Nach Massenkündigung bei Swarovski

Mindestens 50 Millionen kostet Kurzarbeit, Gewerkschaft will Rückzahlung

Die Gewerkschaft rechnet mit mindestens 50 Millionen Euro an Steuergeld, das die Kurzarbeit bei Swarovski kostete. Der Kristall-Konzern hat bereits bis September Kurzarbeit beantragt und kündigt nun dennoch bis zu 1800 Mitarbeiter, das ist mehr als ein Drittel der Belegschaft. Die Gewerkschaft verlangt jetzt die Rückzahlung der Millionen. Gleichzeitig verstören die Kristall-Millionäre mit einem Facebook-Posting aus dem Luxusurlaub.

Innsbruck, 23. Juli 2020 | Die Unsicherheit im Swarovski-Werk in Wattens ist aktuell enorm: Keiner weiß, wer nach der angekündigten Kündigungswelle im Herbst seinen Job behält. Ohnehin ist mehr als 90 % der 4800 Köpfe großen Belegschaft aktuell auf Kurzarbeit, das kostete seit März wohl schon über 30 Millionen an öffentlichen Geldern.

Bis zu 80 Millionen Euro kostet Swarovski-Kurzarbeit

Aber während die Arbeitnehmer die Lohnkosten des Swarovski-Konzerns übernehmen, kündigt dieser an, bis zu 1800 Mitarbeiter zu kündigen. 1200 sollen noch in diesem Jahr gehen, 600 weitere im nächsten Jahr. Aber jetzt läuft das Fass für die Gewerkschaft über.

„Die Kurzarbeitsmillionen müssen zurückgezahlt werden“, sagt ÖGB-Tirol-Vize Robert Koschin. Mit 50 bis 80 Millionen Euro Kurzarbeitsgelder rechnet man, die das AMS an Swarovski zahlen wird müssen. Von Mitte März bis Ende April, wo bereits eine Abrechnung vorliegt, betrug die Kurzarbeit 12 Millionen Euro.

Swarovski streicht Stellen und nutzt Kurzarbeit voll aus

Am 19. Juni, als die Kurzarbeit I ausgelaufen war, beantragte man schon am nächsten Tag Kurzarbeit II, diese läuft wieder für drei Monate. Nur hat diesmal der Kristall-Riese die Reduktion der Arbeitszeit um 90 % beantragt, in den ersten Krisenmonaten war es noch 80 % gewesen. Und noch etwas fällt auf: Während der ersten Kurzarbeitsperiode bei Swarovski waren bereits mehr als 600 Stellen abgebaut worden.

Über 6 Monate beantragt Swarovski Kurzarbeit für über 90 % der Belegschaft. Während die Lohnkosten vom Arbeitnehmer übernommen werden, baut der Kristall-Konzern Stellen ab. Quelle: ÖGB Tirol. Grafik: ZackZack

Dabei etablierte man das Kurzarbeitsmodell genau aus dem gegenteiligen Grund: Um Arbeitsplätze zu retten und nicht, damit Luxusunternehmer ihre Lohnkosten während einer Krise auf die Gemeinschaft abwälzen.

„Missbräuchliche Verwendung von Arbeitnehmergeld“

Swarovski verteidigt sich: Die Gelder nicht an die Konzern-Bosse, sondern an die Beschäftigten. Das ist richtig, wenn sich der Konzern allerdings Millionen an Lohnkosten erspart, ist das ein Gewinn für den Arbeitgeber, er erspart sich Millionen.

Die Gewerkschaft ist entsetzt: „Swarovski muss sämtliche erhaltene Kurzarbeitsmillionen an das AMS zurückzahlen. Mit diesem Geld können dann die gekündigten Beschäftigten unterstützt werden“, sagt der stellvertretende ÖGB-Landesvorsitzende Robert Koschin gegenüber zackzack. Es gehe um die „Ausnützung von Arbeitnehmergelder“ und ihre „missbräuchliche Verwendung für Konzerne“.

„Arbeitsplätze zu erhalten stand nie im Fokus,” vermutet Koschin. “Bei erster Gelegenheit nach Auslaufen der Kurzarbeit wurden auf moralisch bedenkliche Art und Weise MitarbeiterInnen gekündigt.”

Swarovski-Familie empört mit Urlaubsfoto

Auch SPÖ Tirol-Chef Georg Dornauer betont seit Tagen, dass es moralisch nicht vertretbar sei, noch bis September Kurzarbeitsmillionen zu beziehen, deren Sinn und Zweck die Erhaltung von Arbeitsplätzen ist, gleichzeitig aber Menschen zu kündigen und einen großen Stellenabbau im Herbst vorzubereiten: „Der Swarovski-Konzern muss diese Gelder zurückzahlen“, verlangt Dornauer und sieht Landeshauptmann Platter in der Pflicht: „Wurde der Landeshauptmann von der Konzernführung an der Nase herumgeführt oder wusste er vom massiven Stellenabbau?“

Dass bei den Kristall-Millionären Solidarität ein Fremdwort ist, bezeugte die Familie mit einem Social-Media-Post am Sonntag. So schickte eine Swarovski-Tochter Grüße aus dem Luxusurlaub auf Marbella, was das Netz in Empörung versetzte:

 

Bild: Screenshot Facebook

Titelbild: APA Picturedesk

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