Abnehmen mit Boris

Briten-Premier verordnet Fittnessprogramm

Boris Johnson könnte Großbritannien nun zum Vorzeigeland in der Gesundheitskrise machen: Mit einer nationalen Kampagne wird Junkfood der Kampf angesagt, die großteils übergewichtigen Briten sollen jetzt gemeinsam mit Boris Johnson abnehmen. Gut für die Gesundheit und fürs Gesundheitsbudget. Experten loben den Vorstoß.

Wien, 28. Juli 2020 | Vom “worst case”-Land zum Vorzeigeland in der Krise? Boris Johnson hört auf Gesundheitsexperten und fährt jetzt eine massive Abnehm-Kampagne in Großbritannien: Wer übergewichtig ist – das betrifft die Mehrheit der Bevölkerung – soll mindestens etwas über zwei Kilo abnehmen. Dabei geht Johnson selbst als Vorbild voran und bildet sich in den sozialen Medien beim Sporteln ab. Die Gewichtsreduktion würde nicht nur die Gesundheut fördern, sondern auch Kosten im Gesundheitssystem sparen.

Premier Boris Johnson als „Vorbild“

Brexit-Premier Boris Johnson hat den gesunden Lebensstil für sich entdeckt: Zum Start der Gesundheitskampagne räumte der schwergewichtige Briten-Trump mittels Video auf den sozialen Medien ein, wie sehr er mit seinen Kilos kämpfe. Er habe aber seit seiner überstandenen Covid-19-Lungenerkrankung mindestens sechs Kilo abgenommen, erzählt er stolz in die Kamera. Davor sei sein Gewicht immer “hoch- und runtergegangen”. Nun gehe er täglich mit Hund spazieren.

Anfangs sei er ziemlich langsam gewesen, aber er werde immer fitter und habe sein Tempo gesteigert, berichtete Johnson weiter.

“Es gibt gesundheitliche Gründe, aber man fühlt sich auch einfach besser.”

Zwei Drittel übergewichtig, jedes fünfte Kind fettleibig

Der Abnehm-Effekt soll nun aufs ganze Land überschwappen, denn Großbritannien ist schwer geplagt von der Fettsucht-Pandemie: Rund zwei Drittel der erwachsenen Briten sind übergewichtig, sogar jedes fünfte Schulkind ist fettleibig.

Eine Studie der britischen Gesundheitsbehörde hat ergeben, dass Fettleibigkeit das Risiko, an den Folgen der Corona-Pandemie zu sterben, um 40 Prozent erhöht. Fettleibigkeit ist aber nicht nur Risikofaktor für Corona-Patienten, sondern auch für Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall. Erst kürzlich warnten Wissenschaftler in Österreich, durch den Lockdown könnte es bald mehr Tote durch Gewichtszunahme als durch das Coronavirus selbst geben, wenn nichts dagegen unternommen werde.

Boris Johnson sagt Coca Cola und Co. den Kampf an

Die Kampagne der Regierung sagt vor allem Zucker und Fett den Kampf an. Werbung für Junkfood im Fernsehen soll künftig erst ab 21 Uhr erlaubt sein, um Kinder und Jugendliche davon möglichst fernzuhalten. Auf Weinflaschen und Bierdosen muss den Plänen zufolge der Kaloriengehalt der Getränke verzeichnet sein, außerdem dürfen Supermärkte zukünftig keine Rabatte mehr auf ungesunde Lebensmittel geben. Restaurant- und Cafe-Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten sollen dazu verpflichtet werden, auf ihren Speisekarten die Kalorienwerte anzugeben, außerdem sollen Ärzte ermutigt werden, übergewichtigen Patienten Fitnesstraining zu verschreiben.

Auch das Radfahren wird von der Regierung als wesentlicher Faktor beim Abnehmen wahrgenommen: so sollen “Tausende Kilometer neue Radwege” gebaut und Gutscheine über 50 Pfund (55 Euro) ausgegeben werden, um die Reparatur alter Fahrräder zu unterstützen und die Briten auf den Drahtesel zu bewegen.

Zwei Milliarden Pfund möchte sich die Regierung eine “Revolution des Radfahrens und Gehens” im Land kosten lassen. Die hat Großbritannien auch dringend nötig: das Land gilt nicht gerade als fahrradfreundlich.

Gesundheitsexperten begrüßen Kampagne

“Covid-19 war für uns alle Weckruf zu den unmittelbaren und langfristigen Risiken von Übergewicht”, sagte ein Regierungssprecher am Sonntag – und Boris Johnson ist überzeugt, “dass wir diesen Moment nutzen müssen, um gesünder und aktiver zu werden und uns besser zu ernähren”. Die britischen Gesundheitsexperten wie auch die Opposition begrüßen, dass die Regierung jetzt einlenkt und die Briten zu gesünderem Lebensstil bewegen möchte.

Allerdings sei noch mehr zu tun, um eine Veränderung im Essverhalten der Briten zu bewirken, wie auch der Bewegungsberater der Regierung und WHO-Gesundheitsberater William Bird im Interview mit der Zib2 am Montag sagte: Die Regierung müsse nach der Initialzündung mindestens fünf bis zehn Jahre lang gezielte Maßnahmen durchführen, damit die Aktion nicht zum PR-Gag verkümmere.

Hatte Johnson in der Krise zunächst viele Expertenmeinungen hinsichtlich Corona-Maßnahmen ignoriert und sich sogar damit gebrüstet, Corona-Infizierten die Hand geschüttelt zu haben, legt er jetzt nach überstandener Erkrankung einen massiven Kurswechsel ein. Insbesondere Public Health-Experten weltweit mahnen zum gesünderen Lebensstil, insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie.

Pfunde abspecken spart Ausgaben

Rund 45.000 Menschen sollen in Großbritannien bisher am Coronavirus gestorben sein. Gemessen an der Einwohnerzahl hat außer Belgien weltweit kein Land mehr Corona-Tote. Allerdings wurde erst vergangene Woche Kritik an „ungenauen“ Zahlen zu Corona-Sterbefällen in Großbritannien laut, wie viele Menschen in Großbritannien bisher tatsächlich am Coronavirus gestorben sind, scheint unklar. Boris Johnson setzt jetzt auf gesunden Lebensstil und möchte mit der Kampagne auf der einen Seite die Pfunde der Briten abspecken, auf der anderen Seite dadurch über 100 Millionen Pfund an Ausgaben im Gesundheitssystem einsparen – denn je mehr Menschen krank sind, mit desto mehr Ausgaben sieht sich auch das Gesundheitssystem belastet.

(lb)

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

AKTUELLES

AKTUELLES

Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben

Dazu brauchen wir eure Unterstützung:

im ZackZack-Club.

Kurz attackiert ZackZack!

Wir bleiben dran: in Wien,

Ibiza und Mallorca.

Schließen