Ministeriumssprecher veröffentlicht Handynummer von zackzack-Journalist im Netz: Drohanruf

Offener Brief an Elisabeth Köstinger

An die

Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus, Elisabeth Köstinger

Betrifft: Das Fehlverhalten Ihres Pressesprechers Daniel Kosak

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Köstinger,

unser geschätzter Kollege Ben Weiser recherchiert derzeit zum „Projekt Safe-A“, dem Programm Ihres Ministeriums zu Coronatests in Tourismusbetrieben. An diesem Projekt sind mehrere Personen beteiligt, die denselben Nachnamen wie Ihr Presseprecher Daniel Kosak haben.

In Erfüllung seiner journalistischen Sorgfaltspflicht richtete Hr. Weiser eine Anfrage an Hrn. Kosak. Wir zitieren ihren Inhalt im Wortlaut:

„Hier noch weitere Fragen, um deren Beantwortung ich Sie bitte, damit etwaigen Missverständnissen vorgebeugt werden kann: Sind Sie mit Fr. Dr. (…) Kosak von (…) verwandt oder verschwägert? Sind sie mit Herrn Dr. (…) Kosak verwandt oder verschwägert?

Vielen Dank!“

Anstatt diese routinemäßige Anfrage zu beantworten, veröffentlichte Herr Kosak die vollständige Anfrage auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit dem an die Redaktion zackzack gerichteten Kommentar:

„Eure Unterstellungen werden immer absurder.“

Herr Kosak scheute auch nicht davor zurück, die als Rückrufnummer angegebene Handynummer Herrn Weisers auf diese Art und Weise zu veröffentlichen. Von Twitter-Usern auf den vermeintlichen Fehlgriff aufmerksam gemacht, entfernte Hr. Kosak nicht etwa die Nummer, sondern veröffentlichte sie ein weiteres Mal in Form eines Links zu einer Presseaussendung, in der dieselbe Nummer als Rückrufhinweis angegeben war. Hr. Kosak wollte damit, wie er schrieb, demonstrieren, dass man die Handynummer Herrn Weisers durch Internetrecherche hätte auffinden können.

Offenbar unter großem öffentlichen Druck schrieb Hr. Kosak spätabends eine Nachricht an Ben Weiser, in der behauptete, es wäre nicht seine Absicht gewesen, die Telefonnummer zu veröffentlichen. Angesichts der mehrmaligen Veröffentlichung der Nummer erscheint uns das nicht glaubwürdig. Hr. Kosak bat in dieser Nachricht nicht um Entschuldigung. Stattdessen griff er unseren Kollegen weiter an.

Das Verhalten Ihres Kabinettsmitarbeiters überschreitet eine Reihe roter Linien im Umgang mit Journalisten. Darunter ist die Veröffentlichung einer nicht öffentlichen Anfrage noch das geringste Fehlverhalten, wiewohl es mutmaßlich einen Gesetzbruch (nämlich zumindest einen Verstoß gegen §77 UrhG) darstellt.

Noch schwerer wiegt aus unserer Sicht die Behauptung, wir würden mit „Unterstellungen“ arbeiten. Auf die Nachfrage von Twitter-Usern, um welche Unterstellungen es sich handle, nannte Hr. Kosak ausschließlich Rechercheergebnisse der „Kronen Zeitung“, jedoch keine von zackzack. Wir weisen darauf hin, dass klärende Fragen keine Unterstellungen sind, sondern im Gegenteil unverzichtbarer Bestandteil journalistischer Sorgfaltspflicht im Rahmen gewissenhafter Recherche. Die Wortwahl Ihres Pressesprechers betrachten wir als ehrenrührig und kreditschädigend.

Geradezu schockierend ist die Veröffentlichung der Handynummer von Herrn Weiser. Unser Kollege erhielt kurz nach der Veröffentlichung einen Drohanruf. Eine Aufnahme dieses Anrufs liegt uns vor.

Handelt es sich beim Verhalten von Herrn Kosak bloß um einen eklatanten Mangel an Professionalität, oder stellt es einen Einschüchterungsversuch dar? Müssen kritische Journalisten künftig fürchten, dass ihre privaten Daten illegal im Netz veröffentlicht werden, wenn sie im Rahmen ihrer Arbeit Fragen an Ihr Ministerium richten?

Wir verlangen diesbezüglich eine deutliche Klarstellung Ihrerseits. Darüber hinaus erwarten wir eine öffentliche Entschuldigung, sowohl von ihrem engen Mitarbeiter Daniel Kosak, als auch von Ihnen als politisch und dienstrechtlich verantwortlicher Person.

Für die Redaktion,

Dr. Thomas Walach, CR

Titelbild: APA Picturedesk

Lesen Sie auch

AKTUELLES

Link zu: InlandLink zu: Meinung
Link zu: AuslandLink zu: Leben