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Griechenland setzt 1.000 Flüchtlinge auf offenem Meer aus

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Die Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln können die Menschen nicht mehr fassen, die vor Krieg und Verfolgung in Syrien, Afghanistan und anderswo fliehen. Von der EU im Stich gelassen, greift Griechenland zu grausamen Methoden: Laut Recherchen der New York Times haben die griechischen Behörden über 1.000 Menschen heimlich aus den Lagern geholt und auf dem offenen Meer ausgesetzt.

Wien, 17. August 2020 | In aller Heimlichkeit haben griechische Behörden Flüchtlinge aus Lagern geholt und sie auf Rettungsflößen auf dem offenen Meer ausgesetzt – zum Ertrinken, oder um von der türkischen Küstenwache gerettet zu werden. Das berichtet die Ney York Times in ihrer Freitagsausgabe.

Von Maskierten aus Lager geholt

31 solcher Aktionen sind dokumentiert, mindestens 1.072 Flüchtlinge hat Griechenland auf diese Art in tödliche Gefahr gebracht. Najma al-Khatib, eine syrische Lehrerin, berichtet: Maskierte Beamte hätten sie und 22 andere, darunter zwei Säuglinge in der Nacht aus einem Lager auf Rhodos geholt. Dann seien die Flüchtlinge aufs Meer gebracht und in einem Rettungsfloß ohne Antrieb und Steuer den Wellen überlassen worden. Al-Khatib überlebte, weil sie von der türkischen Küstenwache aufgefischt wurde.

Schon im Juni hatten Spiegel, Mainz, und Lighthouse Reports von einem vergleichbaren Fall berichtet, der sich am 13. Mai zugetragen hat. Die Recherchen der New York Times zeigen nun, dass das Vorgehen Griechenlands System hat.

Österreich nimmt keine Flüchtlinge aus Griechenland auf

Griechenland bestreitet die illegalen Aktivitäten. „Griechische Behörden sind nicht in heimliche Aktivitäten verwickelt“, sagte ein Regierungssprecher zur New York Times. Auf die dokumentierten Vorfälle ging die Regierung jedoch nicht konkret ein. Die Vorwürfe konnte sie nicht entkräften. Immer wieder waren in den vergangenen Monaten Vorfälle bekannt geworden, bei denen griechische Beamte Flüchtlingsboote angriffen oder gefährdeten.

Flüchtlinge schlafen in Athen auf offener Straße. Griechenland kann oder will ihnen keinen Unterkunft geben. Bild APA-Picturedesk

Die österreichische Bundesregierung will weiterhin keine Flüchtlinge aus den überfüllten griechischen Lagern aufnehmen. EU-Ministerin Karoline Edtstadler wollte sich zum Vorgehen der griechischen Behörden nicht äußern.

Reaktionen aus Österreich: „Zum Schämen“

Aus dem SPÖ-Klub heißt es gegenüber Zackzack: „Sollten diese Berichte stimmen, dann ist diese Vorgehensweise natürlich schärfstens zu verurteilen, sofort abzustellen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“ Die österreichische Regierung müsse im Rahmen des Europäischen Rats eine „unmissverständliche Haltung einnehmen“.

NEOS-Abgeordnete Steffi Krisper sprach von „erschütternden Meldungen“. Die schwierige Situation vor Ort sei Resultat der Weigerung von EU-Mitgliedsstaaten, an einem „effizienten, fairen Asylverfahren inklusive Rückführungen zu arbeiten.“ Die fehlende Bereitschaft der österreichischen Regierung, den Flüchtlingen in Griechenland zu helfen und „zumindest ein paar dutzend Kinder aus den überfüllten Lagern aufzunehmen“ sei „zum Schämen“.

Krisper verweist gegenüber Zackzack auf einen entsprechenden Antrag der Wiener NEOS. Auch auf Bundesebene wollen NEOS „weiter kämpfen“.

Von den Grünen gab es keine offizielle Stellungnahme, ÖVP und FPÖ gaben keinen Kommentar ab.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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