Die McKinsey-Affäre

Köstinger unter Druck, Spuren verwischt, zackzack hat die Hinweise

Die seltsame Rolle des US-Beratungsriesen McKinsey beim Hoteltest-Flop bringt Tourismusministerin Köstinger gehörig unter Druck. Diese will von einem Auftrag immer noch nichts wissen, derweil werden seit gestern Verweise auf die Berater von Projektseiten gelöscht. Zackzack hat Screenshots, die belegen: McKinsey steckte mittendrin. Wer zahlte die Berater? Der Krimi geht weiter.

Wien, 24. Juli 2020 | Wer zahlte McKinsey? Das fragten wir am Donnerstag, als wir herausfanden, dass die Erzählung von Köstinger-Ministerium und Wirtschaftskammer (WKO) nicht stimmt. Demnach hätten das Tourismusministerium und WKO im Rahmen der Testinitiative für Hotels „Safe A“ nichts mit den Beratern von McKinsey am Hut, hieß es von beiden Seiten. Es seien keine „öffentlichen Gelder“ geflossen, das ist der Tenor. Beauftragt worden seien die Berater von einem Labor-Konsortium. Doch zackzack fand heraus: es gibt dieses Konsortium nicht!

Die beteiligten Labore wissen nichts von der Existenz eines “Konsortiums”, man meldet sich lediglich in Eigeninitiative beim Ministerium. Keine Spur von irgendeiner Organisation. Teilweise laufe die Abwicklung chaotisch, heißt es auf zackzack-Anfrage. Alle wollen anonym bleiben. Vom Mitwirken des Berater-Riesen haben manche zwar gehört, die McKinseys würden aber im Hintergrund agieren. Doch McKinsey muss von irgendjemandem bezahlt worden sein. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass ein “Big 5”-Beraterunternehmen federführend ein Projekt begleitet, ohne irgendeinen Cent dafür gesehen zu haben. Von wem kam das Geld? Jedenfalls nicht von den Laboren, wie Köstinger behauptet.

McKinsey-Spuren im Netz gelöscht – zackzack hat die Screenshots

Nachdem zackzack und “Krone” am Donnerstag die ersten Details aufgedeckt hatten, geschah am Freitag etwas Seltsames: die Spuren zum Berater-Riesen als „Umsetzungspartner“ des Projektes wurden im Netz eifrig verwischt. In einem Dokument, das zackzack am Donnerstag veröffentlichte, war ursprünglich je eine Ansprechperson von McKinsey, der WKO und dem Ministerium gelistet. Gestern aber war das Dokument plötzlich nicht mehr auffindbar:

Dokumentenkopf. Screenshot: WKO (Donnerstag).

Das gestern noch öffentlich einsehbare Papier ist wie von Zauberhand von der Website der WKO verschwunden. Dort war der Ansprechpartner von McKinsey für alle sichtbar gelistet. Dokumentenfuß: Screenshot: WKO (Donnerstag).

Die WKO begibt sich auf Tauchstation: das Projekt “Safe A” ist wohl jetzt “Unsafe A”. Gestern Nachmittag und heute Morgen war es jedenfalls nicht mehr zu finden – und damit war auch das Dokument mit dem McKinsey-Berater spurlos verschwunden.

Die „Krone“ veröffentlichte schon am Donnerstag Screenshots mit den Logos von McKinsey, WKO und Tourismusministerium, was von Köstinger-Sprecher Kosak allerdings als „Fälschung bzw. Fotomontage“ bezeichnet wurde. Fakt ist: das Logo von McKinsey war zunächst auf mehreren Seiten des Projektes prominent vetreten, aber verschwindet seit Freitag äußerst rasch aus dem Netz. Viele der Links sind nicht mehr oder waren temporär nicht abrufbar: „Fehlermeldung 404“ heißt es immer wieder. Die Projektseite „Sichere Gastfreundschaft“ war kurz offline, dann aber wieder online:

Ein Twitter-Nutzer antwortet unter eine Diskussion mit einem Screenshot, der zeigt, dass die Website kurz offline war. Das Ministerium klärt auf: Alles wieder i.O., der Link ist wieder abrufbar. Doch warum häufen sich die 404-Meldungen? Screenshot: Twitter.

Auf der Seite des Branchenportals „Tourist Austria International“ entdeckten wir gestern einen Artikel mit eindeutigem Hinweis auf McKinseys Rolle:

Ein anderer Artikel zum “Safe A”-Projekt ist jedoch von der “TAI”-Website verschwunden.

“Ein weltweit einzigartiges Projekt”, ist in der URL zu lesen. Einzigartig geheim? Screenshot: www.tai.at (Freitag).

Was ist mit der Österreichischen Hotelerievereinigung? Weiß die etwa auch nichts von McKinsey? Auf der Website wird man fündig:

“Das Projekt ‘Safe A’ wird von der Beratungsfirma McKinsey begleitet”. Bei der ÖHV weiß man offenbar mehr über das Projekt als die Schirmherren Tourismusministerium und WKO. Screenshot: www.oehv.at (Freitag).

Knöpft sich Ministerium jetzt Labore vor?

Das Ministerium und die WKO schieben dennoch nach wie vor die Verantwortung von sich. McKinsey? Nichts gehört, nichts gesehen, keine Beauftragung. Die Labore, das betonte Ministerin Köstinger (ÖVP) gestern im Oe1-Journal sogar nochmal selbst, sollen sich beim Ministerium für die Registrierung auf der genannten Plattform melden. Das Programm sei „freiwillig“.

Ein Konsortium mit „freiwilligem Charakter“ – von dem die beteiligten Labore nichts wissen – soll also Berater mit, wie „Krone“ berichtete, unüblichen hohen Honoraren bezahlt haben und der Bund als Schirmherrin des Projektes habe damit nichts zu tun? Das jedenfalls ist die Erzählung von Tourismusministerin Köstinger, aber auch der WKO. Auf Twitter verteidigt sich Köstinger-Sprecher Daniel Kosak und liefert gleichsam die neue Kommunikationsrichtung: ab jetzt sollen offenbar die Labore in den Fokus rücken. Den hohen Preisen der Tests wolle man nachgehen, so Sprecher Kosak auf Twitter. Doch zur Rolle von McKinsey hüllt man sich in Schweigen.

Opposition stürzt sich auf Causa

Am Donnerstag schon meldete sich NEOS-Mandatar Sepp Schellhorn, der selbst Hotelier ist und ob der langsamen Testungen von wütenden Kollegen aus der Branche weiß, zu Wort:

Schweigen herrscht auch zur beauftragten Elite-Beratung McKinsey. Wer finanziert deren kolportiertes Honorar von wöchentlich 200.000 Euro? WKO und Tourismusministerin drücken sich hier feige weg und verweisen auf ein von der Politik eingesetztes Labor-Konsortium. Zum Konsortium selbst schweigt man sich aus, als Ansprechpartner wird von der WKO ein McKinsey Berater angeführt. Hier werden Nebelgranaten geworfen, es gibt keinen einzigen Hinweis auf die Existenz eines Labor-Konsortiums.“

Auch die SPÖ ist auf dem Thema drauf, Klubchef Jörg Leichtfried sowie Gesundheitssprecher Philip Kucher kündigten eine parlamentarische Anfrage an. Kucher ließ zudem per Aussendung wissen:

“Heimlich, still und leise wurde das Logo von McKinsey von der Homepage zum Tourismusprojekt entfernt, weder Mahrer noch Köstinger wollen jemals etwas mit der Firma zu tun gehabt haben. Unzureichende Testungen, horrende Kosten für die Republik lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Köstinger und Mahrer sind offensichtlich gescheitert.“

Zu der schleppend anlaufenden Umsetzung meldet sich der SPÖ-Abgeordnete ebenfalls zu Wort:

“Von Systematik und Verantwortung keine Spur. Ministerin Köstinger und WKÖ-Präsident Mahrer betreiben ein Marketingspiel auf Kosten der öffentlichen Gesundheit.”

Seltsame Anrufe

Der McKinsey-Ansprechpartner, dessen Name und Kontaktdaten für alle öffentlich einsehbar war, scheint derweil abgetaucht. Auch Kollegen, die ebenfalls zur Geschichte recherchieren, können ihn nicht erreichen. McKinsey selbst vertröstete uns immer wieder mit Rückrufen, ließ dem aber keine Taten folgen.

Stattdessen meldete sich ein dritter Kommunikator aus dem Hintergrund per Telefon, der nur „off the record“ über die Sache sprechen wolle – weshalb wir ihn nicht direkt zitieren können. Fakt ist aber: es wurde in den letzten 48 Stunden über Umwege versucht, die Geschichte anders darzustellen und die Rolle von McKinsey herunterzuspielen.

Es ist längst eine McKinsey-Affäre, Ministerin Köstinger steht gehörig unter Druck.

Ob 200.000 Euro pro Woche oder gar mehr: Wer zahlte McKinsey? Zackzack bleibt dran.

(wb/mp)

Titelbild: APA Picturedesk

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