Frugale Früchterl ohne Visionen

Kickl kommentiert

Dass es der frugale Kanzler als Kompliment ansieht, wenn er „Blockierer und Verhinderer“ genannt wird, ist eine Sache. Eine andere ist das Fehlen jeglicher Vision beim EU-Gipfel.

Wien, 25. Juli 2020 | Der türkise Sparefroh fabulierte in seiner heiland-gleichen Weisheit über „kaputte Systeme“. Emmanuel Macron platzte der Kragen und ließ die Kollegen wissen:

„Sehen Sie? Es ist ihm egal. Er hört nicht auf andere, er hat eine schlechte Einstellung. Er kümmert sich um seine Presse, und basta!“

Das frugale Früchterl nahm es gelassen und attestierte Macron „Schlafmangel“ und wähnte diesen zudem „sehr sehr angefressen, weil er seinen Kopf nicht zu 100 Prozent durchsetzen konnte.“

Wo bleiben die Visionen?

Der EU-Gipfel brachte letztlich ein Ergebnis, das sich vor allem durch eines auszeichnet: kein gemeinsamer Plan, keine verbindenden Visionen, keine europäische Strategie.

Die Covid-Situation wird früher oder vermutlich später überwunden sein, weshalb auch nicht nachvollziehbar ist, warum beispielsweise für Bildungseinrichtungen nicht an einem Backup-Plan gearbeitet wird, der Tablets und Online-Unterricht für alle möglich macht.

Beinahe im Hintergrund lauert die Klimaveränderung und außer, dass 30 Prozent des Hilfsfonds für „Klimaschutz“ anvisiert sind, gibt es keine konkreten Projekte, noch nicht einmal konkrete Kriterien hinsichtlich der klimaschutzfreundlichen Verwendung.

Wo bleibt beispielsweise ein großes, europäisches Eisenbahnprojekt, das uns künftig die Fliegerei ersparen könnte und zudem europaweit Arbeitsplätze schaffen würde? Ein Schelm könnte an dieser Stelle an die 750 Millionen Euro für die Austrian denken.

Warum gibt es keine große Vision, wie einen Atlantiktunnel, in dem Reisende wie Fracht umweltschonend transportiert werden?

Warum fliegen Raketen aus den VAE, China und den USA zum Mars, aber keine aus Europa?

Nicht, weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist

Um die emotionale, vereinende und wirtschaftlich positive Wirkung von visionären Projekten wusste auch John Fitzgerald Kennedy. In seiner Rede am 12. September 1962 zu den ehrgeizigen Plänen der Mondlandung sagte er:

“Warum wählen wir ihn als unser Ziel? Und sie könnten genauso gut fragen, warum den höchsten Berg besteigen? Warum vor 35 Jahren den Atlantik überfliegen? Wir haben uns entschlossen, zum Mond zu fliegen. Wir haben uns entschlossen, noch in diesem Jahrzehnt zum Mond zu fliegen – nicht, weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist.”

Die Europäische Union macht es sich zu leicht. Ohne Visionen gibt es keinen Zusammenhalt, ohne gemeinsame, konkrete Ziele keinen Weg, den wir zusammen gehen können. Und so manches frugale Früchterl kann diese Plan- und Ziellosigkeit für seine eigenen, nationalistischen Triebe ausnutzen, womit letztlich uns allen noch weniger geholfen ist.

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

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Titelbild: APA Picturedesk

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