China unter Wasser

Wochenlanger Starkregen – ´Mega-Damm “deformiert, aber sicher”

Mehrere Provinzen Chinas werden derzeit von schweren Monsunregen heimgesucht. 140 Menschen gelten bisher als tot oder vermisst. Sorge besteht bei Experten über möglichen Einsturz des massiven Drei-Schluchten-Damms, laut chinesischen Behörden ist sie unbegründet. Der Monsterdamm sei “nur” deformiert.

Wien, 28. Juli 2020| Seit Anfang Juni werden die Provinzen Hubei, Hebei und Henan im Zentrum Chinas von Monsunregen heimgesucht. Entlang des Jangtsekiangs, des drittlängsten Flusses der Erde, trat das Wasser mehrere Meter über das Normalniveau. 150 Menschen gelten seither als vermisst, hunderttausende wurden evakuiert. Laut Regierung sollen bis zu 24 Millionen Menschen von den Hochwassern betroffen sein. Entlang des Flusses liegen die Millionenmetropolen Wuhan (der Ausbruchsort der Corona-Pandemie) und Chongqing. 1,5 Millionen Hektar Anbaugebiet wurden durch die bisher Fluten zerstört, der geschätzte materielle Verlust wird auf zwei Milliarden Euro geschätzt.

Prestigeprojekt Drei-Schluchten-Talsperre

In den sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Videos, die das Ausmaß der Fluten zeigen. Weggeschwemmte Häuser, versinkende Statuen, bis zum Anschlag gefüllte Dämme. Einer dieser Dämme, der besondere Sorge bereitet, ist die Drei-Schluchten-Talsperre. Ein Prestigeprojekt der chinesischen Regierung, das 2003 fertiggestellt wurde, um einerseits als Kraftwerk zu dienen und das regelmäßig von schweren Fluten betroffene Gebiet entlang des Jangtsekiangs zu schützen. Hinter dem massiven Staudamm befindet sich ein Stausee, zweimal so groß wie die Fläche Wiens.

Aufgrund der anhaltenden Regenströme heizten sich in den sozialen Netzwerken Spekulationen über die Standfestigkeit des Staudammes an. Die chinesischen Behörden reagierten auf die zahlreichen besorgten Posts mit einer Antwort über die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua: „Der Damm ist leicht deformiert, aber sicher“.

Drei Schleusen des Damms wurden geöffnet, weil der Wasserspiegel 15 Meter über dem Warn-Niveau lag. Die Global Times, Sprachrohr der chinesischen Regierung Richtung Westen, richtete aus: “Westliche Medien waren noch nie so besessen von einem Damm, außer er steht in China”.

Kleinerer Damm gesprengt

Einen kleineren Damm in der Provinz Anhui sprengten die chinesischen Behörden, sie erhofften sich eine Herabsetzung des Wasserspiegels um 70 Zentimeter. Das Wasser solle in zwei stromabwärts gelegene Staubecken umgeleitet werden.

Hochwasser wiederkehrende Gefahr

Das Gebiet entlang des Jangtsekiang wird zum wiederholten Male von Hochwassern heimgesucht. 1998 starben durch Hochwasser 3700 Menschen, 15 Millionen verloren ihre Unterkunft.

(bf)

Titelbild: AFP Picturedesk

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