente gegen eine Maskenpflicht beschrieben. ZackZack-Herausgeber Peter Pilz schreibt heute, warum er für eine Maskenpflicht ist: jetzt, sofort.

Peter Pilz

Wien, 18. Juli 2020 |

Fall 1: Nächsten Mittwoch steht eine Frau in Klagenfurt vor Gericht. Der Vorwurf gegen sie lautet: „Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten“. Die Beschuldigte hat ihre Heimquarantäne ignoriert und ist in einen Supermarkt gegangen. In ihrem Fall ist klar: Wer andere bewusst gefährdet, wird bestraft. Wenn es aber keine Regeln gibt, bleibt fahrlässige Ansteckung straffrei.

Fall 2: In Brüssel treffen sich die Regierungschefs in einem riesigen Saal. Journalisten sind ausgesperrt, sie sind unter sich. Alle tragen Masken. Ein Präsident will keinen Kanzler anstecken, und ein Kanzler wohl auch keine Kanzlerin. Aber nicht alle von ihnen sorgen dafür, dass bei ihnen zu Hause alle gleich gut geschützt sind.

Fall 3: In der Wiener U-Bahn trägt ein Mann seine Maske am Kinn. Eine Frau spricht ihn an. Er steht auf und setzt sich an einen anderen Platz. Er versteht nicht, dass sich die Frau durch seinen fehlenden Schutz vor einer Ansteckung fürchtet.

Fall 4: Supermarkt, Kapfenberg. Meine Frau und ich tragen wieder Masken. Einige nicken uns unter ihren Masken aufmunternd zu. Die meisten tragen keine. Sie sind in die Normalität zurückgekehrt.

Aber die Normalität ist nicht normal. Österreich ist bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Wahrscheinlich verdanken wir das zwei Faktoren: einem hervorragenden Gesundheitssystem und der Angst. Sie hat fast alle dazu gebracht, die neuen Regeln zu befolgen und das Richtige zu tun: Abstand zu halten und Masken zu tragen.

Mit der Entwarnung hat sich die Angst verzogen. An ihre Stelle hätte Verantwortung für sich und andere treten sollen. Aber das hat nicht funktioniert. In manchen Fällen fehlt einfach die Bereitschaft, persönlich Verantwortung zu übernehmen. Aber in vielen Fällen fehlt etwas anderes: das Wissen, worum und wie es geht. Viele glauben, dass mit der Entwarnung alles ist wie vorher. Aber eines ist anders: COVID bleibt.

Wahrscheinlich entscheiden die nächsten Wochen auch in Österreich, wohin es mit der Pandemie geht. Vieles scheint möglich. Aber nur eines ist klar: Eine ausreichende Zahl von Menschen schützt nur dann sich und andere, wenn es klare Regeln gibt: Gebote und Verbote. Das wichtigste Doppelgebot ist die Pflicht, Abstand zu halten und Masken an öffentlichen Orten wie Supermärkten zu tragen.

Die Maske – das effektivste Mittel

Masken sind die billigsten und zugleich wirkungsvollsten Mittel, um die COVID-Übertragung zwischen Menschen zu verhindern. Das ist das Ergebnis einer Studie, deren Autoren und Autorinnen Übertragungswege in China, Italien und den USA untersucht haben.

„In Italien habe die Maßnahme zwischen dem 6. April und dem 9. Mai mehr als 78.000 Ansteckungen verhindert, in New York vom 17. April bis zum 9. Mai mehr als 66.000, berechnen Forscher von Universitäten in Texas und Kalifornien im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ („PNAS“). Demnach ist die Übertragung des Erregers Sars-CoV-2 durch die Luft der dominante Infektionsweg“,

berichtet der Schweizer Tagesanzeiger. „Die Maßnahme“ – das ist die Maskenpflicht.

Die Studie kommt zu ihrem klaren Schluss:

Auf Deutsch:

„Wir kommen zu dem Schluss, dass das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit das effektivste Mittel zur Verhinderung der Übertragung zwischen Menschen darstellt und dass diese billige Vorgangsweise im Zusammenhang mit Abstand halten, Quarantäne und dem Verfolgen von Ansteckungsketten die beste Möglichkeit zum Stoppen der COVID 19-Pandemie bildet.“

Auch in den USA wird das immer öfter verstanden. Allein in den letzten Tagen haben Alabama, Arkansas, Texas und Colorado die Maskenpflicht verhängt.

Österreich hat jetzt die Wahl: die Maskenpflicht wieder einzuführen, und damit das billigste und beste Mittel gegen die Pandemie wieder einzusetzen; oder das Risiko einer zweiten Welle in Kauf zu nehmen.

Alle sollen dabei bedenken: Mit der zweiten Welle kommt nicht nur die Maskenpflicht, sondern der zweite Lockdown. Das Tragen der Maske ist für viele lästig. Der zweite Lockdown wäre für viele zumindest wirtschaftlich weit mehr: das Ende.

Daher fordere ich die Bundesregierung auf, die Maskenpflicht wieder einzuführen. Jetzt.

Titelbild: APA Picturedesk

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