Greenpeace fordert Mehrwegflaschen-Quote

Blockade beim Diskonter

Mit Mehrweg die Plastikflut eindämmen – wie aus einer aktuellen Greenpeace-Erhebung über Mehrwegflaschen in österreichischen Supermärkten hervorgeht, werden in Österreich jährlich 42.000 Tonnen Plastikflaschen verkauft. Der Großteil davon Einweg. Zuviel, sagt Greenpeace und fordert eine gesetzliche Quote.

Wien, 23.07.20 | Durch eine Umstellung von Einweg-Plastikflaschen auf Glasmehrweg könne laut Greenpeace 40.000 Tonnen an Plastikverpackungsmüll eingespart werden. Diskonter zwingen Kunden jedoch zu Einwegabfall. Wünschen von Kunden widerspreche das: 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher wünschen sich, ihre Getränke in wiederbefüllbaren Mehrwegflaschen kaufen zu können. Auch Greenpeace will einen verpflichtenden Mehrweganteil bei Getränken für alle Supermärkte bis 2030.

NGO warnt vor Greenwashing der Diskonter

Den Handelsketten Hofer und Lidl wirft die NGO zudem vor, intensiv mit dem Thema Verpackungsreduktion zu werben und gleichzeitig mit einer eigens gegründeten Gesellschaft in der EU gegen Mehrweg-Verpackungen zu lobbyieren.

Anstatt viel Geld in Greenwashing zu stecken, müssen vor allem die Diskonter endlich handeln und wiederverwendbare Verpackungen anbieten,

erklärte Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich.

Beim Vergleich innerhalb der Lebensmittelhändler erwies sich Interspar als Spitzenreiter der Einführung von Mehrwegsystemen, nachdem hier seit vergangenem September insgesamt 24 neue Mehrwegprodukte eingeführt worden sind. Den höchsten Mehrweganteil insgesamt hat die oberösterreichische Kette Unimarkt. Sehr schlecht schneiden Diskonter wie Hofer, Lidl und Penny ab. Da Getränke aus Einwegflaschen in der Regel deutlich günstiger sind oder gar kein Angebot an Mehrwegflaschen vorhanden ist, fällt die Kaufentscheidung natürlich oft auf Einwegplastik.

Aufruf an die Bundesregierung

Die NGO wies erneut darauf hin, dass der Marktanteil an Mehrwegflaschen in Österreich seit 1995 rapide sinkt und zwar von rund 80 auf 19 Prozent im Jahr 2019. Während Mehrwegflaschen zurückgenommen, gewaschen und wiederbefüllt werden können, sind es bei Einweg-Plastikflaschen nur knapp 28 Prozent, die überhaupt wieder zu Flaschen recycelt werden – der Rest wird größtenteils verbrannt. Zudem sind auch die Transportkisten wiederverwendbar, während für den Transport von Einwegflaschen Plastikfolie verwendet wird.

Quelle: Greenpeace

Anfang des Jahres veröffentlichte Greenpeace zusammen mit der Arbeiterkammer, dem österreichischen Ökologie-Institut und dem Abfall-Experten Gerhard Vogel eine Studie zur Förderung von Mehrwegsystemen. Diese enthielten Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung, die sich im Regierungsprogramm zum Ausbau von Mehrwegsystemen verpflichtet hat.

In den letzten 20 Jahren wurden viele politische Fehler gemacht, die dazu geführt haben, dass heute umweltschädliche Einwegverpackungen den Markt dominieren. Sie heizen die Klimakrise an, verschmutzen die Meere und Umwelt und verschwenden wertvolle Ressourcen. Deshalb brauchen wir einen gesellschaftlichen Wandel: weg von der Wegwerfkultur hin zu einer Kultur der Wiederverwendung. Dafür muss die Bundesregierung jetzt ein Pfandsystem mit gesetzlicher Mehrwegquote auf den Weg bringen,

so Lisa Panhuber.

Wiederverwendung und die „Biokunststoffe“-Falle

Mehrweg Glasflaschen können bis zu 40 Mal wiederverwendet werden, danach wird aus der Flasche wieder eine neue Flasche. Mehrweg PET-Flaschen können bis zu 20 Mal wieder befüllt werden – ein Merhwegsystem auf Basis von PET-Mehrwegpfandflaschen erzeugt nur fünf Prozent der Abfallmenge im Vergleich zu Einwegflaschen.

Viele Unternehmen setzen auf Recycling und denken, damit tun sie der Umwelt etwas Gutes. Fakt ist allerdings: Recycling ist maximal die zweitbeste Lösung. Jede recycelte Plastikflasche muss energieintensiv neu geformt werden und bei diesem Prozess gehen jedes Mal rund vierzig Prozent des Materials verloren. Nach sechs Durchgängen bleibt von einer Einweg-Plastikflasche weniger als ein Prozent für die Wiederverwertung übrig. Mehrweggetränke sind daher ökologisch die unbestrittenen Spitzenreiter,

so Studienautor Gerhard Vogel, ehemaliger Leiter des Instituts für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement an der WU Wien.

Auch Hersteller sogenannter “Biokunststoffe” werben oft damit, dass Bioplastik und Biokunstoff eine nachhaltige Alternative zum herkömmlichen Plastik darstellen. Trotzdem landet er nicht im nachhaltigen Kreislauf. “Biologisch abbaubare” Kunststoffverpackungen landen immer noch im Abfall und werden verbrannt – in der Natur können diese Materialien gar nicht erst verrotten, da sie erst bei hohen Temperaturen von 60 Grad Celsius abgebaut werden können. Werden Gegenstände aus Bioplastik, wie z.B. Strohalme, einfach weggeforfen, bleibt es in der Natur und stellt eine Gefahr für Umwelt und Tiere dar, so geht es aus der Studie für die Förderung von Mehrwegsystemen hervor.

Greenpeace fordert von der Regierung, geseltzliche Rahmenbedinungen für Mehrwegflaschen zu schaffen, um der Wegwerf-Kultur den Kampf anzusagen. Nach der Einführung des Pfandpflichts 2003 in Deutschland, wurden in Deutschland 64 Prozent aller Flaschen wieder befüllt. Auch das “Littering”, das Wegwerfen von Dosen oder Einwegfalschen, konnte dadurch deutlich reduziert werden.  Jetzt kann nur gehofft werden, dass auch die österreichsiche Regierung endlich nachzieht und hält, was sie versprochen hat.

(jz/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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