Pam-Arbeit könnte Voest-Jobs retten

Kahlschlag bei Voestalpine

Während Betriebsräte im Urlaub sind und die Belegschaft auf Kurzarbeit ist, kündigt die Voestalpine einen massiven Stellenabbau an. Ein weiteres Beispiel, warum Corona ambitionierte Antworten braucht, wenn man Jobs retten will. Die Arbeitszeitverkürzung, wie sie Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) vorschlägt, wäre wohl eine Lösung, kommentiert

Thomas Oysmüller

Freitag, 07. August 2020 | In Kapfenberg und Kindberg plant die Voest, 550 Jobs zu streichen. Das sind ein Drittel der gesamten Belegschaft. Man begründet das mit der schlechten wirtschaftlichen Lage, so Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner am Mittwoch in einer Online-Pressekonferenz.

Ohne Absprache mit Belegschaft oder Gewerkschaft, und während Betriebsräte im Urlaub verweilen, so die Arbeiterkammer zu dem Schritt. Die angekündigte Massen-Kündigung zeigt die Dringlichkeit einer Diskussion um Arbeitszeitverkürzung: Die SPÖ-Arbeitszeitverkürzung, einfacher als „Pam-Arbeit“ zu bezeichnen, könnte die Jobs wohl retten.

“Pam-Arbeit” käme auch Unternehmer günstiger

Schon im ersten Absatz im „Kraftpaket“ der SPÖ (im Kapitel Arbeitszeitverkürzung), steht:

„Viele Betriebe in Österreich werden noch länger mit einem erheblichen Nachfrageausfall zu kämpfen haben.“

Genau mit dieser Begründung kündigt die Voestalpine nun den massiven Stellenabbau an.

Werden ein Drittel der Stellen gestrichen, erspart sich der Konzern ein Drittel an Lohnkosten. Würde der Betrieb allerdings auf die von Rendi-Wagner vorgeschlagene Arbeitszeitverkürzung umstellen, könnte sich der Betrieb sogar zwei Drittel der Lohnkosten sparen. Denn bei der „Pam-Arbeit“ zahlt der Konzern nur noch ein Drittel der Löhne (Als vereinfachte Milchmädchen-Rechnung, denn natürlich verdient nicht jeder im Betrieb gleich viel, Anm.).

Rendi-Wagner und Dornauer gemeinsam für “Pam-Arbeit”

„Wir wissen nicht erst seit der Krise, dass die Verteilung von Arbeit ungerecht ist und sich die Arbeitswelt auch durch die Digitalisierung rasant verändert. Die 4-Tage-Woche ist eine zeitgemäße und effiziente Antwort auf die neuen Herausforderungen“,

sagte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner in einer Pressekonferenz gemeinsam mit SPÖ-Tirol-Chef Georg Dornauer am Donnerstag.

Auch Georg Dornauer steht – anders als Hans Peter Doskozil im Burgenland – voll hinter dem Konzept der „Pam-Arbeit“:

„Das reflexartige ‚Njet‘ der Unternehmen und der Industriellenvereinigung ist hier jedenfalls der falsche Weg. Wir müssen gerade heute ohne Denkverbote und ohne Scheuklappen diskutieren können und wir müssen gemeinsame Wege finden, wie wir der Digitalisierung ein menschliches Gesicht geben. Die 4-Tage-Woche ist hier ein guter und diskutabler Ansatz, der unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft einen entscheidenden Schritt nach vorne bringen kann.“

Gerade beim angekündigten Stellenabbau der Voestalpine zeigt sich, wie viel Kraft in der „Pam-Arbeit“ stecken könnte.

Arbeitskampf in den Startlöchern

Zudem erinnert die Voestalpine auch ein wenig an den Fall Swarovski: Dort kündigte man über 1.000 Mitarbeiter, während man die Belegschaft via Kurzarbeit vom Staat finanzieren ließ. Auch bei der Voestalpine ist der Betrieb seit Monaten zum Teil auf Kurzarbeit umgestellt. Kommt nun die Kündigungswelle, drängt sich die Frage auf, ob der Konzern die Kurzarbeitgelder zurückzahlen muss.

Die Arbeiterkammer Steiermark hält sich angesichts des anstehenden Arbeitskampfes noch bedeckt. Man habe den geplanten Stellenabbau nur aus den Medienberichten erfahren, „derzeit wissen wir noch keine Details“, sagt Präsident Josef Pesserl gegenüber zackzack.

Mario Zver, KPÖ-Gemeinderat in Kindberg, kritisierte gegenüber zackzack die mediale Ankündigung der Konzern-Bosse: „Mitten in der Urlaubszeit sät man Unruhe und Unsicherheit innerhalb der Belegschaft. Wenn ich heute als Arbeiter fragen will, ob mein Job gefährdet ist, werde ich kaum jemanden erreichen. Man wusste wegen Corona natürlich, dass es eng wird. Aber da jetzt so vorzupreschen ist scharf zu kritisieren.“

Titelbild: APA Picturedesk

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