Ehemann von Kurz-Assistentin Österreichs größter Maskenproduzent

Maskenconnection ins Kanzleramt

Das Unternehmen “Hygiene Austria” produziert seit Mitte April Masken „made in Austria“. Monatlich werden 25 Millionen Masken in Wiener Neudorf hergestellt. Die Hygiene Austria gehört zur Hälfte der Palmers AG, deren Eigentümer der Ehemann von Lisa Wieser ist. Sie ist Büroleiterin von Sebastian Kurz im Kanzleramt.

Wien, 21. Juli 2020 | Mitte März wartete ganz Österreich auf die Verkündung des sogenannten Lockdowns. Währenddessen planten Unternehmer schon das Geschäft mit der Krise. Einer davon war Luca Matteo Wieser, der Eigentümer von Palmers. Der bekannte Unterwäsche-Produzent gründete nur wenige Tage vor dem Lockdown gemeinsam mit der Lenzing AG die Hygiene Austria Gmbh. Sie sollte Mund- und Nasenschutz produzieren, womit sie wenige Wochen später auch begann.

Palmers-Connection ins Kanzleramt

Das im März gegründete Unternehmen produziert seit April nach eigenen Angaben zwölf Millionen Schutzmasken und will die Produktion auf 25 Millionen erweitern – und das mit besten familiären Verbindungen zum Kanzler:

Lisa Maria Wieser nennen Medien schon mal „rechte und linke Hand“ des Kanzlers. Die Chefsekretärin – oder, wie auf früher auf ihrer Visitenkarte stand, „Persönliche Assistentin des Bundesministers“ – begann ihre ÖVP-Karriere gleich nach der Matura: Angefangen beim Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl, war sie schließlich im Kabinett von Maria Fekter tätig, bis sie bei Sebastian Kurz landete. “Wir waren so etwas wie ein politisches Start-up“, bezeichnet Lisa Wieser die Anfangszeit im Büro Kurz. Als der Kanzler 2011 zum Integrationsstaatsekretär gekürt wurde, übernahm Wieser die Büroleitung. Seit neun Jahren ist sie eine enge Vertraute von Kurz – sie selbst bezeichnet ihre Arbeit nicht als Job, sondern als “Freundschaft”, die über die Jahre hinweg zwischen ihr und dem Kanzler entstanden sei.

Ihr Ehemann Luca Matteo Wieser und ihr Schwager Tino Wieser sind Geschäftsführer der Palmers AG, die die Hygiene Austria zur Hälfte besitzt. Schwager Tino Wieser ist darüber hinaus auch Geschäftsführer der Hygiene Austria.

Im Jänner 2020 besuchte die Büroleiterin des Kanzleramts Lisa Wieser mit ihrem Mann Luca Matteo den Steierball. Ein halbes Jahr später ist er Miteigentümer des größten Maskenproduzenten Österreichs. Quelle: APA Picturedesk

Am 13. Juli gab die Hygiene Austria per Aussendung bekannt, dass man „für eine mögliche zweite Welle bestens vorbereitet“ sei. Produziert wird am ehemaligen Palmers-Standort in Wiener Neudorf, „mit dem Ziel, die Produktion von Hygieneartikeln zu errichten.“ Dass viele Schlüsselindustrien der kritischen Infrastruktur bereits aus Europa ausgelagert wurden und mehrheitlich in China produzieren, bekam Österreich in der Corona-Krise schmerzlich zu spüren.

Nun produziert das junge Unternehmen Masken, obwohl selbst der Kanzler im Februar noch sagte, dass „Schutzmasken gar nicht schützen.“ Trotzdem wird die Maskenproduktion derzeit gerne als „Schlüsselindustrie“ bezeichnet, und das nicht zu Unrecht: Durch die gesteigerte Nachfrage am Weltmarkt im März mangelte es selbst in Österreichs Spitälern an Masken. Je mehr Erfahrung mit dem neuen Virus allerdings gesammelt wird, umso stabiler – und auch geringer – könnte auch die Nachfrage wieder werden.

Kanzler machte PR-Besuch

Trotzdem nutzte Sebastian Kurz die Hygiene Austria am 19. Mai zum PR-Termin. Er besuchte die Produktion in Wiener Neudorf mit den Worten:

„Ich freue mich sehr, dass wir in Österreich, durch die Gründung der Hygiene Austria, die Versorgung an Mund-Nasen Masken nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder gewährleisten können. Dies ist ein weiterer und wichtiger Beitrag zur Eindämmung von COVID-19 und zur Sicherheit aller Menschen in Österreich.“

Seit neun Jahren steht Lisa Wieser ihrem Kanzler treu zur Seite. “Ich stehe für Disziplin und schiebe unangenehme Dinge nicht auf”, sagt Wieser über sich selbst. Quelle: APA Picturedesk

Sebastian Kurz plädierte am Wochennde via „oe24“ dafür, dass „wir die Maskenpflicht wieder einführen müssen.“ Weil er aber bis Dienstag in Brüssel verweilte, wurde die Entscheidung vertagt. Dass nun engste Verbindungen vom Kanzler-Büro zum größten österreichischen Maskenhersteller auffliegen, rückt die Maskenpflicht in ein neues Licht.

„Es besteht also der Verdacht, dass hier jemand die Maßnahmen bestimmt, der selbst durch familiäre Verbindungen von einer Verschärfung profitiert“,

sagte FPÖ-General Michael Schnedlitz gestern in einer Aussendung.

Exportmarkt wird interessanter

Die Hygiene Austria glaubt, bereits „einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der ersten Welle der Covid-19 Pandemie geleistet“ zu haben. Mitte Juni schloss man einen Deal über 450.000 Masken mit dem niederösterreichischen Unternehmen Würth ab. Welche weiteren Kunden die Hygiene Austria versorgt, ist nicht bekannt. Man würde sie hauptsächlich im Handel und im Gesundheitsbereich finden, so die Hygiene Austria.

Wieviel Prozent des österreichischen Schutzmaskenbedarfs von der Hygiene Austria produziert werden, sagt das Unternehmen nicht. Aber der nächste Standort in Großbritannien sei bereits in Planung, „eine weitere Expansion ist bereits in Umsetzung“. Vor allem im Ausland soll die Nachfrage steigen, aktuell würde der Export 25 % ausmachen, sagt Hygiene Austria gegenüber zackzack. Man arbeite an weiteren Deals mit größeren Unternehmen.

“Wir haben keinen Auftrag der öffentlichen Hand/Regierung zur Lieferung von Schutzartikeln erhalten oder durchgeführt”,

antwortet der Masken-Produzent zu zackzack, auf die Frage, ob offizielle Stellen bei der Vermittlung von privaten Aufträgen unterstützt haben.

Mikl-Leitner: Unterstützung bei Behördenverfahren

Auch die ÖVP Niederösterreich betrieb für die Palmers-Masken gute Werbung. Man habe die Hygiene Austria „von der ersten Minute an“ mit einem Expertenteam begleitet und bei den gesamten Behördenverfahren unterstützt, so Mikl-Leitner. Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) verwies in einer Aussendung darauf, dass damit „endlich dem bekannten Palmers-Gebäude in Wiener Neudorf neues Leben eingehaucht“ wurde.

Gegenüber zackzack sagt die Hygiene Austria, dass darüber hinaus “keine weiteren Absprachen oder Kooperation” mit Bund oder Land bestehen.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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