Italien: immer weniger, UK: Kritik an ungenauen Zahlen

Corona-Tote

Während Italien immer weniger Corona-Tote verzeichnet, geht das Corona-Sterben in Großbritannien weiter. Wissenschaftler kritisieren aber „statistische Mängel“, die mehr Corona-Tote verzeichnen als tatsächlich dem Virus anzulasten seien.   

Wien, 20. Juli 2020 | Während in ganz Italien von Samstag auf Sonntag nur drei Corona-Tote gemeldet wurden, waren es in Großbritannien 27. Italien scheint im Zuge der Corona-Pandemie eines der am härtesten getroffenen Länder Europas zu sein. Doch die exakte Zahl der Toten löst Kontroversen aus: sie könnte nun stark nach unten korrigiert werden, nachdem entdeckt wurde, dass „statistische Mängel“ die Daten womöglich ungenau gemacht haben könnten.

Erstmals in der Lombardei: 0 Tote innerhalb 24 von Stunden

Von Samstag auf Sonntag wurden in Italien insgesamt drei Personen als mit oder am Coronavirus verstorben gemeldet – keine davon aus der Lombardei. Erstmals seit offiziellem Beginn der Corona-Pandemie in Italien wurden damit in der Lombardei innerhalb von 24 Stunden keine Todesopfer gemeldet. Laut offiziellen Zahlen sind seit 20. Februar insgesamt 35.045 Menschen mit oder am Coronavirus in Italien gestorben, fast die Hälfte davon in der norditalienischen Region.

Falls „Zweite Welle“ kommt: nicht mehr so hart

Nachdem im März noch erschreckende Bilder aus lombardischen Spitälern durch die Medien kursierten, scheint sich das Land von der massiven Überlastung des Gesundheitssystem langsam zu erholen.

Enrico Bucci, Statistiker und Molekularbiologe, ist überzeugt: eine „zweite Welle“, die ähnlich hohe Mortalität wie die erste Welle mit sich bringen könnte, ist nicht wahrscheinlich – er schließt sie gar in einem öffentlichen Statement via Facebook aus. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit einer Epidemie mit hoher Intensität umso größer, je früher auf „Abstands-, Masken-, Händehygiene-, Verfolgungs-, Isolierungs- und Eindämmungsmaßnahmen in Krankenhäusern“ verzichtet werde.

UK: weniger Corona-Tote als gedacht?

Italien mit 60,3 Millionen Einwohnern verzeichnet 35.045 Todesfälle – Großbritannien mit 66,5 Millionen Einwohnern hingegen 45.300 Todesfälle. Diese Zahl der offiziellen Corona-Todesfälle könnte allerdings noch nach unten korrigiert werden: Wie am Sonntag bekannt wurde, hatte die britische Regierung die Veröffentlichung der täglichen Coronavirus-Todesfälle eingestellt.

Der Veröffentlichungs-Stopp wurde vom britischen Gesundheits- und Sozialministerium beschlossen, nachdem Gesundheitsminister Matt Hancock am Freitag eine Überprüfung der Zahlen angeordnet hatte.

Wissenschaftler kritisieren: Todeszahlen „übertrieben“

Ende vergangener Woche veröffentlichten britische Wissenschaftler eine Studie, die ergab, dass die Zahl der Todesfälle auf Grund Covid-19 in Großbritannien „übertrieben“ sei. Wie die britische Zeitung „Independent“ berichtete, wurden bisher zur täglichen Todesmessung alle Personen gezählt, die jemals positiv auf das Coronavirus getestet wurden und seitdem verstorben sind – ohne die Zeitspanne zwischen positivem Corona-Test und Datum des Todes zu berücksichtigen.

Die britische Regierung hatte zunächst auf Ihrer Webseite ein Statement zum Veröffentlichungs-Stopp verlautbart:

“Es wurde behauptet, dass das Fehlen eines Grenzwerts die aktuelle tägliche Zahl der Todesfälle verzerren könnte. Wir unterbrechen daher die Veröffentlichung der täglichen Zahl, bis dies behoben ist.”

In der Zwischenzeit dürfte die Veröffentlichung aber wieder freigeschaltet sein. Die Corona-Statistiken auf der Webseite der britischen Regierung sind frei zugänglich, am Sonntag wurden demnach 27 Personen als verstorben gemeldet. Fährt man mit der Maus über die Zahl, wird diese erläutert als die „tägliche Zahl an Verstorbenen, die ein positives Covid-19 Testergebnis hatten“.

Dabei bleibt nach wie vor offen, wie groß der zeitliche Abstand zwischen dem Testergebnis und dem Ableben der betroffenen Gezählten ist.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

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