Nächster Beraterriese im Corona-Geschäft

AGES beauftragte Boston Consulting für Covid-Screening

Exklusive zackzack-Recherche: Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit beauftragte Boston Consulting, eine Teststrategie zu entwickeln. Neben McKinsey beim Köstinger-Mahrer-Plan „Safe-A“ ist damit der nächste US-Beraterriese ins Corona-Management der Bundesregierung verwickelt.

 Wien, 06. August 2020 | Die AGES führt im Auftrag der Bundesregierung Covid-19-Testungen durch. Mit dabei: Die US-Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG). Sie sei für die „Planungsphase“ der Screenings hinzugezogen worden, wie die AGES gegenüber zackzack bestätigte. Die BCG sei aus „mehreren Anbietern“ ausgewählt worden. Die Zusammenarbeit mit Boston Consulting sei mittlerweile jedoch beendet, so die AGES.

Boston bestätigt Zusammenarbeit

Auch die BCG bestätigt: Ein Boston-Team habe an dem Projekt gearbeitet. Wann und für wieviel Geld? Darauf wollte die BCG keine Antwort geben. Grundsätzlich erteile man über Kundenprojekte keine Auskünfte, hieß es.

Zumindest zum Zeitraum der Aktivitäten von Boston gibt es Hinweise: In einer Anfragebeantwortung bezieht sich die AGES auf das neue Epidemiegesetz, das am 18. Juni beschlossen wurde. Und: Nach Informationen, die zackzack vorliegen, war die BCG noch Ende Juli in der Sache aktiv.

Im Rahmen der AGES-Screenings werden auch Daten von Testpersonen erhoben, darunter Name, Geschlecht, Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer und Beruf. Laut zackzack-Recherchen verarbeitete die BCG im Rahmen ihrer Tätigkeit auch Daten. Die AGES sagt, sie habe keine Screening-Daten an die BCG weitergeleitet. Das deckt sich mit zackzack-Informationen, die eine weitere Institution als Quelle für Screeningdaten nahelegen.

Warum Boston Consulting?

Worin bestand die Leistung der BCG? Wieso kann die staatliche Gesundheitsagentur nicht selbst ein Covid-Testprogramm entwickeln? Diese und andere Fragen sind noch offen. Die AGES sagt jedenfalls, die BCG sei für die Planung des Testprogramms „am besten geeignet“ gewesen.

Bekannt ist, dass die BCG (wie der Berater McKinsey, zackzack berichtete) beste Verbindungen zum Büro von Kanzler Sebastian Kurz hat: Kurz-Intimus und Kabinettschef Bernhard Bonelli war zuvor bei der BCG als Berater tätig. Dort hatte er auch Antonella Mei-Pochtler kennengelernt. Die spätere Leiterin des Kanzler-Think-Tanks „Think Austria“ gilt als einflussreiche „Schattenkanzlerin“. Mei-Pochtler eröffnete 1997 das Wiener Büro der BCG und war für den Beraterriesen in mehreren Spitzenfunktionen tätig.

(to/tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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