Monster-Explosion in Beirut

Stadtteil verwüstet – Explosion bis Zypern spürbar

Eine gewaltige Explosion erschütterte am Dienstag die libanesische Hauptstadt Beirut. Die Detonation im Hafenviertel beschädigte große Teile der Stadt. Teils zerstörte und durch die Coronakrise bereits belastete Spitäler mussten Verletzte abweisen. Die Zahl der Opfer steigt stündlich. Mittwoch Früh wurden mindestens hundert Tote und tausende Verletzte gezählt.

Beirut, 05. August 2020 | Am Mittwoch dauert die Suche nach Überlebenden im Hafenviertel Beiruts an. Eine gewaltige Explosion im Hafenviertel hatte am Dienstag die libanesische Hauptstadt erschüttert. Die Gegend um den Hafen ist vollkommen verwüstet. Noch in weiter entfernten Stadtvierteln warf die Druckwelle der Explosion Autos aufs Dach und beschädigte Gebäude teils schwer.

“Wie ein Erdbeben”

Ein Bewohner Beiruts sagt gegenüber zackzack, die Explosion habe sich angefühlt “wie ein Erdbeben”. Die Bewohner seien zutiefst bestürzt über das Unglück. Dabei spiele auch die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft des krisengeschüttelten Libanon eine Rolle. 70 Prozent der Importe des Landes würden über den nun zerstörten Hafen Beiruts abgewickelt. Wann der Hafen in welchem Umfang seinen Betrieb wieder aufnehmen kann, ist nicht absehbar.

Bereits vor der Coronakrise befand sich das Libanesische Pfund im freien Fall. Die Inflation galoppiert, vor allem Lebensmittelpreise steigen stark. Seit März kann der Libanon seine Staatsschulden nicht mehr bezahlen. Der syrische Bürgerkrieg hatte den Libanon hart getroffen. Das kleine Land am Mittelmeer hatte laut Caritas über eine Million Syrien-Flüchtlinge aufgenommen. Jeder sechste Bewohner ist damit ein Flüchtling. Zum Vergleich: in der EU kommt im jährlichen Schnitt ein Asylwerber auf 1.000 Einwohner.

Opfer überall in der Stadt

Opfer der Explosion vom Dienstag seien “überall” in der Stadt, sagte der Chef des libanesischen Roten Kreuzes George Kettani dem arabischen Nachrichtensende “Al Mayadeen”. In der Nacht war die Suche nach Überlebenden kaum möglich gewesen, wie Libanons Gesundheitsminister Hamad Hassan der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Die Spitäler der Hauptstadt sind überfüllt. Einige wurden bei der Explosion teils schwer beschädigt. Das libanesische Gesundheitssystem war schon zuvor durch Wirtschafts- und Coronakrise schwer belastet gewesen. Aus dem ganzen Land werden nun Rettungswagen und Mannschaften zusammengezogen, um Verletzte zu retten und in umliegende Spitäler zu bringen.

Nach derzeitigem Kenntnisstand scheint ein Lagerhaus am Hafen Ausgangspunkt der Explosion gewesen zu sein. In dem Lager sei laut dem libanesischen Nachrichtendienstchef Abbas Ibrahim  seit 2014 hochexplosives Material gelagert worden. Offiziellen Angaben zufolge handelt es sich dabei um 2750 Tonnen Ammoniumnitrat. Die Substanz wird als Düngemittel und für die Herstellung von Sprengstoffen eingesetzt. Bei katastrophalen Explosionen von Amoniumnitrat  – durch Anschläge oder Unfälle – kamen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Menschen ums Leben.

Unfall oder Anschlag?

Die libanesischen Behörden gehen derzeit nicht von einem Anschlag, sondern von einem Unfall aus. US-Präsident Donald Trump ist mit seiner Einschätzung, es handle sich um einen Bombenanschlag, international fast alleine. Trump bezieht sich auf Gespräche mit namentlich nicht genannten Generälen. Die “New York Times” berichtete jedoch davon, dass ein “hoher Regierungsvertreter” sagte, die USA gingen derzeit von einem Unfall aus.

(tw/lb/agenturen)

Titelbild: APA Picturedesk

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