Großkonzerne profitieren, Klein- und Mittelbetriebe schauen durch die Finger

Geplantes ÖVP-Steuerzuckerl

Die Regierung plant eine Änderung in der Unternehmensbesteuerung mit dem Ziel, Unternehmen krisenfester zu machen. Dabei profitieren vor allem Großkonzerne – viele von der Coronakrise hart getroffene Klein- und Mittelbetriebe schauen durch die Finger, wie das Magazin “Moment” berichtet.

Wien, 07. August 2020 | Die türkise Handschrift in den Corona-Maßnahmen ist erkennbar. Das Finanzministerium hat für Herbst Maßnahmen zur Verbesserung der Eigenkapitalquote heimischer Unternehmen angekündigt: Davon profitieren insbesondere Großkonzerne, wie das Moment-Magazin recherchierte.

Gerade in Krise: Viele schreiben Verluste

Die Tücken für die „Kleinen“ sind zweierlei: Von der geplanten Regelung profitieren nur jene, die Gewinne schreiben. Gerade jetzt in der Krise, wo jene, die nicht schon zusperren mussten, vor den Trümmern ihrer Existenz stehen.

Zackzack berichtete unter anderen über die Veranstaltungsbranche: hier sind massive Verluste an der Tagesordnung. Für jene bringt die geplante Regelung offenbar gar nichts.

Ohne Bilanz kein Zuckerl

Doch es wird noch brisanter: Von jenen, die überhaupt Gewinne schreiben können, können laut derzeitiger Regelung nur die wenigen profitieren, die ihre Eigenkapitalquote als solche in Form einer Bilanz ausweisen.

Bilanzierungspflichtig sind nur Kapitalgesellschaften (darunter GmbH und Aktiengesellschaften) oder Unternehmen, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zumindest 700.000 Euro oder in einem Jahr eine Million Euro Umsatz gemacht haben. Andere Unternehmen können, müssen aber keine Bilanz legen, so das “Moment”-Magazin.

Von dem geplanten „Zuckerl“ sehen insbesondere die vielen kleinen und mittleren Unternehmen nichts, die keine Bilanz legen.

Der Ökonom und Jurist Stephan Schulmeister zu der geplanten Regelung. Bild: Screenshot Twitter.

„Große“ sparen sich 1,2 Milliarden Körperschaftssteuer

Die türkise Handschrift: Vor allem die Großkonzerne und Unternehmen, die trotz Corona-Krise noch Gewinne schreiben und gut durch die Krise kommen, sollen profitieren.

Firmen, die krisengebeutelt ums Überleben kämpfen, gehen leer aus. Das „Moment“-Magazin hat berechnet: Die 500 profitabelsten Unternehmen in Österreich würden so 1,2 Milliarden Euro weniger Körperschaftssteuer zahlen.

Blümel kündigte Maßnahmen für Herbst an

Ein interner Gesetzesentwurf soll indes bereits existieren. Im Gespräch ist eine fiktive Verzinsung von Eigenkapital. Das bedeutet, dass die Unternehmen die fiktiven Zinsen nicht tatsächlich zahlen müssen, sondern sie von ihrer Gewinnsteuer absetzen. Die Idee dahinter: Betriebe sollen motiviert werden, mehr auf Basis von Eigenkapital, als auf Basis von Schulden zu wirtschaften. Das betont auch ÖVP-Finanzminister Gernot Blümel gegenüber dem “Kurier”:

“So hätte man als Unternehmer einen Anreiz, mehr Geld in die eigene Firma zu investieren”

Mehr Eigenkapital macht Unternehmen in Krisenzeiten stabiler. Die Idee ist gut, die geplante Umsetzung bringt allerdings Probleme mit sich.

(lb)

 

Titelbild: APA Picturedesk

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